Soziales Netzwerk Google Plus Google schickt seinen Facebook-Rivalen ins Rennen

Das Imperium schlägt zurück: Google setzt Facebooks wachsender Dominanz ein eigenes soziales Netzwerk entgegen. Dabei will der Konzern dem Konkurrenten die Nutzer mit schickem Design und besserer Privatsphären-Kontrolle abspenstig machen. Für den Konzern ist der Erfolg des Plus-Dienstes überlebenswichtig.

Von Johannes Kuhn

Zu seinem Amtsantritt im April erklärte der neue Google-Chef Larry Page seinen Angestellten noch, dass ihre Boni für 2011 vom Erfolg der sozialen Strategie abhängen werden - nun schickt das Unternehmen seinen Facebook-Gegner in die Spur.

So funktioniert das Google-Facebook

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Google Plus (geschrieben "Google+") heißt der Dienst, mit dem Besitzer eines Google-Kontos künftig ihre persönlichen Beziehungen besser verwalten können sollen. Der Grundgedanke: Anders als Facebook sollen die Nutzer von Google Plus ihre Privatsphäre intuitiv verwalten können und genau bestimmen, mit wem sie kommunizieren: mit Freunden, Geschäftskontakten oder gar der Öffentlichkeit.

Dabei stehen folgende Funktionen im Mittelpunkt, die künftig in einer schwarzen Navigationsleiste am oberen Seitenrand aufrufbar sein sollen.

Circles: Freundschaftskreise verwalten

Google-Nutzer können die Kontakte aus ihrem Adressbuch in bestimmte Gruppen ("Circles") einteilen. Weil man mit der Familie andere Dinge teilen möchte als mit dem Kegelklub, können Tanten und Onkel in eine andere Schublade als der Kegelbruder gesteckt werden - und sehen entsprechend nur die Informationen, die für sie freigegeben sind. Ein ähnliches Werkzeug bietet allerdings inzwischen auch Facebook mit seinen Gruppen an, allerdings erscheint Google bei der Gruppen-Verwaltung ersten Bewertungen zufolge übersichtlicher.

Stream: Googles Pinnwand

Dem Facebook-Stream folgt nun ein Google-Stream: Dort kann der Nutzer verfolgen, was seine Kontakte gerade posten. Wie beim Konkurrenten soll dies der Ort sein, an den Nutzer immer wieder zurückkehren, um sich darüber zu informieren, was gerade passiert. Im Stream dürften auch die Klicks auf Googles Plus-Button angezeigt werden, den inzwischen viele Seiten (auch sueddeutsche.de) auf ihrer Seite integriert haben.

Sparks: Der Themendienst

Sparks fungiert als eine Art Feed-Reader für Themen: Nutzer können ihre Eingaben in Suchfelder künftig als Interesse anlegen. Wer zum Beispiel nach Mode sucht, kann das Ergebnis als Interesse markieren und erhält automatisch weitere Empfehlungen zum Thema. Für Google ist diese Preisgabe von Kundeninteressen praktisch: Hier dürfte mit der Zeit auch massiv Werbung geschaltet werden.

Huddle und Hangouts: Die Gruppenchats

Facebook hat mit seinem Chatdienst längst Programmen wie Google Chat den Rang abgelaufen. Deshalb hat der Suchkonzern nun nachgebessert: Hangouts ist eine Videochatfunktion, bei der bis zu zehn Nutzer gleichzeitig miteinander sprechen können. Huddle ist hingegen textbasiert, ist aber ebenfalls auf Gruppengespräche ausgelegt - die Nutzer können über E-Mail, SMS oder Chat miteinander kommunizieren. Die Ähnlichkeit zu Facebooks Multi-Kommunikationskanal ist kein Zufall - allerdings ist nicht klar, ob die Verschmelzung der verschiedenen Kommunikationsformen von Nutzern des Rivalen bislang überhaupt angenommen wird.

Mobil: Die Apps

Googles Plus-Dienst ist als Android-App verfügbar, die iPhone-App ist derzeit noch im Apple-Zulassungsprozess.

Bislang können nur ausgewählte Nutzer Google Plus ausprobieren, nach deren Feedback will Google noch Anpassungen vornehmen, bevor der Dienst für alle zugänglich wird. Ein erstes positives Fazit zieht Marshall Kirkpatrick vom IT-Blog Read Write Web. Er schreibt von einer "fesselnden Erfahrung". Der bekannte Blogger Robert Scoble nennt Google Plus "verdammt nett".

Nach dem Flop-Projekt Google Buzz scheint also der neue Facebook-Konkurrent zumindest handwerklich gelungen - wobei viele Funktionen denen von Facebook stark ähneln. In Sachen Design kann Google aber offensichtlich punkten - das stammt von Andy Hertzfeld, einem früheren Apple-Pionier.

Der Erfolg hängt allerdings maßgeblich davon ab, ob die Nutzer wirklich dazu bereit sind, ihre soziale Aktivität von Facebook zu Google zu verlegen. Inzwischen befindet sich mit fast 700 Millionen angemeldeten Nutzern ein bedeutsamer Teil der ans Internet angeschlossenen Menschen bei Facebook - der Drang zu wechseln dürfte sich bei den meisten Mitgliedern deshalb erst einmal in Grenzen halten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass dieser Trend unumkehrbar ist. Erfolg im Freundschaftsnetz wäre für Google enorm wichtig: Inzwischen verbringen Nutzer mehr Zeit auf Facebook als bei Google - in den USA wird deshalb bereits seit längerem darüber diskutiert, ob die soziale Empfehlung die Suche im Netz abgelöst hat.

Facebook, aber mit Stil

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