St. Ottilien unter Verdacht Klosterschüler nackt fotografiert

Nach Ettal nun auch die Klosterschule St.Ottilien: In einem anonymen Schreiben wird ein Pater des Missbrauchs beschuldigt.

Von G. Eisenkolb und S. Mayr

Die Missbrauchsfälle im Kloster Ettal waren offensichtlich nur die Spitze des Eisbergs: Nun gerät auch die Klosterschule der Missionsbenediktiner in St.Ottilien in Verdacht. In einem anonymen Schreiben wird ein Pater und früherer Präfekt von einem ehemaligen Klosterschüler beschuldigt, im Seminar und im Internat der Abtei in den 70er Jahren Schüler nackt beim Duschen fotografiert zu haben. Angeblich hätten sich Buben auch unbekleidet mit Klopapier einwickeln lassen müssen. Wie das Kloster der Süddeutschen Zeitung mitteilte, habe Erzabt Jeremias Schröder bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die bisher unbestätigten Vorwürfe aufzuklären. Der beschuldigte Pater, der seit Anfang der 90er Jahren aus Altersgründen nicht mehr unterrichtet, sei sofort von allen Diensten entbunden worden.

Die Diözesanleitung in Augsburg wurde nach Angaben des Klosters umgehend über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt. Auch der Staatsanwaltschaft gingen die Anschuldigungen zu. Zudem seien die Lehrer und Schüler informiert worden. Für weitere Ermittlungen sind in der Abtei Gegenstände versiegelt worden. "In solchen Fällen wird nichts verborgen", sagte der Pressesprecher von St.Ottilien. Das Kloster halte sich strikt an die Leitlinien, die seit 2003 regeln, wie beim Missbrauch von Minderjährigen durch Ordensmänner vorzugehen ist.

Nach Angaben des Klosters wurden inzwischen die Archive von St.Ottilien nach weiteren möglichen Missbrauchsfällen durchforstet und Gespräche mit ehemaligen Schüler geführt. Dabei sei kein einziger Hinweis auf noch nicht verfolgte Übergriffe aufgetaucht. In den 60er Jahren war ein Klosterangehöriger von St.Ottilien während des laufenden Schuljahres aus der Betreuung der Schüler abgezogen worden, weil er sich ihnen angeblich sexuell genähert hatte.

Unterdessen wurden noch weitere Vorwürfe gegen Klosterschulen in Bayern laut: Im Kreis Unterallgäu hat ein früherer Schüler des Maristen-Internats in Mindelheim bei der Kriminalpolizei Memmingen Anzeige gegen einen ehemaligen Erzieher wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. Die Polizei will sich bislang aus ermittlungstaktischen Gründen über den Verdächtigen und die ihm angelasteten Übergriffe nicht im Detail äußern. Ein ehemaliger Schüler des Internats berichtet unterdessen von gefängnisähnlichen Zuständen in den siebziger und achtziger Jahren: "Ich saß als Schulkind jahrelang im Gefängnis, weiß aber bis heute nicht, wofür", sagt Michael N., der von 1974 bis 1983 im Maristen-Internat lebte. "Wenn jemand im Schlafsaal schwätzte, wurde er mit der Hand auf den nackten Hintern geschlagen", berichtet der heute 46-Jährige.

Die Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Don-Bosco-Kinderheims in Augsburg werden neuerdings von zwei ehemaligen Ordensmännern bestätigt. Der Beschuldigte war zwischen 1964 und 1966 Praktikant in dem Heim und soll einen Schüler sexuell genötigt haben.