DFB-Boss Zwanziger vs. Blogger 1:0 für Blogger

DFB-Chef Theo Zwanziger steht unter Druck und gegen den DFB der "Lügen"-Vorwurf im Raum. Dass es so weit gekommen ist, liegt vor allem an der Fußball-Blogosphäre.

Von J. Aumüller

Der Indirekte Freistoß gehört zweifelsohne zu den bekanntesten Fußball-Blogs im Netz, obwohl er eigentlich gar kein richtiger Blog ist, sondern vielmehr eine tägliche Presseschau für den Fußballfan. Schon seit Jahren wertet dort der Journalist Oliver Fritsch die Sportteile der Tageszeitungen und die Sportressortseiten der Internet-Auftritte aus. Und seit einigen Monaten hat er diesem Indirekten Freistoß auch noch einen kleinen Bruder an die Seite gestellt, den Direkten Freistoß, und der wiederum ist ein ganz und gar richtiger Blog.

Sieg für die Blogosphäre: der Fall Zwanziger.

(Foto: Foto: dpa)

Nun weiß jeder Fußball-Torwart, dass ein direkter Freistoß viel gefährlicher ist als ein indirekter, und so verhält es sich offenkundig auch im Internet - zumindest für den DFB-Chef Theo Zwanziger. Denn in diesem Blog begann eine Geschichte, die Zwanziger wohl lieber vergessen machen würde. In der er mit zwei gerichtlichen Klagen nicht durchdrang, in der sein DFB eine äußerst merkwürdige Pressemitteilung verschickte und an deren vorläufigem Ende gegen die höchsten Repräsentanten des deutschen Fußballs ein "Lügen"-Vorwurf vorliegt.

"Unglaublicher Demagoge"

Das alles, weil der freie Sportjournalist Jens Weinreich, der seit vielen Jahren über die nationale und internationale Sportpolitik berichtet und der als Autor auch für die Süddeutsche Zeitung schreibt, Ende Juli in einem Kommentar zu einem Blogeintrag bemerkte, Zwanziger sei ein "unglaublicher Demagoge", denn Zwanziger habe mehrfach behauptet, "Schuld an allen Problemen des Fußballs, des DFB im Allgemeinen und der DFL im Besonderen ist einzig und allein das Bosman-Urteil". Daraufhin versuchte der DFB-Boss, Weinreich gerichtlich verbieten zu lassen, ihn als "Demagogen" zu bezeichnen.

Dass die Geschichte bislang so verlief, darf die Blogosphäre als einen Sieg für sich verbuchen. Nachdem Weinreich am 22. Oktober auf seiner Homepage erstmals öffentlich auf die beiden Gerichtsentscheide hingewiesen hatte, hielten Fritsch und der FAZ-Autor Jürgen Kalwa in dessen Blog American Arena, Medienblogger Stefan Niggemeier und vor allem der betroffene Weinreich selbst das Thema am Köcheln.

Jede Wendung notierten sie, jedes Gerichtsdokument veröffentlichten sie, jede Argumentation des DFB sezierten sie. "Die technischen Möglichkeiten des Internets, viel zu publizieren und Aktenmaterial zu veröffentlichen, sind deutlich geworden und eine Transparenz ist entstanden, gegen die der DFB keine Chance hatte", sagt Fritsch.