Man darf gewaltbeherrschte Videospiele nicht als harmloses Vergnügen abtun. Fans der Spiele verweisen zwar häufig darauf, dass es vor allem um Reaktionsfähigkeit, Taktik und Zusammenspiel gehe und nicht um den Realismus beim Töten. Aber warum wird dann ein Kopfschuss dann so realistisch gezeigt? Und warum muss es sich so echt anfühlen, wenn man den Controller nach unten schwingt und seinem Opfer den Kopf abschlägt? Muss dieses digitale Gemetzel überhaupt sein? Aus solchen Erwägungen heraus hat Kaufhof Spiele wie Tactical Ops oder Far Cry 2 aus dem Sortiment genommen.

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"Jeder Händler hat selbst die Verantwortung, was er verkaufen möchte und was nicht", sagt Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverbandes interaktive Unterhaltungssoftware, der für die Altersfreigabe von Computerspielen zuständig ist. "Allerdings nimmt Kaufhof erwachsenen Menschen die Möglichkeit, Unterhaltung für Erwachsene zu kaufen." Eine Kritik an der Arbeit seines Verbandes kann er indes nicht erkennen. "Mit dem Jugendschutz hat das nichts zu tun, wir machen seit 15 Jahren sehr saubere Arbeit."

So stehen nun in der Abteilung von Kaufhof Spiele mit nicht weniger martialischen Namen, sie heißen Dawn of War II oder Endwar und sind ab 16 Jahren freigegeben. Ein Zehnjähriger kann zu den Regalen schlendern und sie sich ansehen, erst an der Kasse würde er kontrolliert. Einen abgetrennten Bereich wie in vielen Videotheken gibt es nicht - und genau das fordern viele Jugendschützer.

Freilich kann man den Jugendschutz auch kreativ umgehen. In diesen Tagen erscheint Mad World für die Spielkonsole Wii. Es ist der mit Abstand blutigste und brutalste Titel des Jahres 2009, das Ziel des Spiels lässt sich kurz und knapp mit "kreativem Killen" umschreiben. Es ist eine weitere Stufe der Evolution gewalttätiger Videospiele, was an der innovativen Steuerung der Konsole Wii liegt: Damit der Protagonist seine Kettensäge nach unten sausen lässt, muss auch der Spieler den Steuerstock nach unten sausen lassen. Er streckt den Arm nach vorne und reißt ihn zurück, wenn die Figur dem Gegner das Herz herausreißen soll.

Bisher ging es in Diskussionen um den Realismus der grafischen Darstellung, nun geht es um die Steuerung. Der Spieler hämmert nicht mehr nur auf die Tastatur ein, sondern vollführt den Akt des Tötens auf geradezu sadistische Weise. Offiziell hat Publisher Sega keine Freigabe in Deutschland beantragt, um eine Debatte zu vermeiden.

Eine andere Begründung könnte so lauten: Weil das Spiel derart brutal ist, könnte es nicht nur eine Indizierung geben, sondern eine Beschlagnahmung, was den Handel strafbar machen würde. Deshalb wird auf den Verkauf verzichtet und gehofft, dass sich die Fans das Spiel über andere Kanäle aus dem Ausland besorgen. Die Aktion von Kaufhof mag ein medienwirksames Zeichen sein, doch die Probleme und die Ratlosigkeit bleiben.

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  1. Waffen, die keiner kontrollieren kann
  2. Sie lesen jetzt Kreativer Umgang mit dem Jugendschutz
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(SZ vom 20.3.2009/mri)