Missbrauch von Kontodaten Razzia im Call-Center

Erste Ermittlungserfolge im Skandal um die Weitergabe von Bankdaten tausender Verbraucher: Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach stellte Unterlagen in einer Viersener Firma sicher.

Im Skandal um die unerlaubte Weitergabe von Kontodaten tausender Verbraucher hat die Staatsanwaltschaft eine Callcenter-Firma in Viersen durchsucht. Auch die Privatwohnungen der Geschäftsführer des Unternehmens hätten Ermittler bereits am Dienstagabend durchsucht, bestätigte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach am Mittwoch. Bei den Razzien sei "eine Fülle von Material" beschlagnahmt worden, das nun ausgewertet werden solle. Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz richteten sich gegen mehrere Personen.

Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war anonym eine CD mit den Datensätzen von mehr als 17.000 Bürgern zugespielt worden, die Namen, Adressen, Geburtstage und Kontonummern enthielten. Das Landesdatenschutzzentrum in Kiel erstattete daraufhin Strafanzeige gegen die Viersener Firma, die nach Angaben der Behörde diese Daten unter anderem an Call-Center weiterverkauft haben soll.

Unklare Herkunft der Daten

Als nächstes sollten die sichergestellten Unterlagen geprüft und die Beschuldigten vernommen werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Unter anderem werde auch zu der Frage ermittelt, woher die weitergegebenen Daten stammten.

Auch ein Sprecher der Verbraucherzentrale hatte am Dienstag gesagt, die Herkunft der Daten sei noch ungeklärt. Auffällig sei nur, dass viele Verbraucher, die sich in der jüngsten Zeit bei den Beratungsstellen beschwert hätten, in der Vergangenheit Kunden von Glücksspielanbietern gewesen seien.

Viele Betroffene hätten angegeben, vor längerer Zeit Lose der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) per Kontoabbuchung bezahlt zu haben. Zugleich wiesen die Namen der auf der CD gespeicherten Dateien auf die SKL hin. Die SKL hatte dagegen erklärt, man habe nie Kundendaten an Dritte weitergegeben. Man habe sich bereits mit der Verbraucherzentrale in Verbindung gesetzt, um eine rasche Klärung der Herkunft der Daten zu erreichen.

Roth fordert Verbot für Handel mit persönlichen Daten

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte ein grundsätzliches Verbot für den Handel mit persönlichen Daten. Es sei an der Zeit, das Bundesdatenschutzgesetz grundlegend zu reformieren, damit es den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft gerecht werde. Gerade im Bereich der Wirtschaft befinde sich der Datenschutz noch "in der technologischen Steinzeit", betonte die Grünen-Chefin. Die Sammelwut von Unternehmen, die das Verhalten ihrer Kunden im Internet, durch Kundenkarten und andere Überwachungsmaßnahmen protokollierten und für ihre Interessen nutzten, berge die Gefahr von neuen Missbrauchs- und Skandalfällen.