sueddeutsche.de: Warum wird hierzulande trotz des Gesetzes bei Gewaltspielen nicht genau hingeschaut?
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Fromm: Unsere Politiker sind nicht kompetent. Wenn Filme auf ihre Altersfreigabe hin geprüft werden, werden sie selbstverständlich angeschaut, Computerspiele werden dagegen nicht gespielt, höchstens nur einzelne Szenen angeschaut. Das führt dann dazu, dass ein Gewaltspiel zum Beispiel wegen seiner comicartigen Aufmachung nicht als gefährlich erkannt wird.
Zudem möchten Politiker den Medienstandort und die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht gefährden. Sie haben einfach Angst, das kreative Potential, das ja auch in vielen Produktionen steckt, zu vertreiben. Aber man sollte gegenüber dieser Industrie nicht zu tolerant sein. Aus gutem Grund sind wir das in Deutschland ja auch nicht gegenüber der Waffenlobby.
sueddeutsche.de: Ist die Gaming-Industrie so gefährlich wie die Waffenindustrie?
Fromm: Nein. Es gibt inzwischen vor allem in der E-Sport-Szene genügend professionelle Spieler, die Spiele ächten, die Sadismus und Kriegsverherrlichung zum Thema machen. Aber ein Teil der Gamer-Community versteht meine Thesen als persönliche Angriffe. Ich erhalte nach Äußerungen über die Computerspiel-Szene mehr Todesdrohungen als bei kritischen Beiträgen über Neonazis. Meiner Meinung nach können die Spieler nicht mehr zwischen realer und virtueller Welt unterscheiden.
Dennoch bringt die Industrie jedes Jahre neue Gewaltspiele auf den Markt, oft werden diese Spiele dann unter dem Label "Strategiespiel" verkauft. Neben dem Spaß am Krieg vermitteln sie manchmal sogar ein revisionistisches Geschichtsbild: Der Spieler kann als US-Amerikaner den Vietnamkrieg oder als Nazi den Zweiten Weltkrieg gewinnen.
sueddeutsche.de: Die Computerspieleindustrie setzt jedes Jahr Milliarden um. Diese Spiele sind erfolgreich.
Fromm: Virtuelle Welten verkaufen sich nicht ohne Grund sehr gut. Sie sind eine Antwort auf verlorengegangene Lebenswelt vieler Jugendlicher. Nur hier bekommen sie neue Herausforderungen geboten, sie lernen Teamplay und erfahren Lob und Anerkennung. Deshalb dürfen wir Computerspiele auch nicht generell verteufeln oder komplett verbieten. Denn die Gesellschaft bietet ihnen oft keine Alternativen. Gerade deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie diese Erlebnisse ohne selbstzweckhafte Gewalt haben. Sie dürfen nicht erleben, dass sie für Gewalt auch noch belohnt werden.
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(suedeutsche.de/bön/jja)
Kuriose Schilder (4)
wie tief will die SZ denn noch sinken? "Computerspiel-Experte", dass ich nicht lache.
Ich hab schonmal einen Zug an mir vorbeifahren sehen, bitte interviewen Sie mich auch als "Bahn-Experten"!
**Kopfschüttel** ich glaube ich werde Ihr Schundheft nicht mehr lesen.
Hier eine Liste unvollständige sadistischer Spiele, die die Gesellschaft verrohen lassen:
Arbeitsplatzabbau trotz Rekordgewinnen (z.B. in der Autoindustrie)
Preiserhöhungen trotz Rekordgewinnen (z.B. in der Energiewirtschaft)
Preiserhöhungen trotz schlechterer Leistungen (z.B. Deutsche Bahn)
Millionenabfindungen trotz Misswirtschaft zu Lasten der Gesellschaft (u.a. Finanzsektor)
etc.
Ist dieser Fromm nicht eigentlich Frontal21-Redakteur? Seit wann wird so jemand als Sachverständiger für Computerspiele herangezogen?
Den Mann hat doch bereits die SZ-Tochter "Jetzt" enttarnt.
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/410270/TrkHomeMagMain
@Madoc:
Spitzer? Sie wagen es wirklich Studien von Manfred "Tabascomann" Spitzer anzuführen?
