Neue Identität im Internet Gefälschter Ausweis für ein paar Bitcoins

Wallen besorgte Bitcoins für Aaron Brown, das Internet-Zahlungsmittel, das man in Dollar tauschen kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Mit den Bitcoins kaufte er einen Studenten-Ausweis, eine Autoversicherungskarte, die Kabelrechnung, den Bootsführerschein, einen Ausweis der Zugehörigkeit zu einem amerikanischen Indianer-Stamm und den Führerschein im Deep Web - alles gefälscht für insgesamt sieben Bitcoins, damals waren das rund 400 Dollar.

Browns Interessen konnte er sich nicht aussuchen, er musste nehmen, was er kriegen konnte. "Das Projekt war schwerer, als ich dachte, aber aus anderen Gründen", sagt Wallen. "Es ist leicht, eine neue Person im Internet zu erschaffen, aber es ist sehr schwer, es richtig zu machen. Man muss ständig aufpassen, dass man sich nicht verrät." Ihm sind viele kleine Fehler unterlaufen, er hat zu viel seines Versuchs, nicht dokumentiert zu werden, selbst dokumentiert.

"Vermische die Identitäten nicht"

Die größte Herausforderung, sagt er, war stets darauf zu achten, die richtigen Programme, Netzwerke und Deep-Web-Marktplätze mit den richtigen Kennwörtern zu verwenden. Es gab schließlich E-Mail-Adressen, die mit ein paar Tricks zurück zu Curtis Wallen geführt hätten. An Wallens Bildschirm in seiner Wohnung in Brooklyn klebte seit dem Anfang des Projekts ein Post-it: "Vermische die Identitäten nicht".

All seine Passwörter schrieb er in ein Notizbuch, den einzig sicheren Ort vor den Datensammlern. "Wenn jemand sich wirklich bemühen würde, könnte er wahrscheinlich eine Verbindung zwischen Aaron Brown und mir herstellen. Ich würde mir wünschen, dass es nicht ginge, aber wenn die Behörden einen wirklich finden wollen, schaffen sie es doch fast immer. Es wäre allerdings nicht leicht."

Im vergangenen Oktober hat das FBI zum Beispiel nach jahrelanger Suche den ausgesprochen gewieften Betreiber des Deep-Web-Netzwerks Silk Road verhaftet, eine Art Ebay für Gangster. Wichtig für Aaron Browns Glaubwürdigkeit war außerdem Twitter, der falsche Mensch muss sich äußern - aber ohne auf Wallen hinzuweisen. Der 25-Jährige hat Browns Twitter-Konto @aaronbrown216 mit einem Programm verbunden, so dass jeder den Account benutzen und in Browns Namen twittern kann.

Erst twitterten nur ein paar inzwischen eingeweihte Freunde unter dem Namen, dann wurden es mehr und mehr Menschen, es gibt Liebeserklärungen, Witze, Beschimpfungen und politische Statements unter @aaronbrown216. Gerade hat einer "Fuck you Curtis Wallen" getwittert. Wallen kichert, als er das sieht. "Seit es ein paar Medienberichte über das Projekt gab, ist die Verbindung von Aaron Brown zu mir nicht gerade ein Geheimnis." Aaron Brown sei ihm ans Herz gewachsen, sagt Wallen. "Aber ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich finde, dass jeder mit ihm machen kann, was er will."