Sie nannten sich Freunde: Das jugendliche Onlinenetzwerk Facebook mausert sich zum Massenmedium für Sozialkontakte.
Als ich den virtuellen Raum betrat, waren sie alle schon da. Erst freute ich mich, sie zu sehen; dann war ich überrascht, dass sie auf mich gewartet hatten; dann fragte ich mich, woher sie überhaupt wussten, dass ich da war. Was wollten sie von mir, was wollte ich von ihnen? Eine Maschine hatte uns zusammengeführt; jetzt mussten wir Menschen übernehmen.
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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: "Man kann hier beobachten, wie sich die sozialen Normen dem anpassen, was technologisch möglich ist." (© Foto: AP)
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Sie nannten sich Freunde, die Menschen, die auf mich warteten. Früher hätte man vielleicht Bekannte dazu gesagt, aber Facebook gibt einem keine Wahl. Man existiert als Freund oder gar nicht. So ist das im Internet - Dinge sind hier ähnlich, aber nicht gleich wie in der wirklichen Welt. Der Unterschied ist nicht mehr zwischen real und nicht real - sondern zwischen real und surreal. Wenn die neunziger Jahre durch MTV und die Sendung "The Real World" definiert wurden, dann sind die Nullerjahre durch Facebooks leicht surreale Welt bestimmt.
Ich war überrascht. Ich hatte die digitale Welt von Facebook sehr spät entdeckt. Aber warum waren auch all die anderen hier so spät dran? Eigentlich, so heißt es doch immer, ist Twitter das Medium unserer Zeit, kurze Nachrichten, die vom Handy verschickt und von jedem empfangen werden können, der sich mit einem vernetzt hat. Die Notlandung auf dem Hudson wurde so gemeldet, der Terror von Mumbai. Twitter ist schnell und etwas spröde. Twitter ist für 20-Jährige.
Virtueller Salon für die globale Boheme
Facebook dagegen ist nicht mehr so schnell und auch nicht mehr so schmutzig, wie es am Anfang war - um das Jahr 2006 herum, als betrunkene Collegestudenten auf dieser Webseite gern von Parties, Saufen und Sex erzählten und Fotos ins Internet stellten, für die sie mal enterbt und mal gefeuert werden konnten. Das Facebook von heute hat die größten Zuwachsraten bei den über 35-jährigen und funktioniert eher wie ein virtueller Salon, in dem sich erwachsene Menschen gegenseitig Freunde nennen. Eine Art globale Boheme, die den digitalen Rückzug ins Private probt.
Mark Zuckerberg, der das Netzwerk gegründet hat, sieht das sehr viel nüchterner. "Man kann hier beobachten", sagt er, "wie sich die sozialen Normen dem anpassen, was technologisch möglich ist." Zuckerberg ist 24 Jahre alt. 2004 gründete er Facebook, da war er noch Student in Harvard; 2007 verkaufte er einen kleinen Anteil an Facebook für 240 Millionen Dollar an Microsoft, da war seine Firma 15 Milliarden Dollar wert.
Heute benutzen etwa 160 Millionen Menschen Facebook - als "soziales Netzwerk", wie das immer etwas ausweichend heißt, weil man noch keinen neuen Begriff gefunden hat. Sie suchen dort Freunde, sie sagen, wie es ihnen geht und was sie gerade gesehen, gelesen oder gedacht haben, sie stellen Fotos auf ihre Seite oder Videos, sie suchen jemanden, der Schlittschuhe in Größe 38 hat und in Berlin-Mitte lebt, oder jemanden, der zur Kunstmesse nach Miami fährt. Sie suchen aber vor allem nach Leuten, die so sind wie sie. Facebook hilft dabei, denn es funktioniert wie die automatischen Buchempfehlung auf Amazon: Menschen, die diese Menschen mögen, könnten auch diese Menschen mögen.
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Hallo zusammen,
sowohl der Autor als auch manche Kommentatoren (zB Winterwoods) haben facebook nicht wirklich verstanden: Meistens treten dort nicht Fremde, sondern bereits flüchtlig Bekannte in Kontakt. Man hat sich einmal auf einer Party gesehen, war eine Woche gemeinsam auf einem Seminar etc. Grade in der jungen, hypermobilen Generation (Bachelor hier mit Auslandssemester dort, drei Praktika, dann Master in Skandinavien) kommen so eine ganz beachtliche Menge Kontakte zusammmen. Ich kann die meisten meiner Kontakte sehr direkt realen Begnungen zuordnen. Die Suche funktioniert entsprechend über einen Abgleich mit dem Mailaccount (zB gmail) recht komfortabel, aber auch hier wird auf bestehendes zurückgegriffen. Auch der "FriendFinder" bietet einem Kontakte an über Menschen die man selber bereits kennt, das Prinzip "Realweltabbildung" wird hier ausgeweitet.
Das gesponnene Zweitnetz wird darum nicht weniger surreal.
Viele Grüsse,
Martin
achso: http://www.facebook.com/profile.php?id=574231722
Ich hab´s mir eben mal angesehen - und kann die Begeisterung des Autors ehrlich gesagt nicht teilen. Entweder begreife ich Facebook nicht... - oder ist die Suche dort tatsächlich so kläglich beschränkt? Wie kann man dort beispielsweise Leute aus seinem Heimatort finden? Oder einer bestimmten Altersgruppe usw. All diese Funktionen entdecke ich jedenfalls nicht *such*
Wieso lässt du die Apps denn zu, wenn sie dich nerven? Ich nutze nur die, die mir wirklich einen Vorteil bringen, Blumenbeete und Aquarien haben bei mir keine Chance.
Mich nervt an studiVZ, dass sie alles selbst machen wollen. Ich lade meine Fotos weder bei Studivz noch bei Facebook hoch, sondern bei flickr, die eine wesentlich bessere Verwaltung bieten. Trotzdem sind sie bei Facebook sichtbar. Wenn ich was twittere, aktualisiert das gleich meinen Status bei Facebook. Wenn ich ein delicous eine Seite als Lesezeichen speichere, wird das ebenfalls bei Facebook eingetragen. Gleiches könnte man mit dopplr (Reiseplanung) und last.fm (Zeige deine Musik und finde Stücke, die dir auch gefallen könnte) und sicher vielen anderen Seiten machen, aber die nutze ich nicht.
Spezialisierte Seiten können eine Leistung i.d.R. viel besser erbringen als irgend so ein Facebook-Klon. Warum soll man sie nicht nutzen.
Auf dem Deutschen Markt ist facebook gegenüber der marktführenden studiVZ Gruppe (meinVZ, schuelerVZ) bisher eher nur ein kleiner Nebenbuhler.
Außerdem nerven die vielen gadgets.
Naja, Dank Facebook weiß ich nun, daß mein Nachname es bisher auf wenigstens drei Kontinente geschafft hat: Europa, Nordamerika und Südamerika. Das eröffnet in der Tat ganz neue Möglichkeiten.
Paging