Funksignal an Herzschrittmacher Hack ins Herz

Mit dem Computer hackten US-Forscher Herzschrittmacher. Es gelang ihnen sogar, die Geräte anzuweisen, Elektroschocks abzugeben. Droht hier Gefahr für Patienten?

Von Helmut Martin-Jung

Der Redner bricht mitten im Satz ab, zuckt wie von einem Schlag auf die Brust getroffen zusammen und fällt schließlich bewusstlos zu Boden, während hinten im Saal eine unauffällig gekleidete Person den Deckel ihres Laptops schließt und im allgemeinen Tumult unbemerkt durch eine Tür nach draußen schlüpft.

Herschrittmacher, iStock

Ein Herzschrittmacher könnte per Funk angreifbar sein und Elektroschocks aussenden.

(Foto: Foto: iStock)

Später stellt sich heraus: Der Mann am Rednerpult trug einen implantierten Herzschrittmacher, der plötzlich verrückt spielte, weil er ein merkwürdiges Funksignal empfing. Ist dieses Szenario, das man sich gut als Eröffnungssequenz eines James-Bond-Films vorstellen könnte, neuerdings realistisch?

Eine Studie, die neun Wissenschaftler dreier amerikanischer Universitäten jetzt veröffentlicht haben, scheint das auf den ersten Blick nahezulegen. Detailliert beschreibt das Team aus Informatikern, Elektrotechnikern und einem Kardiologen, wie es ihnen gelang, aus einem Gerät, wie es Millionen Patienten weltweit unter der Haut tragen, nicht nur Informationen auszulesen, sondern es auch per Funkbefehl dazu anzuregen, Elektroschocks abzugeben.

Patienten, die einen implantierten Herzschrittmacher oder Defibrillator (ICD) tragen, in Deutschland sind das etwa 500.000, können aber beruhigt sein. Die Gefahr ist nur eine sehr theoretische. So wollen die Autoren ihre Arbeit auch verstanden wissen. Ihnen geht es vor allem darum, wie sie deutlich betonen, auf potentielle Gefahren aufmerksam zu machen. "Wenn ich einen Defibrillator bräuchte", sagt der an der Studie beteiligte Herzspezialist William Maisel, "würde auch ich einen mit Funktechnologie nehmen."

Herzschrittmacher und Defibrillator in einem

Die Geräte, um die es geht, sind etwa so groß wie eine Streichholzschachtel. Sie vereinen zwei Funktionen in sich: die des Herzschrittmachers und eines Defibrillators. Sie werden im Brustbereich unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt. Eine, bei manchen Geräten auch zwei Elektroden an dünnen Kabeln führen direkt ins Herz und fühlen anhand der elektrischen Signale des Herzmuskels, mit welcher Frequenz das Organ schlägt. Sie senden ihrerseits kleine Stromimpulse, um das Herz dazu zu veranlassen, sich regelmäßig und mit der richtigen Frequenz zusammenzuziehen.

Schlägt das Herz zu langsam oder kommt es zum gefürchteten Flimmern, versuchen die Schrittmacher zunächst, das Herz mit kleinen Stromimpulsen wieder in den normalen Rhythmus zurückzubringen. Wenn das nicht funktioniert, wird mit dem eingebauten Defibrillator ein energiereicher Stromstoß erzeugt, der dafür sorgt, dass der Herzmuskel wieder in seinen normalen Takt kommt.

Ist der ICD einmal eingesetzt, kann er er dort einige Jahre bleiben, bis die fest integrierte Batterie leer ist und das Gerät ausgetauscht werden muss. Die Elektroden können dabei oft weiterverwendet werden. Das Gerät überwacht aber nicht nur den Herzmuskel, es speichert auch Informationen. Mit einer eigens dafür vorgesehen Programmiereinheit kann der Arzt diese Informationen auslesen und das Gerät gegebenenfalls auf neue Werte einstellen. Das geschieht per Funk.

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