Leonard Kleinrock ist einer der Geburtshelfer des Internets: Bereits in seiner Dissertation 1962 entwarf er eine Theorie des Datenaustausches, die später eine der Grundlagen des Netzes wurde. Im Jahre 1969 übermittelte er die erste Nachricht über das Arpanet, den Vorläufer des Internets. In den folgenden Jahren arbeitete er an der Weiterentwicklung des Netzes mit, 1988 saß er einer Forschergruppe vor, die den US-Kongress die Bedeutung des Internets näherbringen wollte. Die Anhörung überzeugte den damaligen Senator Al Gore, der Anfang der Neunziger ein Gesetz zum Ausbau des Internets in den USA initiierte - und damit auch dem WWW zum Durchbruch verhalf.
(© Fotos: AFP, iStockphoto / Grafik: sueddeutsche.de)
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Herr Kleinrock, wie war der erste Kontakt mit dem Web und wann war das?
Zum ersten Mal kam ich im Frühjahr 1993 mit dem Web in Kontakt, als der Mosaic Browser auf den Markt kam. Eine der faszinierendsten Seiten damals war die des Louvre, wo ich mir ein Bild der Mona Lisa herunterladen konnte.
Was ist die größte Errungenschaft des WWW - und was der größte Fehler?
Vielleicht die größte Errungenschaft ist diese wunderbar einfache und nützliche grafische Benutzeroberfläche für das Internet. Drei Faktoren trugen zur Verbreitung des Web bei: 1. Die US-Wissenschaftsbehörde National Science Foundation (NSF) hatte in den Achtzigern den Nutzerkreis des Internets von Computer-Wissenschaftlern auf alle Wissenschaftler ausgeweitet. Weil sie E-Mails nutzten, fanden plötzlich auch andere Abteilungen in Unternehmen wie das Management Interesse dran, wodurch sich die kommerzielle Nutzung verstärkte. 2. Al Gore überzeugte den damaligen Präsidenten George Bush 1991 von einem Gesetz zum Ausbau des Datennetzwerks, das die Grundlage für das Internet bildete. 3. Der Web-Browser erschien.
Das alles sorgte dafür, dass die Qualität der Datenübertragung stieg und die grafische Oberfläche ständig neue Nutzer anlockte. Der vielleicht größte Fehler ist, dass mit dem Web proportional auch die dunklen Seiten wie Pornographie und Kriminalität wuchsen.
Wie wird sich das Web weiter entwickeln?
Das Web ist nicht tot. Es geht ihm gut und es manifestiert sich gerade auf viele neue Arten, zum Beispiel beim mobilen Zugang oder bei ortsbasierten Funktionen. Das immer aufrufbare, immer gegenwärtige Internet wird gerade Realität, ob über Smartphones oder andere Geräte in unserer Umgebung. Wir werden einmal in einer Welt leben, in der alle Dinge mit dem Internet verbunden sind. Das Netz wird zu einem alles durchdringendem globalen Nervensystem entwickeln.
Gibt es etwas, was Sie nicht im Web finden oder dort lieber nicht von dort bekommen würden?
Es gibt unglaublich viele Felder, in denen das Internet und das Web von unschätzbarem Wert sind. Aber es gibt vieles in der realen Welt, dass das Web nicht simulieren kann: Sportliche Aktivität, das emotional aufgeladene Wechspiel von Menschen, die sich in einem Raum befinden, die Schönheit der Natur und vieles mehr.
Gibt es eine Webseite, ohne die Sie nicht leben können?
Eine solche Seite existiert nicht.
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