Elektronischer Bürgerbrief De-Mail Die verkorkte E-Mail

Von kommendem Jahr an können E-Mails rechtssicher verschickt werden. Das könnte nicht nur teuer werden, sondern auch weniger sicher, als die Anbieter versprechen.

Von Fabian Heckenberger

Der Name steht schon lange fest, jetzt ist die Aussprache geklärt. Im Innenministerium legen sie Wert darauf, dass das Projekt für den sicheren Versand von Nachrichten im Internet so deutsch wie möglich ausgesprochen wird. "De-Mail" heißt es, sprich: D, E, Mail. Nicht: Di-Mail. Das klingt zwar sperrig, grenzt sich phonetisch aber von der E-Mail ab. Und darum geht es auch inhaltlich.

Von 2011 an soll ein neues Verfahren Internetnutzern in Deutschland ermöglichen, verschlüsselte Nachrichten kostenpflichtig zu verschicken. Mehr Sicherheit beim Austausch vertraulicher Informationen, so lautet das Motto des Innenministeriums, das darauf verweist, dass derzeit mehr als 95 Prozent aller E-Mails unverschlüsselt versandt werden.

Ähnlich einer Postkarte können diese Nachrichten leicht ausgelesen werden. Ein Gesetzentwurf, der am Mittwoch das Kabinett passiert hat, formuliert nun die genauen Anforderungen an das System. Nur der Preis pro Nachricht steht noch nicht fest. Klar ist: Er soll unter 55 Cent, dem Porto eines Postbriefs, liegen.

Tritt das Gesetz in Kraft, können sich Kunden privater Internet-Provider künftig parallel zu ihrem E-Mail-Konto ein De-Mail-Postfach einrichten. Wer sich dann etwa bei GMX anmeldet, kann per Button entscheiden, ob er eine Nachricht als E- oder als De-Mail verschickt. Überspitzt formuliert: umsonst und unsicher oder teuer und verschlüsselt.

Bei der Einrichtung des neuen Kontos muss sich der Nutzer mit Name, Adresse und Personalausweisnummer identifizieren. Damit soll sichergestellt werden, dass Empfänger und Absender eindeutig nachvollziehbar sind. Mit jedem Klick auf Senden wird dann eine Art elektronisch versiegeltes persönliches Einschreiben mit Versand- und Erhaltsbestätigung verschickt.

Das System kann zwischen Bürgern und Behörden genutzt werden, beispielsweise beim Antrag für einen Reisepass, aber auch von Unternehmen, die sensible Daten austauschen. Private Kommunikation im Netz wird wohl weiterhin über kostenlose Mails oder in sozialen Netzwerken stattfinden.

Neben GMX haben die Telekom und Web.de angekündigt, De-Mails anzubieten. 700.000 Kunden haben sich laut Auskunft der Unternehmen bereits eine De-Mail-Adresse reserviert. Auch die Post signalisiert Interesse. Der im Juli eingeführte E-Postbrief könnte dann ebenfalls per De-Mail versandt werden. Die Anbieter müssen sich beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik anmelden, das die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überwacht.

Datenschützer kritisieren allerdings, dass auch das neue Verfahren Lücken aufweist. Weil die Nachricht vom Provider für den Versand neu verschlüsselt wird, liegt sie dort kurzzeitig unverschlüsselt vor. Und aus dem versiegelten Brief könnte vorübergehend doch wieder eine leicht lesbare Postkarte werden.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.