Abzocke im Internet Abmahn-Wahn erreicht Ebay

Abmahn-Anwälte haben mit Ebay ein neue Goldgrube entdeckt: Im Kleingedruckten suchen sie nach Fehlern in den Verkaufsbedingungen, um Händler zur Kasse zu bitten. Dabei sind auch Hobby-Verkäufer gefährdet.

Mit dem Internet ohne Mühen reich werden: Das wollen vor allem Abmahnhaie, die Online-Händler wegen kleinster Rechtsfehler auf deren Shop-Seiten systematisch und massenhaft abmahnen. Daran ändert auch das ab Freitag gültige neue Widerrufs- und Rückgaberecht nur wenig.

Zudem haben die Abmahner auf dem Online-Marktplatz Ebay längst eine neue Opfergruppe entdeckt, die sie erbarmungslos melken: Ahnungslose Hobby-Händler, die wegen vieler Verkäufe juristisch bereits als gewerbliche Händler gelten und deshalb eine Widerrufsbelehrung zu ihren Angeboten angeben müssen.

30 Artikel reichen

Das Eis, auf dem sich viele vermeintliche Hobby-Händler bewegen, ist dem Wettbewerbsrechtler Alexander Schupp aus Zweibrücken zufolge äußerst dünn. Nach Ansicht verschiedener Gerichte reicht der Verkauf von etwa 30 Artikeln im Monat schon aus, um in den Ruch des gewerblichen Handels zu kommen, sagt er.

Und wenn dann statt einer Widerrufsbelehrung unter dem eBay-Angebot etwa steht "Privatauktion ohne Umtauschrecht", kann das nach Angaben des Anwalts der Kanzlei Küttner zum lukrativen Geschäft für Winkeladvokaten werden.

In einem von Schupp vertreten Fall tätigte eine Karlsruher Firma 800 Testkäufe bei Hobby-Händlern und ließ dann Abmahnungen mit einem Gebührenbescheid von 555 Euro verschicken. "Das wären 450.000 Euro Profit - mit nur einem Serienbrief", sagt Schupp.