Umstrittener Bischof Mixas Holocaust-Vergleich

Der wortgewaltige Augsburger Bischof Walter Mixa hat wieder einmal verbal zugeschlagen: Bei einem CSU-Empfang vergleicht er Abtreibungen mit dem Holocaust.

Von Katja Auer

So wird das der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Christoph Hammer nicht gemeint haben, als er beim jährlichen CSU-Empfang zum Aschermittwoch einen "Gast mit einer klaren Meinung, mit Ecken und Kanten" einladen wollte. Das hat Tradition bei dem mittelfränkischen CSU-Ortsverband, der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und SPD-Landeschef Ludwig Stiegler waren schon da, dieses Jahr hatte Hammer den Augsburger Bischof Walter Mixa in den Schrannenfestsaal geladen - der als streitbarer Kopf ebenso bekannt ist wie umstritten.

Der Bischof sprach über Ethik und Werte in der Politik. Einen großen Bogen habe er da geschlagen, erzählen Zuhörer, über Europa habe er gesprochen, über Terror und den Weltfrieden. Auch die Debatte um den Holocaust-Leugner Richard Williamson habe Mixa nicht ausgespart und sich deutlich von ihm distanziert. Mixa habe den Holocaust, bei dem sechs Millionen Juden ermordet wurden als entsetzliches Verbrechen bezeichnet.

Dann allerdings hat der für provokante Äußerungen bekannte Bischof einen Vergleich gezogen, der ihn wieder in die Kritik bringt: Der Holocaust sei ein schreckliches Verbrechen, sagte Mixa, aber auch heutzutage würden Verbrechen gegen das Leben begangen: So sei die Zahl der sechs Millionen getöteten Juden inzwischen durch die Zahl der Abtreibungen überschritten worden. Neun Millionen Embryonen seien nach Expertenschätzungen in den vergangenen Jahrzehnten abgetrieben worden.

Das Ordinariat wehrt sich

Gastgeber Hammer kritisiert Mixas Worte. "Es gibt Sachen, die kann man einfach nicht vergleichen, das verbietet sich", sagt er. Die systematische Verfolgung eines Volkes "unter Auslassung aller menschlichen Gesichtspunkte" dürfe nicht ins Verhältnis zur Abtreibung gesetzt werden, auch wenn diese moralisch verwerflich sei. "Das tut man nicht", sagt Hammer. Landrat Rudolf Schwemmbauer (CSU), der ebenfalls anwesend war, formuliert es etwas zurückhaltender. "Ich hätte das thematisch getrennt", sagt er. Dass Mixa den Holocaust relativieren wollte, glauben die Politiker dennoch nicht.

Das Ordinariat in Augsburg war am Freitag bemüht, solche Vorwürfe zurückzuweisen. Von einer Relativierung des grauenvollen Unrechts gegen das jüdische Volk könne keine Rede sein, teilte Mixas Sprecher mit. Der Bischof habe den Judenmord als singuläres Verbrechen bezeichnet und dann "in einem weiteren Zusammenhang" des Vortragsthemas darauf hingewiesen, dass auch in der Gegenwart Verbrechen gegen das Leben begangen würden, die höchste Wachsamkeit erforderten.

Dabei habe er unter anderem auf die Zahl der Abtreibungen hingewiesen. Daraus eine Relativierung des Holocausts zu konstruieren, sei "absurd und bösartig". Es ist nicht das erste Mal, dass Bischof Mixa seine konservativen Ansichten zur Familienpolitik mit harten Worten formuliert. Sein Credo lautet, dass "Kirche nerven muss, wenn es um Fragen des Lebensschutzes, um Ehe und Familie oder um Fragen des Friedens geht".

Das bekam schon Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu spüren. Deren Pläne zum Ausbau von Kinderkrippen kommentierte Mixa, sie degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen". Als Streiter gegen die familienfeindliche Politik der Bundesregierung tourte Mixa daraufhin durch die Talkshows der Republik. Grünen-Chefin Claudia Roth titulierte ihn damals als "durchgeknallten katholischen Oberfundi".

Schon die Gebärmaschine war umstritten

Im vergangenen Oktober meldete sich der Augsburger Oberhirte, der gleichzeitig Militärbischof ist, wieder zu Wort: Er geißelte die geplante Erhöhung des Kindergelds um zehn Euro als "Beleidigung der Familien mit Kindern". Das sei völlig unzureichend, zumal angesichts der Tatsache, dass die Regierung zur Rettung des maroden Bankensystems innerhalb kürzester Zeit hohe Milliardenbeträge aufbringe, bei den Familien aber spare.

Wie Joachim Kardinal Meisner aus Köln und der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zählt Mixa zur reaktionären Fraktion der deutschen Bischöfe. In Augsburg ist er dafür bekannt, mit Vorliebe überfromme Bewerber in sein Priesterseminar zu holen und kritische Geister auf Pfarrstellen im Nirgendwo ruhig zu stellen.

"Ihm kam es darauf an, aufzurütteln", glaubt der mittelfränkische Bezirkstags-Vizepräsident Alexander Küßwetter. Das ist dem Bischof offenbar gelungen: Auch der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Hammer räumt ein, dass er noch bis in die Nacht mit seiner Familie über Abtreibung und Lebensschutz diskutiert habe. Walter Mixas Methode kritisiert er trotzdem: "Man muss andere Wege finden, um ein Thema in die Diskussion zu bringen", sagt der Politiker. Wen er nächstes Jahr zum Aschermittwoch einlädt, muss er sich noch überlegen.