Micro-Blogging Twitter sichert sich mehr als 35 Millionen Dollar

Twitter hat Millionen Nutzer, aber noch kein richtiges Geschäftsmodell. Das soll nun mit der Finanzspritze von vier neuen Investoren in Angriff genommen werden.

Der Internet-Kommunikationsdienst Twitter hat sich für seine weitere Entwicklung mehr als 35 Millionen Dollar von Investoren gesichert. Twitter gab die bereits dritte Finanzierungsrunde bekannt, ohne die genaue Summe mitzuteilen. Vertreter der Investoren bezifferten allerdings im Technologie-Blog TechCrunch den Beitrag von zwei der vier Teilnehmer auf 35 Millionen Dollar.

Die Summe ist umso beeindruckender, da Risikoinvestoren angesichts der Wirtschaftskrise die Finanzierung junger Internet-Unternehmen massiv zurückgefahren haben. Viele Firmen mussten Mitarbeiter entlassen, mehrere gaben bereits auf.

Die Idee des 2006 gestarteten Twitter-Dienstes ist so etwas wie eine SMS, die alle Lesen können. Die Nutzer können Nachrichten schreiben, deren Länge auf 140 Zeichen beschränkt ist. Man kann die Twitter-Ströme bestimmter Nutzer abbonieren oder alle Kurznachrichten nach Themen durchsuchen.

Das Wort Twitter ist vom englischen tweet (zwitschern) abgeleitet. Der Dienst wurde im US-Präsidentschaftswahlkampf intensiv genutzt und gilt als modernes Wahlkampfinstrument.

Für Aufsehen sorgte Twitter unter anderem, als Augenzeugen der Terrorattacken von Bombay über den Dienst live von ihren Erlebnissen berichteten. Vor einigen Wochen veröffentlichte einer der Nutzer über die angekoppelte Bilder-Plattform TwitPic ein Foto des im New Yorker Hudson River notgelandeten Passagierjets, das um die Welt ging.

Twitter hat derzeit mehrere Millionen Nutzer, den Gründern ist es aber bisher nicht gelungen, für den Dienst ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Dies wollen sie nun auch mit dem neuen Geld in Angriff nehmen, wie Mitbegründer Biz Stone ankündigte. Insgesamt sammelte Twitter inzwischen mehr als 50 Millionen Dollar ein.

Twitter auch im Bundestag beliebt

Der Micro-Blogging-Dienst erfreut sich auch im Deutschen Bundestag zunehmender Beliebtheit. Bereits jeder zehnte Abgeordnete hat sich dem Internet-Plauderdienst angeschlossen. Von den insgesamt 612 Bundestagsabgeordneten haben 68 ein Twitter-Konto, wie aus einer Untersuchung der Analysefirma Nielsen Media hervorgeht.

Nach der Studie verfügt die FDP-Fraktion mit 50 Personen über die meisten Konten, während Abgeordnete der Grünen - insbesondere Volker Beck - Twitter am aktivsten nutzen. Abgeordnete der SPD und der Grünen sind mit jeweils sieben Personen präsent, während von der CDU vier Parlamentarier twittern. Von der Linken hatte zum Zeitpunkt der Untersuchung Ende Januar kein Parlamentarier einen Twitter-Account.

Die meisten neuen Nachrichten wurden laut Nielsen mit 1149 bislang von Abgeordneten der Grünen verfasst. An zweiter Stelle folgt die SPD mit insgesamt 378 veröffentlichten Beiträgen. Die Parlamentarier der CDU haben bisher 200 Updates beigetragen, während die FDP trotz der 50 aktiven Konten nur auf auf 101 Beiträge kommt. Die größte Anzahl an "Followern", wie Abonnenten von Twitter-Nachrichten genannt werden, hat mit 3594 Personen die SPD.

Thematisch beschäftigen sich die Politiker vor allem mit ihrem Arbeitsalltag, verraten aber auch private Dinge.