Von Hubertus Breuer

Die USA gehen in die Offensive: Das Land baut eine Cybereinheit auf, um künftige Kriege im Internet zu gewinnen.

Als Kevin Coleman Ende April einen Vortrag vor einer Kommission des amerikanischen Kongress für die amerikanisch-chinesischen Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen hielt, hatte er eine Überraschung parat. Der Computerexperte des Beratungsunternehmens Technolytics berichtete, dass China für seine Militär- und Regierungscomputer ein Betriebssystem namens Kylin geschaffen habe, das gegen Internetangriffe amerikanischer Militärs und Geheimdienste nahezu immun sei.

Cyberwar

GrossbildIm 2. Golfkrieg 1991 wirkten die Angriffsszenarien oft wie einem Computerspiel entnommen - inzwischen ist der Cyber-War Realität. (© Foto: dpa)

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Außerdem hätten die Chinesen einen sicheren Mikroprozessor entwickelt, der sie zusätzlich gegen feindliche Hacker und Schadprogramme schütze. "Wir befinden uns in der Anfangsphase eines Wettrüstens im Cyberraum - und müssen entsprechend handeln", warnte er die Volksvertreter.

Damit fachte Coleman eine Diskussion an, die in den USA ohnehin schon begonnen hatte. In Washington, aber auch unter Regierungen Europas und Asiens grassiert die Angst vor einem Cyberkrieg oder einem Terroranschlag im virtuellen Raum. Sie befürchten, Hacker könnten durch geschickte Eingriffe über das Internet und andere Computernetze Stromausfälle auslösen, den Flugverkehr manipulieren oder den Finanzhandel zum Absturz bringen.

"Elektronischer Pearl Harbour"

Der Experte für Internetsicherheit in der Regierung Bush, Richard Clarke, warnte bereits vor Jahren vor einem "elektronischem Pearl Harbour"; im April skizzierte Wall Street Journal-Kolumnist Bret Stephens ein Szenario, das er "Hiroshima, 2.0" nannte. Und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich Anfang des Jahres dafür aus, Cyberwaffen künftig in der Liste der Massenvernichtungswaffen zu führen.

Wie groß die Gefahr einer Katastrophe in Folge eines Internetangriffs tatsächlich ist, weiß aber niemand ganz genau. Auf der einen Seite stehen Sicherheitsexperten, Regierungsmitglieder, Militärs, Vertreter der Rüstungsindustrie, die furchterregende Szenarien beschwören: Von explodierenden Kraftwerken, abstürzenden Flugzeugen, berstenden Staudämmen und unzähligen Toten ist dabei die Rede.

Auf der anderen Seite finden sich Skeptiker, die einen massiven Unfall nicht ausschließen, aber eben doch für unwahrscheinlich halten. "Man sollte die Gefahren nicht verniedlichen", sagt die an der ETH Zürich lehrende Expertin für Cyberrisiken, Myriam Dunn. "Warnungen vor dem Weltende aus dem Internet hört man aber seit den späten achtziger Jahren regelmäßig - dazu gekommen ist es nicht."

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