Peter Vogt hält solche Sperren für überfällig. Der Hallenser Oberstaatsanwalt gilt als deutscher Pionier für Strafverfolgung von Kinderpornographie im Internet. "Die Sperren sind aber nur eine Säule bei der Bekämpfung der Kinderpornographie", sagt allerdings auch Vogt. Hauptanliegen der Ermittler sei es nach wie vor, den Tätern das Handwerk zu legen. "Erst dann kommen die Verbreiter und die Nutzer."

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Kritik an den leicht zu umgehenden Sperren, die nur naive Internetnutzer abhalten würden, weist Vogt zurück: "Wir haben es vor allem mit Computer-Laien zu tun." Bei seinen Ermittlungen in den vergangenen zehn Jahren sei er nur auf zwei kryptographierte Rechner gestoßen. "Und wenn man mit den Sperren nur einen User abhalten kann, haben sie sich schon gelohnt."

Das Datenvolumen, um das es bei den Kinderpornos im Internet geht, ist enorm: Allein in Sachsen-Anhalt warten 41 Terabyte mit 364.000.000 Bildern auf eine Auswertung. Schätzungen zufolge gibt es bis zu 450.000 Seiten mit kinderpornographischem Inhalt in Deutschland, die täglich angeklickt werden. In nur zehn Tagen habe eine Seite mit Kinderpornos mehr als 49.000 Klicks gemacht, erzählt Vogt.

Ihm gehen die Sperren deshalb nicht weit genug: "Die User werden darauf hingewiesen, dass das Herunterladen kinderpornographischer Bilder illegal ist", erklärt Vogt. "Muss dann der Provider nicht solche Straftaten auch melden?" Doch dagegen wehren sich die Internetanbieter bislang.

Im Bundestag hat das Gesetz gute Chancen

Mit dem Vertrag verpflichten sich die Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Alice/Hansenet, Kabel Deutschland und Telefonica/O2 nun, die vom BKA täglich aktualisierten Listen mit etwa 1000 Internet-Seiten mit Kinderpornos zu sperren. Wer auf diese Seiten kommt, soll künftig ein standardisiertes Stopp-Schild sehen.

Technisch ist das kein Problem. Die Provider selbst sorgen dafür, dass die Seiten gesperrt werden. Die Kosten sind überschaubar. Die Haftung für Fehlsperren - wenn also keine Porno-Seite, sondern aus Versehen ein völlig legaler Internet-Anbieter blockiert wird - übernimmt das BKA.

Für Familienministerien Ursula von der Leyen von der CDU ist die Bekämpfung der Gewalt gegen kleine Kinder im Internet die letzte große Reform aus ihrem Haus vor der Bundestagswahl. Der Widerstand, den es dagegen aus der SPD gab, ist inzwischen weitgehend verstummt. Grüne, FDP und Linke sind skeptisch, ob von der Leyens Initiative wirksam ist. Ob sie dagegen votieren, ist noch offen.

Und so stehen die Chancen inzwischen gut, dass das Gesetz gegen die Datenautobahn für Kinderpornographie bis zum Herbst in Kraft tritt.

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(sueddeutsche.de/sonn)