Sascha Lobo über Twitter Die SMS, die Jünger macht

Obama zwitschert, Hubertus Heil - und auch Sascha Lobo. Der Blogger und Autor gilt als Twitter-Pionier. Für ihn ist der Mikro-Blogging-Dienst der perfekte Nachrichtenkanal.

Interview: Christian Kortmann

SZ: Herr Lobo was haben Sie zuletzt getwittert?

Sascha Lobo: "Ich möchte jetzt nicht den Engel an die Wand malen, aber heute könnte ein guter Tag werden." Heute morgen habe ich das geschrieben.

SZ: Wann haben Sie begonnen zu twittern?

Lobo: Im Jahr 2007. Und spätestens als ich meine Follower, die Abonnenten meiner Kurznachrichten, zu einer Party einlud, habe ich gemerkt, dass man auf diese Art Menschen mobilisieren kann. Denn von 800 Eingeladenen kamen 120, an einem Mittwochabend um 23 Uhr.

SZ: Wieso brauchen wir aber überhaupt ein weiteres schriftliches Kommunikationsmedium?

Lobo: Mikro-Blogging hat einen ganz besonderen Charme. Es ist ein privater Nachrichtenticker und ein Privatnachrichten-Ticker, in den Mitteilungen vermischen sich persönliche und weltpolitische Nachrichten. Man hat das Gefühl, ein Teil des pulsierenden Lebens im Internet zu sein und nichts zu versäumen.

SZ: Wie viele Mikro-Blogger gibt es mittlerweile?

Lobo: In Deutschland schätze ich ihre Zahl auf 50.000 bis 100.000, mindestens die Hälfte von ihnen hat auch einen eigenen Blog. Bislang ist es ein Medium der digitalen Avantgarde. Zu meinen Followern gehören einige Online-Chefredakteure und Vorstandsvorsitzende von Web-Unternehmen.

SZ: Als erster deutscher Politiker sorgte der Sozialdemokrat Hubertus Heil als Mikro-Blogger für Aufmerksamkeit.

Lobo: Ich sitze im Online-Beirat der SPD und habe Hubertus Heil mehrfach vorgeschlagen zu twittern. Beim Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver hat er es dann getan. In den Verrissen, die er dafür in der deutschen Presse erhielt, wurde deutlich, dass viele Journalisten Twitter nicht verstehen. Sie sehen ihre mediale Deutungshoheit bedroht, wenn Politiker direkt mit Menschen kommunizieren. In den Blogs hingegen waren die Reaktionen überwiegend positiv. Es ist eben ein mächtiger Kanal, um Aufmerksamkeit schnell in eine Richtung zu lenken. Barack Obama stellte seine Reden bei der Videoplattform YouTube ins Netz und informierte sofort seine Follower. Heute sind es übrigens schon rund 140.000.

SZ: Aber man kann auf 140 Zeichen keine politischen Debatten führen. Und selbst im Privaten stößt man da doch an Grenzen.

Lobo: Klar, Mikro-Blogging ist für große Diskussionen nicht geeignet. Aber man kann auf Dinge hinweisen.

SZ: Will man das denn alles genau wissen, was getwittert wird, oder droht die nächste Spam-Welle?

Lobo: Nein, man sucht sich ja genau aus, von wem man über was informiert werden möchte. Früher gab es das Relevanz-Diktat der Medien, die Themen auswählten. Heute machen wir viele Angebote, und die Nutzer entscheiden, was sie interessiert. Beim Mikro-Blogging weiß ich sofort, wie viele meiner Empfehlung folgen und dann eine bestimmte Website anklicken.

SZ: Was ist die Twitter-Nachricht vom Morgen am Abend wert? Ist es ein guter Tag geworden?

Lobo: Wen's interessiert, den werde ich per Twitter informieren.