Wohin mit den Studiengebühren? Millionen müssen raus

Die Universitäten haben offenbar ein Luxusproblem: Sie bunkern Studiengebühren auf ihren Konten. Jetzt streiten Studenten und Unis, wie das Geld ausgegeben werden soll. Die Zeit drängt. Wird bis zum Sommer nicht investiert, drohen Sanktionen - und Hochschüler könnten sich über geringere Gebühren freuen.

Von Martina Scherf

An den bayerischen Hochschulen sind hektische Aktivitäten ausgebrochen, um Millionen Euro schnellstens zu investieren. Bis zum Ende dieses Sommersemesters müssen die Universitäten 90 Prozent ihrer angehäuften Studiengebühren ausgegeben haben. Schaffen sie das nicht, droht ihnen die Kürzung der Gebühren, so hatte es Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) im vergangenen Jahr verkündet. An den Universitäten streiten nun Studierenden-Vertreter und Hochschulleitungen mehr oder minder heftig, wie das Geld sinnvoll anzulegen ist.

Bis zu 500 Euro zahlen Bayerns Studenten an "Campusmaut" pro Semester. Das Geld darf nur "zur Verbesserung der Lehre" verwendet werden - eine Definitionssache: Dient ein neuer Beamer im Seminarraum dieser Verbesserung oder gehört er zur Grundausstattung, für die der Staat aufkommen muss? Über solche Fragen wird an den Fakultäten gerungen.

Noch immer liegen an manchen Universitäten Millionen aus den Anfangsjahren der Studiengebühren auf den Konten, und jedes Semester kommen weitere hinzu. Allein 10,6 Millionen Euro hatte die Universität Erlangen-Nürnberg, die zweitgrößte bayerische Hochschule, jetzt zu vergeben, 640 Anträge lagen vor. Man hat sich nach Auskunft von Vizepräsidentin Johanna Haberer mit den Studenten weitgehend geeinigt: auf längere Öffnungszeiten in der Unibibliothek und der Studienberatung, mehr Bücher und 700 000 Euro für zusätzliche Sprachkurse. Nur bei der Wartung von Multimediageräten hat die Hochschulleitung allein entschieden. Nach Meinung der Studierenden gehört so etwas zur Grundausstattung. Insgesamt berichten sie aber von einem "konstruktiveren Klima" seit der Konfrontation mit dem Präsidenten zum Jahreswechsel.

Die Hochschulleitung darf sich über das Votum der Studierenden hinwegsetzen, obwohl die Kommissionen zur Verwendung der Beiträge paritätisch besetzt sind. Von einer "Hochschulautokratie statt Hochschulautonomie" spricht daher der Sprecherrat der Uni Regensburg. Von sieben Millionen Euro Gebühren, die dort für das Sommersemester bewilligt wurden, würden mehr als 2,6 Millionen "ohne demokratische Legitimation" ausgegeben, beschwert sich der Sprecherrat. Eine halbe Million werde von der Universitätsleitung sogar gegen die gemeinsame Empfehlung von Studierenden und Professoren verplant - etwa für die Prüfungsverwaltung. "Das sind Aufgaben, die sich aus der Bologna-Reform ergeben, die also der Staat zu tragen hat", sagt Studentenvertreter Ssaman Mardi und ärgert sich, dass die Gebühren nicht gesenkt werden, wenn zu viel Geld auf den Konten liege. Diese Möglichkeit sieht das Gesetz vor.

In Augsburg haben die Studierendenvertreter sogar kleineren Baumaßnahmen zugestimmt, um die drangvolle Enge in den Seminarräumen zu lindern. Dafür werden nun auch neue Geräte für den Kraftraum der Hochschulsportanlage angeschafft, die seit Jahren gewünscht werden. "Was aber wirklich dringend nötig wäre, nämlich unbefristete Lehrstellen, das ist mit den unsicheren Studienbeiträgen nicht zu finanzieren", klagt Studierendenvertreter Kevin Ansorg.

Auch an der Ludwig-Maximilians-Universität München gibt es regelmäßig Streit über die Verwendung der Studiengebühren. So würden etwa die Studiengangskoordinatoren damit bezahlt - langfristige Stellen, die durch die Bologna-Reform notwendig wurden, ärgert sich Veronika Dorn, Mitglied in der zentralen Studienbeitragskommission.