Arbeiten in der Wolke: PCs werden zunehmend zu reinen Eingabegeräten degradiert - das Rechnen erledigt das Internet.
Es war eine gigantische Aufgabe. Innerhalb von nur 24 Stunden sollten elf Millionen Artikel aus dem historischen Archiv der New York Times in ein Dateiformat umgewandelt werden, das auf nahezu allen Computern der Welt lesbar ist. Mit den Rechnern, die dem Zeitungsverlag zur Verfügung standen, wäre das in dieser Zeit niemals zu schaffen gewesen.
Cloud-Computing: Anspruchsvolle Rechenaufgaben lassen sich ausslagern - nicht ohne Risiko. (© Foto: dpa)
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Aber es fand sich ein Ausweg, auch wenn der nicht ohne Risiko war. "Ehrlich gesagt habe ich manchmal schon ein bisschen Panik bekommen", erzählte Derek Gottfrid von der Times-Technikmannschaft hinterher auf seinem Blog, "schließlich habe ich sehr neue und noch nicht völlig erprobte Techniken verwendet, und das bei einem sehr wichtigen Projekt mit festem Termin."
Doch Gottfrids Coup klappte. Er hatte nicht Rechner eingekauft, sondern Rechenleistung und so ein Verfahren angewendet, das im Jahr darauf zu dem Modewort der Branche werden sollte: "Cloud computing", auf Deutsch etwa Rechnen in der Wolke.
Eine Wolke, dieses Bild benutzen Computerexperten, wenn sie Verbindungen aus dem eigenen Netzwerk, zum Beispiel das einer Firma, in die unendlichen Weiten des Internets meinen. Seine wertvollen Daten den diffusen Verästelungen des Cyberspace anzuvertrauen, das hatte aber nicht einmal der Techniker Gottfrid gewagt. Seine "Wolke", das waren einhundert Computer in einem Rechenzentrum des Online-Versandhändlers Amazon, die er zeitweise angemietet hatte.
Das Geschäft mit der Rechenwolke
Um für Zeiten gerüstet zu sein, in denen viele Kunden über das Internet gleichzeitig auf die Datenbanken zugriffen, standen im Rechenzentren von Amazon massenhaft Computer herum. Gebraucht wurden die teuren Geräte aber nur in Spitzenzeiten.
Um solche Überkapazitäten zu nutzen wurde die "Elastic Compute Cloud" erfunden, ein Verbund von Rechnern, der sich flexibel anpassen lässt. In Zeiten, in denen Amazon die Rechner nicht selbst braucht, werden sie nun vermietet. Mittlerweile ist die hauseigene Rechenwolke ein ernstzunehmender Geschäftsbereich von Amazon, den man online buchen kann - eine Stunde Rechenzeit auf einem der Wolken-Rechner kostet weniger als sieben Cent.
Während auch Privatnutzer damit beginnen, solche Angebote zu nutzen, zum Beispiel um Dateien auf Rechnern im Internet zu speichern, wetteifern Firmen wie Google oder IBM mit Programmen und Dienstleistungen im Internet um die besten Plätze in einem Rennen, das - darin sind sich Experten einig - einen Paradigmenwechsel auslösen wird. Manche sagen gar schon das Ende des PC vorher, und selbst Softwarehersteller Microsoft, der mit dem klassischen PC groß geworden ist, räumt ein: "Wir befinden uns jetzt in einer neuen Ära", sagt Microsofts Software-Chef Ray Ozzie, "einer Ära, in der das Internet im Mittelpunkt steht."
Ein reines Eingabegerät
Auch Ozzies Vorgänger, Firmengründer Bill Gates, hatte in einer berühmt gewordenen Mail schon 2005 leitende Mitarbeiter ermahnt, sich dieser Entwicklung zu stellen. Ein PC steht zwar, wie Gates es einst voraussagte, auf fast jedem Bürotisch der Welt. Aber seine Zeit als zunehmend rechenkräftige Maschine, die immer umfangreichere Software-Pakete stemmt, könnte bald vorbei sein. In manchen Szenarien entwickelt sich der PC zu einem reinen Eingabegerät. Unter welchem Betriebssystem er läuft oder seine Rechenleistung spielen dagegen keine große Rolle mehr.
Software muss dann auch nicht mehr mühsam auf jedem Computer installiert werden, sie steckt in der Wolke. "Wenn Sie sich in ein paar Jahren einen neuen PC kaufen wollen, dann tun Sie das einfach, hängen ihn ans Internet, melden sich an - und Sie haben alle Programme drauf, die Sie brauchen", verspricht Ozzie.
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- Strategiewechsel bei Microsoft Von Windows und Wolken 27.10.2008
- Microsoft: Vista-Nachfolge Kleine Schritte mit Windows 7 28.10.2008
- Schutz vor Kriminellen "Am besten getrennte Betriebssysteme" 01.11.2008
- Microsoft: Software-Chef Ozzie "Es reicht nicht mehr" 30.10.2008
- Buchsuche bei Google Die Weltbibliothek im Netz 28.10.2008
Es ist wie bei einer Fernleitungsheizung. Irgendwann werden die Leitungen anfangen zu rauchen, weil nicht mehr durchgeht und dann wird's am Ende ganz klat für alle ....
Larry Ellison erzählte schon Ende der 90er Jahre (1988) von seiner Vorstellung alle Anwendungen zentral zu nutzen. Er ging sogar noch weiter, die gesamte Rechenleistung und Speicherkapazität sollte per Netz zur Verfügung stehen und der Anwender nur einen nicht-intelligenten Bildschirm-Arbeitsplatz bedienen müssen. Diese Vorstellung passt zu einem Mann, der seit den 80ziger Jahren (1974) mit den Problemen von Speicherverwaltungssystemen beschäftigt sein soll. Gut das es Microsoft gibt, die nach Hailstrom, das übrigens Anfang 2001 (im 21 Jahrhdt.) auf die unschuldige Menschheit losgelassen wurde und nach erschreckenden Erfolgen wieder eingestellt wurde, wieder einmal als Vor- Mit- und wassonstnochfüreinReiter auftritt.
Dann ist mehr als zu begrüßen, das es solche Idealisten und wirkliche Fachleute gibt, die vor dem dummen wie kitschigen Cloud-Computing warnen, wie ein Herr Stalllmann, der zwar nicht unumstritten ist, aber bei dem sich mit absoluter Sicherheit Ehrlichkeit in seinem auch persönlichem Engagement findet, wie bei so manchem korrumpierten Software-Entscheider mit fanatischer Geld-Götzen-Anbetung und leidlicher informationsundkommunikationstechnischer Einbildung.
... und einmal ein Lob an die Redaktion, der Unterschied zwischen Freier Software und OpenSource scheint bekannt zu sein.