Gutscheinportal Groupon Manche Geschäfte sind pleite gegangen

Im Mai 2010 übernahm Groupon den deutschen Nachahmer Citydeal, eine Gründung der Internetunternehmer-Brüder Samwer. Citydeal war da selbst keine fünf Monate alt. Es fanden sich zwei, die offenbar perfekt zueinander passen. Manche sagen: zwei mit ähnlichem Größenwahn. Im Dezember 2010 schlug Groupon dem Vernehmen nach ein Übernahmeangebot von Google aus - es soll bei über sechs Milliarden Dollar gelegen haben. Inzwischen ist das Unternehmen 4,65 Milliarden Dollar wert. "Das schnelle Wachstum von Citydeal in Europa hat bewiesen, dass das Groupon-Modell funktioniert", sagte Andrew Mason mal. Aber genau daran zweifeln viele.

Beobachter sagen: Die Firma wächst, solange sie immer neue Standorte eröffnet, Start-ups übernimmt und viel Werbung macht. "Groupon hat Einkaufen zum Gruppenerlebnis gemacht. Aber das Geschäftsmodell ist leicht zu kopieren. Und Groupon hat sich nicht an die Wünsche der Kunden angepasst", sagt die Gartner-Analystin Neha Gupta.

Jens Hutzschenreuter, seit Juli Chef für Zentraleuropa, sagt, er plane genau das: Besser zugeschnittene Angebote für die Empfänger, also keine Maniküre-Gutscheine mehr für Männer. Außerdem will er Groupons Kundenbindungsprogramm aus den USA nach Europa bringen. Damit können Kunden bei den Händlern Punkte sammeln - das soll sie überzeugen, auch ohne Gutschein wieder in den Laden zu kommen. Viele Händler klagen, dass sie Gutschein-Kunden nur ein einziges Mal sehen und dann nie wieder.

Manche Händler gingen durch Angebote pleite

Kauft ein Kunde aber nicht mehrmals in dem Laden ein, macht der Händler Verlust: Er verzichtet nicht nur wegen des Preisnachlasses auf die Gutscheine, sondern gibt auch noch einen Teil der Einnahmen an Groupon ab. Manche Geschäfte haben den Ansturm auf Angebote so unterschätzt, dass sie pleite gegangen sind, weil sie keine voll zahlenden Kunden mehr bedienen konnten. "Auch für kleine Geschäfte ist Groupon ein gutes Marketinginstrument. Sie sollten sich aber nicht ausschließlich darauf konzentrieren", sagt Hutzschenreuter. Er wolle Mitarbeiter künftig gezielter schulen, damit sie Ladenbesitzer besser informieren.

Oft beschweren sich auch Gutschein-Käufer, weil die Angebote nur zu bestimmten Tageszeiten eingelöst werden können oder zusätzliche Kosten entstehen. Groupon braucht aber immer mehr zahlende Kunden, damit das Geschäftsmodell funktioniert. Verlieren sie das Interesse, wird es schwer. In Deutschland hatten Insider zuletzt immer wieder von schlechten Arbeitsbedingungen berichtet. Mitarbeiter würden unter Druck gesetzt, bekämen Vorgaben, die unmöglich zu erfüllen seien, müssten Kunden versprechen, was die hören wollen. Groupon bestreitet das.

Im Juni haben zwei deutsche Geschäftsführer das Unternehmen verlassen, mit Marc Samwer ist nun auch der letzte der drei Brüder bei Groupon ausgeschieden. Der schwedische Investor Kinnevik hat seine Anteile verkauft. In den USA hat sich Mitgründer Eric Lefkofsky aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Es könnten die ersten Auflösungserscheinungen sein. Vielleicht hat Klaus Wowereit das als einer der ersten bemerkt.