Netzneutralität Das Zwei-Klassen-Netz

Bislang waren alle Daten gleich - jetzt planen Internet-Betreiber Extra-Gebühren für aufwendige Angebote.

Von Monika Ermert

Angebote für DSL-Anschlüsse gibt es mehr als genug, unter 250 verschiedenen Tarifen haben deutsche Kunden zurzeit die Wahl. Zumindestens über ein Problem aber müssen sich Internetsurfer im Moment noch keine Gedanken machen. Dass der Weg zu ihrer Lieblingswebseite plötzlich künstlich verlangsamt wird oder das eigene kleine Internetangebot für potentielle Besucher schlecht zu erreichen ist.

Das Prinzip Netzneutralität: Alle Inhalte sind frei zugugänglich.

(Foto: Foto: Reuters)

Das jedoch könnte passieren, wenn die Beherrscher des Netzes nicht nur für Datenleitungen mit unterschiedlichem Leistungsvermögen unterschiedliche Preise verlangen, sondern sich auch dafür extra bezahlen lassen, damit beispielsweise der kleine Internetshop genauso schnell ans weltweite Netz angebunden wird wie der große Internethändler. Internetunternehmen, Verbraucherschutzorganisationen warnen schon vor der Mehrklassengesellschaft im Internet, wenn das verloren geht, was seit Anbeginn des Internets an galt: dass im Datennetz technisch gesehen jeder gleich ist, im Jargon Netzneutralität genannt.

"Wenn Sie wollen, dass die Jungs aus der Garage in Düsseldorf morgen das nächste Skype auf den Markt bringen, müssen Sie eine Diskriminierung verhindern", warnte etwa Andrew McLaughlin, Global Policy-Chef bei Google kürzlich auf einer Konferenz zur Netzneutralität in Bonn. Nicht nur wegen der Software Skype, die es ihren Nutzern ermöglicht, übers Internet weltweit kostenlos miteinander zu telefonieren, tobt in den USA tobt eine erbitterte Debatte über ein Gesetz, das die Netzneutralität regeln soll.

Kein Durchgang zu Google

Auslöser war die Drohung großer Netzbetreiber, eine Extragebühr dafür zu kassieren, dass große Anbieter wie Google oder Youtube durchgeleitet werden. Zwar sehen sich die Europäer durch ihre Gesetze dafür gerüstet, wettbewerbsfeindliche Verletzungen des Neutralitätsprinzips zu verhindern. Allerdings entsteht mit dem Internet der neuen Generation, dem Next Generation Network" (NGN) ein Netz ganz anderer Art, und diese Entwicklung gelte es zu beobachten, sagt die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Iris Henseler-Unger.

Noch kommen alle überall an auf dem Datenhighway, versichert die Bundesnetzagentur. Eine Diskriminierung von Inhalten oder Diensten, die dem Netzanbieter nicht genehm sind, gab es bisher noch nicht - besser gesagt, fast nicht. Zwei Beispiele für Diskriminierungsversuche europäischer Unternehmen nannte Richard Cawley von der EU-Kommission bei der Konferenz. Die deutsche Vodafone hat vor zwei Jahren angekündigt, dass man gedenke, die Nutzung des beliebten Internettelefonanbieters Skype im eigenen UMTS-Netz zu blockieren.