Spam: Gefahr aus dem Netz "Es wird nicht besser, sondern schlimmer"

Spammer verdienen viele Millionen Euro - Viren lassen sich zu Geld machen. Ein Gespräch mit dem Sicherheitsexperten Mikko Hypponen über kriminelle Geschäftsmodelle im Internet.

Interview: Jörg Donner

Mikko Hypponen, Chefentwickler beim finnischen Softwarehouse F-Secure, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der Sicherheit von Computern. Er gilt als Experte für Viren und Bedrohungen im Netz. Mit suedddeutsche.de spricht er über die Gefahren für Anwender - und warum sich Angriffe auf Computer lohnen.

Spam: Gefahr aus dem Netz

(Foto: Foto: iStockPhoto)

sde: Warum muss ich mir als Privatanwender Sorgen um die Sicherheit meines Computers machen?

Hypponen: Weil fast jeder Anwender heutzutage seinen Computer für Dinge nutzt, mit denen illegal Geld verdient werden kann: Homebanking, Einkaufen und Aktienhandel sind offensichtliche Angriffsflächen. Aber auch Online-Spiele oder die reine Rechenleistung eines Computers machen Nutzer für kriminelle Angriffe interessant.

sde: Weshalb?

Hypponen: Es geht um Geld, ganz einfach. Das Internet kennt keine Grenzen, keine Distanzen. Um ein Auto zu stehlen, wird niemand von Korea nach Deutschland fliegen - aber für einen Hacker oder Spammer ist es völlig unerheblich, ob ein Rechner im Büro nebenan, in Berlin oder in New York steht. Für viele Menschen bietet sich so eine sprudelnde Einnahmequelle.

sde: Wodurch verdienen die Kriminellen ihr Geld?

Hypponen: Die "Geschäftsmodelle" sind vielfältig. Die simpelste Form ist das Ausspähen von Bank- oder Kreditkartendaten: Damit lassen sich direkt Geldbeträge transferieren. Oft werden Mittelsmänner eingeschaltet, die unter dem Vorwand einer legalen Beschäftigung unwissend Geldwäsche betreiben.

sde: Wie funktioniert das?

Hypponen: Man bekommt beispielsweise eine E-Mail eines "gut laufenden Unternehmens" in Weißrussland. Der Geschäftsführer beklagt darin, dass es in letzter Zeit zu Verzögerungen bei Überweisungen gekommen sei und man deshalb neue Wege suche, an Geld aus dem Ausland zu kommen. Willigt der Empfänger ein, erhält er einen Geldbetrag auf sein Konto überwiesen. Er hebt das Geld ab, behält seine Provision und übermittelt den Rest per Bartransfer bei einem Unternehmen wie Western Union an einen unbekannten Empfänger. Bei dieser Geldwäsche lässt sich der Empfänger nicht ermitteln. Die Spur endet bei Mittelsmännern, den "kleinen Fischen". Solche Leute werden auch auf Webseiten gesucht, die sehr professionell aussehen und mit schnellverdientem Geld locken.