Gegen Schnellschüsse von Technik-Laien: Die Web-Gemeinde hat gezeigt, wie schnell sie Widerstand gegen heuchlerische Netzsperren organisieren kann.
Die Web-Gemeinde zeigt, wie schnell sie Widerstand organisieren kann: Nicht einmal fünf Tage benötigte sie, um über die Internetseite des Bundestages mehr als 50.000 Stimmen zu sammeln.
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Sie stimmen gegen Familienministerin von der Leyen, gegen die von ihr betriebene und vom Bundeskabinett beschlossene Änderung des Telemediengesetzes. Die Politik will damit Kinderpornographie bekämpfen; doch der Versuch ist ungenügend, unzureichend und heuchlerisch.
Der Gesetzentwurf sieht die heimliche Zusammenarbeit des BKA mit Internetprovidern vor, um den Zugang zu Webseiten mit kinderpornographischem Inhalt zu sperren. Die Kritiker werfen erstens ein, dass man sich offenbar damit begnüge, den Zugang zu Seiten zu sperren, nicht aber die Seiten selber.
Strafbewehrte Zensur
Dass zweitens die Sperrlisten nach obskuren Kriterien erstellt werden. Und dass drittens den Opfern von Kinderpornographie nicht im mindesten geholfen ist, wenn für die Voyeure lediglich Stoppschilder gesetzt werden. Und: man befürchtet den Einstieg in eine strafbewehrte Zensur.
Wie reagieren führende Politiker auf die Einwände? Wirtschaftsminister von Guttenberg zeigt sich "sehr betroffen." Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Körper kann "absolut nicht verstehen", wie man Zugangssperren mit Zensur in Verbindung bringen kann. Und Frau von der Leyen erinnert daran, dass jede "zivilisierte Gesellschaft Kinderpornographie ernsthaft ächten" müsse.
Alles wohlfeil! Ernsthafte Ächtung sieht anders aus als jene Schnellmaßnahmen, die von Technik-Laien beschlossen wurden. Niemand will Kinderpornographie dulden. Doch heiligt auch ein von allen befürworteter Zweck nicht jedes Mittel; unzureichende schon gar nicht.
- Internetsperren bei Kinderpornographie Stoppschild für die Politik 08.05.2009
- Kampf gegen Kinderpornographie Keine Sperren für Unis 21.04.2009
- Kampf gegen Kinderpornographie Gut gemeint, aber wirkungslos 17.04.2009
- Sperren für Kinderporno-Seiten "Zensur wird salonfähig" 25.03.2009
- Sperren für Kinderporno-Seiten Unbrauchbar und schädlich 04.12.2008
(SZ vom 11.05.2009/mri)
Karnevalssendung "Frankfurt Helau"
...der die Sache exakt so darstellt, wie sie ist!
Techniklaien beschließen eine "wohlfeil" klingende Maßnahme, die für jeden mit etwas mehr Technikverstand als das erkannt wird, was sie ist: wirkungslos und gefährlich!
Zudem extrem teuer, denn so eine Sperre ist im laufenden Betrieb nicht eben billig für den Provider, der die Kosten ganz sicher nicht von seiner Marge abziehen wird.
Das Thema ist schlichtweg sehr emotional. Das wird auch Herrn Sebastian Jeuck, der eine entsprechende Gegenpetition initiieren wollte (nicht einmal 350 Stimmen bisher), dazu bewegt haben, sein Unwissen öffentlich zur Schau zu stellen, wie eben jene Ministerin, die sich damit wohl ein Eigentor geschossen hat.
Die nunmehr 108.966 Mitzeichner der Petition von Franziska Heine sind ganz sicher nicht "für Kinderpornographie" - in diese Ecke versuchten Zensurbefürworter anfangs ja noch alle besorgten Technikbegabten zu stellen - sondern sie wissen schlichtweg um die Gefahren, die sich aus einer solchen Maßnahme ergeben können bzw. sich in Norwegen, Schweden und Australien schon ergeben haben!
Das Erschreckende finde ich, dass Leute nach Zurschaustellung einer solchen Inkompetenz a. im Amt bleiben können und b. über Dinge verfügen können, von denen sie offenkundig nichts verstehen!
Wenn sie so dumm sind, sind sie keine Volksvertreter. Wenn sie sich so stellen, sind sie Verräter!
Aus einer Insulaner-Sendung (Kabarett) - http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Insulaner
Aber es ist so.
man kann diesen Beitrag unterschreiben. Die peinliche Reaktion von Guttenberg & Körper MÜSSEN auf Seite eins, damit mehr Leser mitbekommen, von welchen Internetausdruckern wir regiert werden.
Wenn man annimmt, dass in anderen Bereichen ähnliche Kompetenz zum Thema herrscht (was ich für wahrscheinlich halte), tun sich hier Abgründe auf.
DW
...hat es in der Bundestagsdebatte ein Abgeordneter der Grünen, der sich gegen die Sperren äußerte, formuliert: Das Internet ist zwar kein rechtsfreier Raum, aber es darf eben auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein.
Mit der Erstellung konspirativer Listen durch das BKA wird der staatlichen Willkür Tür und Tor geöffnet. Gesetze, die so konstruiert sind, dass sie das Wohlverhalten der jeweiligen Regierung voraussetzen, sind grundsätzlich untauglich. Diese Regierung kann zwar behaupten, dass sie all das niemals zum Nachteil ihrer Bürger und zur Zensur einsetzen wird, aber was wenn es mal eine "andere", "unfreundlichere" Regierung gibt?
Ich jedenfalls möchte mich auf dieses staatliche Wohlwollen nicht verlassen.
" ruediger1683: sinnlose Sperren bei Kinderp.ornographie
und Paintballverbot gegen Amokläufe.
Dummmheit oder Vorsatz? "
Wenn man sich mal bei Abgeordnetenwatch die hohlen Antworten z.B. eines Herrn Wiefelspütz anschaut, wird einem bewusst, dass es leider nur die beiden Antwortmöglichkeiten gibt.
Sehr sehr erschreckend...
Da ist es dann auch unerheblich, welche nun zutrifft, denn als Resultat bleibt das Gleiche.
Sie müssen weg!
Paging