Der Internetdienst Zattoo bringt Fernsehen ins Netz - als "Nebenbeimedium". ARD und ZDF wollen auch dabei sein.
Während der Fernseher läuft, kann man bekanntlich auch viele halbwegs sinnvolle Dinge tun. Kochen, Spülmaschine ausräumen oder bügeln zum Beispiel. Wenn es nach Dominik Schmid geht, sollen die Menschen in Zukunft ruhig noch mehr lästige Pflichten hinter sich bringen, während sie sich berieseln lassen. Sie sollen ihren täglichen Spam aus dem E-Mail-Ordner löschen, die Telefonrechnung per Online-Banking zahlen.
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Ein Nebenbeimedium: das Internet-Fernsehangebot Zattoo (© Screenshot: sueddeutsche.de)
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Schmid, 48, Deutschland-Chef des neuen Internet-TV-Dienstes Zattoo, spricht viel über "Multitasking", wenn er über die Zukunft des Fernsehens philosophiert: "Unsere Nutzer schauen während der Arbeit oder sie nutzen den Dienst zuhause, während sie eigentlich etwas anderes machen."
So offen haben bisher wenige Fernsehmanager ihr Angebot zum Nebenbeimedium erklärt. Schmid ist Schweizer und arbeitete vorher in Zug für die Sportrechteagentur Infront, bei der auch Günther Netzer als Geschäftsführer tätig ist. Fernsehen und Internet wachsen zusammen. Eine Symbiose ist seit dem 13. September in Deutschland auf Sendung. Der Name Zattoo (sprich: satu) stammt aus dem Japanischen und heißt so viel wie: "Menschenmenge".
Das amerikanisch-schweizerischen Start-up bietet TV auf dem Computer ohne interaktiven Schnickschnack. Zu sehen gibt es in der deutschen Version bisher 21 Programme: Comedy Central, MTV, Viva, Tier TV, DMAX, internationale Sender wie CNN oder die englische Al Dschasira-Version. Das klassische Fernsehen wird eins zu eins auf den Computerbildschirm durchgeleitet, die Nutzung ist kostenlos. Finanzieren will sich Zattoo durch Werbung. Beim Umschalten dauert es ein paar Sekunden, bis sich das Bild des nächsten Senders aufbaut. Diese Werbezeit soll an Unternehmen verkauft werden.
Die Häfte schaut aktiv
Auf Sendung ist der Neustarter bisher auch in der Schweiz, Spanien, Dänemark und in einer abgespeckten Version in Großbritannien. In den nächsten Monaten sollen Belgien, Frankreich, Österreich, Polen und die USA ans Netz gehen. Bereits eine Million registrierte Nutzer zählt Zattoo. Etwa die Hälfte schaue aktiv, im Durchschnitt 180 Minuten in der Woche, berichtet Schmid.
Die Installation auf dem Computer ist einfach: Nicht mal fünf Minuten dauert es, bis das orange Zattoo-Logo - ein runder Fernseher mit zwei Antennen - auf dem Bildschirm leuchtet. Die Bilder ruckeln ein wenig, es dauert fünf bis zehn Sekunden bis man bei Tattoo-Tipps im Männersender DMAX oder bei Berichten aus der Zweiten Fußball-Bundesliga im DSF landet.
In Bierdeckelgröße läuft das Programm fast problemlos. Ein DSL-Anschluss reicht für den Empfang aus. Wenn man den Zattoo-Bildschirm vergrößert, leidet die Qualität allerdings erheblich. Das soll sich ändern: "Wir werden auch im großen Format bald DVD-Qualität bieten", behauptet Schmid. Zattoo schickt seinen Live-Videostream per peer-to-peer-Technologie (P2P) um die Welt. Einer Technik also, die bisher bei Musiktauschbörsen zum Einsatz kommt und auch von Zattoos Internet-TV-Konkurrenten Joost und Babelgum eingesetzt wird.
Dabei greifen die Zuschauer nicht auf einen zentralen Server zu, sondern schicken, vereinfacht gesagt, die Inhalte von Rechner zu Rechner weiter. Bei Joost, dem neuen Projekt des schwedischen Internetunternehmers Niklas Zennström, und beim irischen Babelgum kann der Zuschauer TV-Serien, Shows, Nachrichten selbst zusammenstellen, wann immer er sie sehen will.
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