Facebook-Gründer Mark Zuckerberg über Reichtum, den Wert seines Netzwerks und warum klassische Medien Auslaufmodelle sind.
SZ: Mister Zuckerberg, wie anderen Internetfirmen wird Facebook unterstellt, kein richtiges Erlösmodell vorweisen zu können. Machen Sie Profit?
Mark Zuckerberg: "Halten Sie mich bitte nicht für einen reinen Bücherwurm!" (© Foto: afp)
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Mark Zuckerberg: Es ist unser Ziel, Facebook in der ganzen Welt zu verbreiten. Wir haben 100 Millionen Nutzer. Das scheint viel zu sein, aber eigentlich ist es erst der Anfang. Es gibt Millionen, Milliarden anderer Menschen, die auch von Facebook profitieren können.
SZ: Sie haben bisher jedes Angebot abgelehnt, Ihre Firma zu verkaufen - abgesehen von den 1,6 Prozent, die sie Microsoft für 240 Millionen Dollar überlassen haben, was Facebook in der Theorie milliardenschwer macht. Wann realisieren sie diesen Wert und steigen aus?
Zuckerberg: Es wird noch viele lukrative Angebote geben. Für uns ist es erst einmal wichtig, an dem weiterzubauen, was wir begonnen haben. Ein wichtiger Schritt war, unsere Plattform zu öffnen. Jeder kann nun Anwendungen programmieren. Inzwischen gibt es so um 400000 Menschen, die kleine Programme für Facebook schreiben - es ist also eine erfolgreiche und nützliche Plattform. In Deutschland gibt es über 8000 Anwendungen.
SZ: Vom Bundesliga-Tippspiel bis zum Oktoberfest-Countdown ...
Zuckerberg: Ich wusste vorher nicht, dass das Oktoberfest fast nur im September stattfindet.
SZ: Wer ein erfolgreiches Internetportal startet, gilt oft nicht als mutiger Gründer, sondern als Computerfuzzi. Sind Sie einer?
Zuckerberg: Ich habe mich zwar viel mit Mathe und Informatik beschäftigt, aber auch Latein und Griechisch haben mir viel Spaß gemacht. Lachen Sie nicht! Das sind nützliche Sprachen, aber halten Sie mich bitte nicht für einen reinen Bücherwurm! Ich treibe auch Sport, ich fechte leidenschaftlich gerne.
SZ: Sie haben, als Sie bereits Chef waren, immer noch viele Nächte mit den Programmierern durchgehackt. Machen Sie das immer noch?
Zuckerberg: Nicht mehr so wie früher. Ich entwickle keine neuen Sachen mehr für unsere Website, aber ich versuche, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.
SZ: Sie sind ein Kritiker der traditionellen Medien. Glauben Sie wirklich, dass Fernsehen und Zeitung überflüssig geworden sind?
Zuckerberg: Ich glaube, dass gute Inhalte immer wichtig bleiben. Aber eine Sache, die sich ändert, ist die Art, wie die Menschen an diese Inhalte kommen. Statt Massenmedien werden Freunde eine wichtigere Informationsquelle. Wenn Ihnen ein Freund einen Link zu einem Text oder einem Film oder einem Musikstück schickt - dann haben Sie doch sehr viel mehr Interesse daran, als wenn ein wildfremder Journalist oder Musikredakteur für Sie aussucht.
SZ: Wenn mir der Freund einen Link zur New York Times oder einem Ausschnitt der Jon Stewart Show schickt, sind es trotzdem immer noch Journalisten, die diese Inhalte schaffen.
Zuckerberg: Das stimmt. Aber nicht mehr ausschließlich. Immer mehr Menschen haben eine Stimme. Menschen bloggen, laden Videos auf YouTube oder Facebook hoch, schicken sich Nachrichten. Es sind also nicht mehr ausschließlich große Firmen oder Medienverlage, die Informationen bereitstellen können.
SZ: Kritiker sagen, dass es bei den sogenannten Web 2.0-Anwendungen wie Facebook, MySpace oder der deutschen Konkurrenz StudiVZ weniger um einen herrschaftsfreien Diskurs oder eine Ermächtigung der Massen geht, als vielmehr um Voyeurismus und Exhibitionismus. Stimmt das?
