Schafkopfen neu entdeckt Wenn Uli Hoeneß die Oide sucht

Gutes oder schlechtes Blatt? Schafkopfen ist als Kartenspiel in Bayern wieder sehr beliebt.

(Foto: LKS)

Das Schafkopfen kehrt in die bayerische Kultur zurück: Es erfordert Schläue, Kombinationsgabe und ein wenig Hinterfotzigkeit. In zahlreichen Wirtshäusern wird die Tradition wieder zunehmend gepflegt. Auch Prominente spielen es gerne.

Von Udo Watter

Aus traditioneller Sicht gehört zum Genius Loci eines bayerischen Wirtshauses die Schafkopfrunde. Wie könnte man der Gemütlichkeit virtuoser huldigen, seine Zeit am Stammtisch sinnvoller verprassen als in Gesellschaft von drei Spielpartnern, Bier und einem bayerischen Blatt? Als Kulturgut hat es seinen festen Platz in der stammeseigenen Folklore, manche Leute behaupten sogar, in ihm spiegle sich die hiesige Mentalität besonders gut wider. Es fordert Kombinationsgabe, Schläue - und auch eine gewisse Hinterfotzigkeit. Und dass Ober und Unter den König schlagen, könnte man auch als Symbol für die stammestypische Widerborstigkeit gegen die Großkopferten deuten.

Allerdings hat sich in jüngerer Zeit nicht ganz zu Unrecht der Eindruck aufgedrängt, mit dem Karteln verhalte es sich ähnlich wie mit dem Dialekt: Der Rückgang ist unaufhaltsam, gerade in der Landeshauptstadt. Besonders die zunehmende Tendenz der Wirte, das Schafkopfen in ihren Räumen zu untersagen, schien Kulturpessimisten in vergangenen Dekaden immer wieder zu bestätigen. Aber halt: Während es beim Dialekt für das junge München wohl wirklich zu spät ist, wäre es verkehrt, einen Abgesang auf das Schafkopfen anzustimmen. Im Gegenteil, sagt der Münchner Adam Merschbacher, Autor des Buches "Schafkopf - Das anspruchsvolle Kartenspiel": "In den meisten Wirtschaften ist das überhaupt kein Problem. Man muss nur aufeinander zugehen, miteinander reden, und die Spieler sollen sich anständig benehmen."

Merschbacher, 59, gründete 2004 mit ein paar Gesinnungsgenossen den Verein "Münchner Schafkopfschule" - es war damals in der Tat eine Reaktion auf die Befürchtung, Schafkopfer würden zunehmend im öffentlichen Raum ausgebremst. Hinzu kam die Vermutung, die bayerischen Teenager erachteten es nicht mehr als unerlässliches Kapitel ihrer Jugend, das landestypische Kartenspiel zu erlernen. "Wir haben gesagt: Schafkopfen ist ein Kulturgut. Wir müssen was unternehmen", erklärt Merschbacher. Kurse geben, mit den Wirten über eine Koexistenz reden, verlässliche Regeln aufstellen, Turniere organisieren - sie engagierten sich, und sie hatten Erfolg. Wenn Merschbacher mit anderen Mitgliedern der "Schafkopfschule" 2014 Zehnjähriges feiert, wird er das Gefühl haben, Protagonist und Zeuge einer kleinen Trendwende gewesen zu sein.

Zwar gibt es immer noch Wirte, die keine Schafkopfer in ihren Lokalen wollen, weil diese zu wenig konsumierten oder durch deftiges Vokabular oder kräftiges Kartengeschmetter auffielen. Aber es gibt auch gegenteilige Fälle: Auf der Homepage der "Münchner Schafkopfschule", die seit 2007 auch offiziell für die Reglementierung bei Turnieren verantwortlich zeichnet, finden sich jede Menge Münchner Gasthäuser und Kneipen, in denen Schafkopfen erlaubt ist: "Die melden sich oft von sich aus", erklärt Merschbacher.