Umstrittenes Streaming-Portal Hacker kapern Domain von kino.to

Eigentlich hatten die Strafverfolgungsbehörden die Seite kino.to gesperrt, doch nun taucht dort plötzlich eine Botschaft auf. Zwei Hacker haben die Präsenz geknackt - damit es kein Bösewicht tut.

Von Sophie Crocoll

"Liebe Staatsanwaltschaft", beginnt das Schreiben der beiden Hacker. Sie nennen sich Pin3apple und Chomik. Die liebe Staatsanwaltschaft möge ihre freundliche Geste doch bitte nicht mit einem Strafverfahren erwidern, da diese nicht aus böser Absicht, sondern aus Sicherheitsgründen erfolgt sei.

Kino.to (Symbolbild): Der Hauptangeklagte hat bislang noch keine Aussage zur Sache getroffen.

(Foto: dapd)

Was Pin3apple und Chomik getan haben? Die Hacker haben die Internetadresse kino.to übernommen. Damit es kein anderer tut, so schreiben sie. Gern würden sie die Sicherheitslücke schließen und die Adresse den Behörden zurückgeben.

Im Juni 2011 hatte die Kriminalpolizei die Internetseite gesperrt. Über kino.to waren bis dahin Filme und Serien zu sehen, für die die Betreiber der Seite keine Rechte besaßen. Fünf Mitarbeiter von kino.to wurden deshalb bereits verurteilt, zuletzt bekam der Programmierer der Seite eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Ihm wurde vorgeworfen, gewerbsmäßig gegen das Urheberrecht verstoßen zu haben.

Angeklagter schweigt zu den Vorwürfen

Derzeit steht der mutmaßliche Chef der Gruppe vor dem Landgericht Leipzig. Auch er soll gegen das Urheberrecht verstoßen haben. Außerdem soll er mit Werbekunden verhandelt und über Anzeigen auf der Seite insgesamt mehr als sechs Millionen Euro eingenommen haben.

Der Angeklagte Dirk B. schwieg am zweiten Verhandlungstag zu diesen Vorwürfen. Auch sein Verteidiger gab nicht, wie am Prozessauftakt vor zwei Wochen angekündigt, eine Erklärung seines Mandanten ab.

Dirk B. erzählte am Dienstag lediglich Privates: Er stamme aus Leipzig, in der Schule habe er darunter gelitten, dass seine Mutter bei den Zeugen Jehovas war. In der achten Klasse hätten ihn die Eltern deshalb von der Schule genommen. Er sei Dreher geworden, später habe er als Schweißer gearbeitet, bevor er sich nach der Wende als Bodenleger selbständig machte.

In diesem Geschäft sei er auch zum ersten Mal mit dem Programmieren von Internetseiten in Berührung gekommen, berichtet Christine Ehlers, die den Prozess für die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) beobachtet. Als er mit dem Dienstleister seiner Webseite unzufrieden war, habe er sich beigebracht zu programmieren. Später habe er sich ganz auf Geschäfte im Internet konzentriert.

20.000 Nutzer besuchen kino.to weiterhin

Kino.to startete im Frühjahr 2008. Die Arbeitsbelastung stieg offenbar schnell: Wegen Stress habe er etwa eineinhalb Jahre später oft Kopfschmerzen und einen sehr hohen Blutdruck gehabt. Im Mai 2010 übergab der 39-Jährige die Geschäfte deshalb offiziell an seinen Programmierer.

Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass er weiter der Chef der Gruppe war. Vor Gericht widersprach B. einem Sachverständigen, der das Portal für das Landgericht untersucht hat. Es habe lange nicht so hohe Abrufzahlen gegeben. Der Sachverständige hatte beschrieben, dass zu Spitzenzeiten am Tag vier Millionen Dateien über kino.to angeschaut wurden.

Die Internetadresse ziehe derzeit täglich immer noch 20 000 Nutzer an, teilen die Hacker Pin3apple und Chomik der SZ mit. Sie wollten nun dafür sorgen, dass kino.to nicht wieder für illegale Projekte genutzt werde.