Studie zum Medienkonsum Daddeln macht doof

Fernseher und Spielekonsolen sorgen dafür, dass Kinder verdummen. Betroffen sind vor allem Jungen, Kinder aus sozial schwachen Familien und Norddeutsche eher als Süddeutsche.

Fernseher und Computer in Kinderzimmern führen einer aktuellen Studie zufolge zu schlechteren Schulnoten - je brutaler die Inhalte, desto schlechter die Zensuren. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), die am Freitag in Düsseldorf vorgestellt wurde. Betroffen sind meist Jungen, Kinder aus sozial schwachen sowie Migrantenfamilien, Norddeutsche eher als Süddeutsche.

Die Studie mit dem Titel "Die Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums", untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen und ihren Zensuren.

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer und der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (beide CDU) appellierten an die Eltern: "Bildschirmgeräte gehören nicht in Kinderzimmer von Grundschülern." Sommer mahnte: "Bei Grundschulkindern sind bis zu einer Stunde Fernseh- oder Computerzeit pro Tag akzeptabel. Kinder unter zehn Jahren sollten nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen im Internet surfen."

Die Analyse belege, dass alle vier Pisa-Verlierergruppen - Jungen, Migranten, Norddeutsche, Ärmere - schon als Viertklässler über eine erheblich größere Ausstattung mit Fernsehern, Spielkonsole und Computer verfügten als ihre jeweilige Gegengruppe, stellte KFN-Leiter Christian Pfeiffer fest. "Kinder, die mit Medien vollgepflastert sind, zeigen schulisch eine absteigende Tendenz."

Ein Experiment habe ergeben, dass Kinder, die nach der Schule eineinhalb Stunden ein brutales Computerspiel spielten, anschließend erheblich schlechter Mathematikaufgaben lösen konnten als Kinder, die stattdessen Tischtennis gespielt hatten. Anhand einer mehrjährigen Studie mit über 1000 Kindern in Berlin prüfe sein Institut gerade die Arbeitsthese: "Übermäßiger Medienkonsum macht Kinder dick, krank, dumm, traurig - vielleicht auch aggressiv."

Laut KFN-Studie besitzen Jungen zu 38 Prozent eine eigene Spielkonsole, Mädchen dagegen nur zu 16 Prozent. Beim Vergleich von Migranten mit deutschen Kindern fällt der Unterschied mit 44 zu 22 Prozent ähnlich groß aus. Norddeutsche Kinder verfügen zu 42 Prozent über ein eigenes Fernsehgerät, süddeutsche nur zu 27 Prozent.

Extremfälle im Norden

Im Extremfall bringt es ein zehnjähriger Junge aus einer bildungsfernen Migrantenfamilie in Norddeutschland pro Schultag auf rund 4 Stunden Medienkonsum, am Wochenende sogar auf 5 Stunden und 40 Minuten. Ein deutsches Mädchen aus Süddeutschland, von dem mindestens ein Elternteil Abitur hat, kommt dagegen an Schultagen nur auf 43 Minuten, an Wochenenden auf 54 Minuten.

Besonders drastisch wirkt sich der Bildungshintergrund der Eltern bei verbotenen Filmen aus. Viertklässler aus Elternhäusern mit geringem Bildungsniveau gaben acht Mal häufiger an, Spiele zu spielen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind, als Kinder mit gebildeten Eltern. Weit überwiegend sind Jungen die Nutzer, die auch mehr als doppelt so häufig verbotene Filme sehen wie Mädchen.

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