Strategiewechsel Fotoagentur Getty gibt Bilder frei

80 Millionen Bilder sind im Archiv von Getty Images. Fast die Hälfte davon gibt die Fotoagentur jetzt frei. Jeder darf sie auf Facebook, Twitter und seinem Blog einbauen. Ein kluger Strategiewandel. Doch wer mitmachen will, muss einiges beachten.

Von Pascal Paukner, San Francisco

Wer Getty Images im Internet aufsucht, könnte meinen, er wäre aus Versehen bei Google gelandet. Die amerikanische Bildagentur hat ins Zentrum ihrer Homepage ein Suchfeld gemeißelt, das so dominant und selbstbewusst wirkt, wie man es bislang nur von der mächtigsten aller Suchmaschinen kannte. Man muss das als Statement verstehen. Ein Statement, das besagt: Wer hier einen Suchbegriff eingibt, der findet genau das, was er finden will.

Diese Wertschätzung der Suchmaschine ist kein Zufall. Es ist das Geschäftsmodell. 80 Millionen Fotos aus mehr als 100 Jahren hat die 1995 gegründete Fotoagentur aus Seattle in ihrem Bestand. Um möglichst viele Fotolinzenzen zu verkaufen, hilft es, wenn die Kunden schnell finden, was sie suchen. Das galt bislang. Besonders aber gilt es nun, da Getty sein Geschäftsmodell neu auf die digitalen Gegenwart ausrichtet und damit zur Foto-Zentrale für noch mehr Menschen werden will.

Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, ab sofort 35 Millionen Bilder zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Getty stellt allerdings Bedingungen: Die Fotos müssen mit einem Codeschnipsel von Getty eingebunden werden, die einen Link zur Bezugsquelle und einen Copyright-Hinweis enthalten. Ein Prinzip, das Youtube mit Videos populär gemacht hat und das inzwischen viele Internetfirmen nutzen, um möglichst dicke Wurzeln im Internet zu schlagen.

Eingebunden sieht ein Bild zum Beispiel so aus - hier von der Golden Gate Bridge in San Francisco, wo unser Autor derzeit lebt:

Angriff auf die Urheberrechtsverletzer

Ein Mitarbeiter der Agentur sagte dem Technikblog The Verge, man habe sich so entschieden, weil die Fotos sowieso schon überall im Netz zu finden seien. Die Aktion kann man also als Angriff auf die Urheberrechtsverletzer verstehen. Doch statt wie die Musikindustrie Anwaltskanzleien zu bemühen, setzt Getty auf Kooperation.

Der Deal lautet: Man darf die Fotos zu "redaktionellen Zwecken" nutzen, das heißt im Zusammenhang mit Ereignissen, die "berichtenswert" und von "öffentlichem Interesse" sind. Im Gegenzug behält sich Getty das Recht vor, über den eingebetteten Code Daten zu sammeln, Werbung einzublenden und die Fotos wieder zu löschen. So steht es in den deutschen Nutzungsbedingungen.

Es ist ein Angebot, das vor allem für kleinere Nachrichtenseiten und Blogger attraktiv sein könnte, die sie sich bislang die Bildrechte häufig nicht leisten konnten. Außerdem sind künftig all jene auf der sicheren Seite, die eines der freigegebenen Getty-Fotos auf Facebook oder Twitter veröffentlichen. Getty dürfte neben Daten und möglichen Werbeeinnahmen vor allem an den zusätzlichen Webseitenbesuchern interessiert sein, die möglicherweise irgendwann auch mal ein Bild kaufen.