Second Life Echter Ärger in der falschen Welt

Ärger für die Betreiber der virtuellen Welt Second Life: In einer Sammelklage werfen Nutzer den Verantwortlichen vor, sie enteignet zu haben.

Im Jahr 2007, lange bevor Facebook groß oder Twitter überhaupt gegründet waren, machte eine Vision die Runde: Die Plattform Second Life sollte zum virtuellen Zuhause der Internetwelt werden. Nutzer würden, so verkündeten die Netzpropheten, künftig in der 3-D-Welt ihre Partner kennenlernen, zum Shopping gehen, Immobilien kaufen.

Drei Jahre später spricht kaum noch jemand über Second Life, die meisten Unternehmen haben sich wieder aus der 3-D-Welt verabschiedet. Dafür droht dem Betreiber Linden Lab nun Ärger. In einer Sammelklage gehen nun Eigentümer virtueller Second-Life-Immobilien gegen das Unternehmen vor.

Der Vorwurf läuft auf den der Enteignung hinaus: Mit neuen Nutzungsbedingungen hätte Linden Lab den virtuellen Besitz für ungültig erklärt. Dabei, so heißt es in der Klageschrift, habe das Unternehmen zuvor "Konsumenten überall in den USA dazu verleitet, echtes Geld in Second Life zu investieren." Die Nutzer hätten davon ausgehen können, dass dieses Eigentum ihnen auch gehöre, zumal sie dafür eine Art Eigentumssteuer zahlen mussten.

Nicht nur "seltsames Geld und Avatare"

"Nun heißt es, dass den Eigentümern von Land und anderen Gegenständen das, was sie erzeugt, gekauft und bezahlt haben, nicht gehört", ist in der Klageschrift zu lesen. Dabei seien die Anwender gezwungen gewesen, die neuen Nutzungsbedingungen anzuklicken - sonst wären sie nicht an ihr Benutzerkonto gelangt, hätten also durch die Hintertür ihr Eigentum verloren.

Hinter der Klage steht die Frage nach dem Eigentum von virtuellen Gütern. "Virtuelle Welten sind nicht nur 'seltsames Geld' und Avatare", schreibt eine Autorin im IT-Blog Mashable, "es geht um ernste Geschäfte, sowohl für die Eigentümer und Investoren, die davon profitieren, als auch für die Nutzer, die hunderte, ja tausende Dollar investieren, um Charaktere zu schaffen und online zu interagieren." Über die Frage, ob sie das davor schützt, die Rechte an diesen virtuellen Gütern wieder abgeben zu müssen, wird nun wahrscheinlich ein Gericht entscheiden.

Linden Lab wurde jüngst von den Investmentanalysten SharesPost auf einen Wert von 383 Millionen Dollar geschätzt und konnte im ersten Quartal 2010 Umsätze von 160 Millionen Dollar bei Transaktionen zwischen Nutzern verbuchen. Das Unternehmen hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht geäußert.