SZ: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat sich kürzlich für einen konstruktiven Umgang mit dem französischen "Olivennes"-Modell ausgesprochen. Damit könnte man illegalen E-Book-Kopierern und Kopierschutz-Knackern in letzter Instanz den Zugang zum Internet verwehren.

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Kreutzer: Es wird Sie nicht überraschen, dass ich davon wenig halte. Kann es gerechtfertigt sein, Bürger einer Informationsgesellschaft vom Internet auszuschließen? Hätte man vor zwanzig Jahren in Erwägung gezogen, jemanden damit zu bestrafen, dass man ihm gleichzeitig Telefon, Fernseher, Radio und die Lektüre von Zeitungen verbietet? Eine solche Einschränkung der persönlichen Freiheit und des Zugangs zu Informationen würde massiven verfassungsrechtlichen Bedenken begegnen. Abgesehen davon wüsste ich nicht, wie man eine "Abschaltung" des Internet-Zugangs überhaupt effektiv durchsetzen sollte.

SZ: Repressionen helfen also nicht, sagen Sie. Aber kann man dafür sorgen, dass das Piraterie-Problem gar nicht erst entsteht? Indem man E-Book-Freunde dazu bringt, dass sie für die Lektüre freiwillig bezahlen? Indem man ihnen ein attraktives Einkaufsumfeld bietet: vernünftige Onlineshops mit günstigen Preisen?

Kreutzer: Ja, das wäre schon mal was. Aus meiner Sicht gibt es gute Angebote mit akzeptablen Konditionen bislang hauptsächlich für Audio-Inhalte, also für Musik, Hörbücher et cetera. Im Filmbereich gibt es dagegen meines Wissens bislang kein einziges interessantes Angebot; hier ist man weitgehend noch auf dem Stand der Online-Videothek, bei der man DVDs auf Bestellung leihweise zugeschickt bekommt, die man dann per Post wieder zurückschicken muss. Es liegt auf der Hand, dass moderne Online-Nutzer sich das anders vorstellen.

Wie gut das Angebot bei den E-Books werden kann, wird sich erst noch zeigen. Aber gewiss gilt auch hier, dass attraktive Angebote die Nutzer dazu bewegen könnten, sich weniger umsonst zu bedienen. Je mehr Zeit jedoch vergeht, ohne dass solche Angebote existieren, desto mehr gewöhnen sich die Leute an nicht-legale Quellen und sind dann immer schwerer davon abzubringen.

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(SZ vom 10.12.2008/mri)