Kampf gegen Killerspiele Bayern will junge Lockvögel aussenden

Der Freistaat schickt Jugendliche in den Kampf gegen Killerspiele: Sie sollen mit Testkäufen illegale Geschäfte mit Ego-Shootern aufdecken.

Bayern will die Verbreitung von Killerspielen eindämmen. Innenminister Joachim Herrmann und Sozialministerin Christine Haderthauer (beide CSU) forderten eine Überarbeitung der Kriterien bei der Bewertung der Altersfreigabe von Computerspielen. Haderthauer kündigte außerdem an, dass die Staatsregierung mit jugendlichen Testkäufern gegen den illegalen Handel mit altersbeschränkten Killerspielen vorgehen werde.

"Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass ein ganz großer Teil der Kinder und Jugendlichen Spiele, die für ihr Alter nicht zugelassen sind, am Ladentisch erworben haben", sagte die Ministerin dem Radiosender Antenne Bayern. Deshalb sollten bereits in den nächsten Wochen minderjährige Testkäufer in ganz Bayern Stichproben machen.

Neuer Kriterien-Katalog

"Ich möchte da eine ausgewählte Gruppe nehmen, zum Beispiel Anwärter aus der öffentlichen Verwaltung, die entsprechend vorbereitet und geschult werden", erläuterte Haderthauer. Eine entsprechende Initiative solle am Dienstag im Kabinett beschlossen werden.

Außerdem sollen der CSU-Politikerin zufolge die Kriterien bei der Bewertung der Altersfreigabe überarbeitet werden. "Die Altersfreigabe macht den Bock zum Gärtner", sagte Haderthauer. Sie werde finanziert und organisiert von der Spielewirtschaft. Habe ein Spiel eine Freigabe erhalten, könne es nicht mehr verboten werden, selbst wenn sich nachträglich eine Jugendgefährdung herausstelle. "Es kann nicht sein, dass dem Staat hier die Hände gebunden sind", mahnte die Ministerin.

Ähnlich äußerte sich Herrmann, der die Unabhängige Selbstkontrolle (USK) der Computer-Spiele-Hersteller als völlig unzureichend kritisierte. "Von der USK werden Spiele mit Altersbegrenzung - zum Beispiel ab 18 Jahre - freigegeben, die weit in den Bereich der Gewaltverherrlichung gehen", sagte er der Augsburger Allgemeinen.

"Absurde Situation"

Sobald eine solche Freigabe erteilt sei, seien der staatlichen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Hände gebunden. Sie könne das Computerspiel laut Jugendschutzgesetz nicht mehr verbieten.

"Das ist eine absurde Situation - dass dem Staat die Möglichkeit zu einer eigenen, unabhängigen Prüfung von Rechts wegen genommen ist", betonte der Innenminister.

Herrmann forderte, "dass die USK ihre Beurteilungspraxis schleunigst ändert". Außerdem sollten sich "die Jugendschutzbehörden der Länder künftig häufiger quer legen". Wichtig sei, "das Jugendschutzgesetz so zu ändern, dass die Bundesprüfstelle unabhängig davon tätig werden kann".