Zuckerberg: Natürlich gibt es überall auch Extreme - also zum Beispiel Leute, denen es nur darum geht, eine möglichst lange Freundesliste zu haben. Aber die riesige Mehrheit der Leute will wirklich nur kommunizieren. Wenn man den Nutzern die Sicherheit gibt, dass sie selbst genau festlegen können, wer aus ihrem Umfeld wie viel ihrer Informationen sehen kann - dann werden sie mit der Zeit auch immer entspannter darin werden, diese Informationen mit anderen zu teilen. Fotos online zu stellen, in ihrem Blog zu erzählen, was sie so tun und denken.
SZ: Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Zuckerberg: Ich komme gegen zehn oder elf rein und bleibe meist sehr lange. Das machen die meisten anderen auch so. Wir haben keine festen Arbeitszeiten.
SZ: Man hört, sie besäßen keinen Wecker?
Zuckerberg: Das stimmt. Entweder ich wache von selbst auf oder die Leute aus der Firma rufen mich an und wollen etwas von mir wissen.
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- Facebook-Chef Mark Zuckerberg Ich wollte nie eine Firma gründen 09.10.2008
- StudiVZ "100 Prozent datenschutzkonform" 18.02.2008
- Facebook vs. StudiVZ Original verklagt Kopie 21.07.2008
- Social Communitys & Co. Copy & Paste 04.11.2008
Griechenland und die Euro-Zone
Ich sehe das ganz genau so! Und gegenüber dem "Konkurrenten" (oder Plagiat, wie mans nimmt) StudiVZ hat Facebook den eindeutigen Vorteil, dass es international ist. V.a. wenn man viele Freunde im Ausland hat. Es eignet sich auch toll, um Treffen und Events zu organisieren. Man kreiert einfach ein Event und jeder kann sehen, wer eingeladen ist, wer kommt, man kann Kommentare schreiben und Fotos dazu hochladen. Also von wegen Internetkommunities als Ersatz für echte zwischenmenschliche Kontakte. Ich lerne durch Facebook nicht mehr Menschen kennen, es hilft aber dabei, mit diesen Menschen hinterher Kontakt zu halten. Und das sind mir die meisten dieser Menschen wert.
Im Moment hat Facebook auch noch einen ganz anderen Nutzen für mich: Mein Handy ist neulich kaputt gegangen und alle Nummern sind futsch. Da ist Facebook sozusagen mein Back-Up-Kontakt.
Der Zuckerberg ist mir prinzipiell auch egal, aber er macht, wie ich finde, im Interview einen recht sympathischen Eindruck.
Zuckerberg ist mir egal, aber Facebook ist echt nett. Zwar sind 90% der Apps dort blödsinnige Spielereien, aber 3, 4 gefallen mir echt gut. Fotos kommen bei mir auf Flickr, Reisen werden bei Dopplr reingestellt, Microgebloggt wird bei Twitter, und alles läuft bei Facebook zusammen.
Natürlich gibt man da schon einige Infos über sich ein, aber ich bekomme ja auch einen echten Gegenwert: Ich kriege mit, was die Leute machen, denen ich nicht gerade wöchentlich telefonieren. Und sehen können es nur die Leute, für die ich es freigegeben habe (außer Facebook natürlich). Mein zukünftiger Chef wird wohl eher nicht darunter sein, auch wenn ich da eigentlich nichts drin stehen habe, was irgendwie peinlich wäre.
Ich kann jedem nur diesen Artikel empfehlen:
.guardian.co.uk/technology/2008/jan/14/facebook
Auszug:
"Facebook's most recent round of funding was led by a company called Greylock Venture Capital, who put in the sum of $27.5m. One of Greylock's senior partners is called Howard Cox [...], who is also on the board of In-Q-Tel. What's In-Q-Tel?
Well, believe it or not [...], this is the venture-capital wing of the CIA.
After 9/11, the US intelligence community became so excited by the possibilities of new technology and the innovations being made in the private sector, that in 1999 they set up their own venture capital fund, In-Q-Tel, which "identifies and partners with companies developing cutting-edge technologies to help deliver these solutions to the Central Intelligence Agency and the broader US Intelligence Community (IC) to further their missions"."
Zitat:
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SZ: Man hört, sie besäßen keinen Wecker?
Zuckerberg: Das stimmt. Entweder ich wache von selbst auf oder die Leute aus der Firma rufen mich an und wollen etwas von mir wissen.
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Ich geh mal davon aus, seine Angestellten wollen dann wissen, wann der Chef endlich ins Büro kommt. Er hat also doch einen Wecker, nämlich seinen Personal-Wecker ;-)