Deutscher Computerspielpreis Das ging ins Auge

Harmlose Preisträger und feige Veranstalter: Bei der Verleihung des ersten Deutschen Computerspielpreises drückten sich alle um die nötige Diskussion um Killerspiele.

Von Mirjam Hauck

Für den deutschen Filmpreis ist dieses Jahr unter anderem der Baader-Meinhof-Komplex nominiert. Hätte ein Entwicklerstudio die RAF-Ballerorgie aus dem Hause Eichinger als Computerspiel umgesetzt, es hätte beim deutschen Computerspielpreis keine Chance gehabt. Am Dienstag das erste Mal in München von der Bundesregierung und den Branchenverbänden verliehen, sollte der Preis nur Spiele auszeichnen, die die kognitiven, technischen und kommunikativen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen fördern. Das sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Eröffnungsrede.

Spiele mit einer Altersfreigabe ab 16 oder 18 Jahren fanden sich in keiner der preiswürdigen Kategorien. Dem Thema Gewaltspiel gingen die Veranstalter somit trotz aktueller Diskussion um das Verbot von Killerspielen weitestgehend aus dem Weg. Neumann beschwor die in Schule und Elternhaus zu vermittelnde Medienkompetenz.

Wirtschaftsfaktor Computerspiele

Und der zweite Vertreter der Politik, Staatskanzleichef Siegfried Schneider, der für den verhinderten bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer als Laudator eingesprungenen war, mahnte angesichts der Wirtschaftsfaktors der Spielebranche (trotz Finanzkrise 14 Prozent Umsatzplus im vergangenen Jahr) gar zur Besonnenheit.

So war es denn eine Mischung aus Kommerz und Pädagogik, die in neun Kategorien mit Preisen und Preisgeldern von insgesamt 600.000 Euro bedacht wurde. Das beste deutsche Kinderspiel heißt 2009 "Fritz und Fertig" - ein Schachspiel. In der Kategorie Jugendspiel setzte sich das erfolgreichste deutsche Fantasy-Rollenspiel "Das schwarze Auge: Drakensang" gegen die Konkurrenten "Edna bricht aus" und "Geheimakte 2" durch. Drakensang war gleich derart erfolgreich. dass es auch den Hauptpreis "Bestes Deutsches Spiel" samt Preisgeld vom 150.000 Euro einheimste.

Bei den besten Lernspielen, den so genannten Serious Games gewann Techforce - ein Spiel, dass der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mitfinanziert hat - um kompetente Lehrlinge zu bekommen.

Zeigefinger-Inhalte

Gänzlich frei von solchen Zeigefinger-Inhalten war nur eine Kategorie - die außer Konkurrenz geführten Nominierten und somit nicht preisgeldwürdigen "Besten Internationalen Spiele". Sonys virtuelles Bastelspiel "Little Big Planet", Nintendos elektronische Yoga-Matte "Wii Fit" und die Gitarren-Karaoke "Rock Band 2" von Electronic Arts ließen die deutschen Entwickler und Spieleproduzenten ahnen, welche Ideen man haben muss, um weltweit konkurrenzfähig zu sein.

Kurioserweise gab es hier gleich zwei Preisträger: Sony und Nintendo. Während die beiden Konkurrenten einträchtig auf der Bühne kuschelten, blieb man im Publikum ob der Wahl der Jury etwas ratlos zurück. Es fehlte nur noch Microsoft, um die großen drei der Branche unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung vereint zu sehen

Im nächsten Jahr wird der Deutsche Computerspielpreis in Berlin verliehen. Vielleicht hilft die räumliche Nähe zum großen Bruder Filmpreis dabei, alle Facetten der Branche zu würdigen - und nicht nur Kommerz-Kuschel-Pädagogik.

Die Preisträger

Bestes Kinderspiel: Fritz & Fertig

Bestes Jugendspiel: Dss schwarze Auge: Drakensang

Bestes Browsergame: Ikariam

Bestes Mobiles Spiel: Crazy Machines DS

Bestes Internationales Spiel: Wii Fit, Little Big Planet

Bestes Schülerkonzept: Monkey's World Wide Jungle, Elsa-Brandström-Gymnasium Oberhausen

Bestes Studentenkonzept: Snatch'Em, Katrin Köhler, FHTW Berlin

Bestes Serious Game: Tech Force

Beste Innovation: kein Preisträger

Bestes Deutsches Spiel: Das schwarze Auge: Drakensang

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