Der Mann versucht agressionspotential anhand von Tabascoversuchen abzuschätzen und ist das inoffizielle Hilfspersonal von Zensurbeauftragter Christian Pfeiffer (Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen).
Ich bin ja gerne bereit über Computerspiele sachlich zu diskutieren.
Aber nicht mit Leuten die sich auf solche Studien stützen, sondern mit Menschen die solche Spiele auch einmal selbst gespielt oder über längeren Zeitraum (1 Std. oder mehr) getestet haben
"Um das zu verhindern, hat doch die Bundesregierung ein strengeres Jugendschutzgesetz beschlossen. Computerspiele, die besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen zeigen, können nun indiziert werden."
Die Indizierung von Spielen war auch schon vorher möglich und ist auch schon daher lange vor dieser "Reform des Jugendschutzgesetzes" oft durchgeführt worden (besitze selber einige dieser Spiele, die bereits vier oder noch viel mehr Jahre "auf dem Buckel haben"), es wurde nur zur "Beruhigung" der besorgten Bevölkerung noch einmal herausgestellt.
Das Einzige, was sich wirklich durch das neue "verschärfte" Jugendschutzgesetz geändert hat, ist, dass die Altershinweise auf den Packungen vergrößert wurden. Pikanteweise hat jemand (der Praktikant?) ausgerechnet auf den "Ab 18"-Hinweisen die Symbole für "Paragraph" § und "und" & verwechselt, die auf den entsprechenden Paragraphen aus dem Jugendschutzgesetz hinweisen. Soviel ich weiß - bin aber kein Jurist - besteht hier ein Formfehler, weswegen dieses Verbot für einen Verkauf an Personen unter 18 Jahren im Grunde nichtig ist. Soviel zum Thema "Sorgfalt und Mühe" bei der Reform des Jugendschutzes.
Zum Verständnis: Ich bin 37 und selber Zocker, bin aber auch der Meinung, dass bestimmte Spiele nicht in Kinderhände gehören, genauso wenig wie z.B. Tabak und Alkohol. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass Amokläufe von Jugendlichen keinesfalls nur auf den Konsum von Computer- oder Videospielen zurückzuführen sind. Wer das behauptet, ist schlicht und einfach unseriös, da er soziales Verhalten bzw. Fehlverhalten monokausal betrachtet.
Übrigens: Warum werden einige Spiele und Filme erst ab 18 Jahren freigegeben, müssen aber trotzdem sehr oft geschnitten werden, um in Deutschland verkauft zu werden? Wo ist dann der Sinn, sie als "jugendgefährdend" einzustufen, wenn man dann auch dem laut Grundgesetz erwachsenen "mündigen Bürger" eine eigene Einschätzung des Inhalts verweigert?
Spiele mit historischem Hintergrund sind gefährlich. Nicht, weil doch mal die Nzis den Krieg gewinnen, sondern eher allgemein: häufig treten Gestalten, Techniken und Zusammenhänge auf, die offensichtlich historisch falsch sind. Viele Spieler haben hier wenig "unabhängige" Bildung (z.B. Schule), die diese Fehler korrigieren kann. Nachdem das Spiel dem Nutzer dann die einzige Informationsquelle ist, wird faktisch "historisches Wissen" vermittelt. Demnach ist echten Revisionisten Tür und Tor geöffnet.
Das Problem läßt sich aber leider kaum lösen: schon bei normalem TV Sonntagabendprogramm (TerraX und so) können einem die Haare zu Berge stehen: vom Untergang beliebiger Kulturen nur wegen Umweltzerstörung bis zum Scheitern Napoleons nur wegen der deutschen Einheit werden allerlei seltsame Binsenweisheiten präsentiert.
Einzige Lösung: die Schule muß sich der Bildung durch Medien als Korrektiv stellen. Geschichtslehrer müssen sich ab und zu mal fortbilden, was sich ihre Hörer da regelmäßig reinziehen. Die Verantwortung der Eltern für eine ausgewogene Bildung der Kinderchen ist sowieso klar. Bildung schützt vor Dummheit...
Paging