Neuer CSU-Generalsekretär Freiherr und Freigeist

Der neue CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg genießt den Ruf eines unangepassten Solitärs, der sich der Parteiräson nicht unterwerfen mag.

Von Olaf Przybilla

Der Baron von und zu Guttenberg ist ein CSU-Politiker, der den Einzelgänger hervorkehrt. Der die Eleganz seiner Kleidung betont. Und dessen Name es ihm erlaubt, dem Parteiapparat gegenüber eine nahezu vollkommen unabhängige Existenz zu führen.

So stand es wörtlich im Spiegel, im Jahr 1972. Die Rede war vom Parlamentarischen Staatssekretär Karl Theodor zu Guttenberg, einem der wenigen in der CSU, die es sich herausnahmen, Franz Josef Strauß zu widersprechen. Sein Enkel, Karl-Theodor zu Guttenberg, schreibt sich mit Bindestrich zwischen den Vornamen. Ansonsten aber erinnere der neue Generalsekretär der CSU "schon sehr an seinen Großvater", sagen politische Weggefährten.

Horst Seehofers Wahl gilt deswegen als ausgesprochen mutig. Denn Guttenberg genießt bislang den Ruf eines unangepassten Solitärs, der sich der Parteiräson nicht unterwerfen mag. Fragt man den promovierten Juristen, was ihn mit seinem Großvater verbinde, so antwortet der 36-Jährige: "Die Unverbrüchlichkeit meiner Meinung, sobald ich sie mir gebildet habe."

In der CSU haben sie das schon mehrfach schmerzhaft zu spüren bekommen. Dem ehemaligen bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf etwa unterbreitete Guttenberg im November 2007 mitten in der Nacht, dass er keineswegs daran denke, Hartmut Koschyk als neuen CSU-Chef von Oberfranken zu akzeptieren - nur weil sich die Parteigranden vorab auf diesen geeinigt hatten.

Koschyk, Geschäftsführer der CSU-Bundestagsfraktion, galt als natürlicher Nachfolger Schnappaufs. Guttenberg trat trotzdem gegen ihn an, hielt eine fulminante Rede auf dem Parteitag - und triumphierte mit 58 Prozent der Stimmen.

Der Auftritt Guttenbergs gilt in der CSU seither als die Geburtsstunde eines "gewaltigen politischen Talents", wie es Seehofer formuliert. Schließlich stand der Mann mit den streng nach hinten gekämmten Haaren lange im Verdacht, eigentlich gar nicht in die CSU zu passen.

Dem Außenpolitiker sagten sie eine Zukunft als Diplomat voraus. Dass so einer auch CSU-Delegierte mitreißen kann, verblüffte viele. Selbst der damalige Parteichef Erwin Huber gestand später, ihm habe vorab leider "kein Parteifreund" gesagt, dass Guttenberg eine Chance habe, jüngster CSU-Bezirkschef zu werden.

Nun wird Guttenberg CSU-Generalsekretär, mit 36 Jahren. Den neuen bayerischen Umweltminister Markus Söder, selbst ein ehemaliger CSU-General, dürfte das besonders nachdenklich stimmen. Denn Guttenberg und der 41 Jahre alte Söder gelten als Antipoden in der CSU.

Als Söder im Juli eine Intervention von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in London forderte, weil in der Berliner Dependance von Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett Franz Josef Strauß in die Nähe eines DDR-Spions gerückt worden war, mahnte Guttenberg, Söder solle solch "verstörende Wortmeldungen" gefälligst unterlassen. Aus der CSU-Landtagsfraktion fand sich daraufhin einer, der den Bundestagsabgeordneten Guttenberg aufforderte, dieser möge sich doch seinerseits "Äußerungen im Stil eines arroganten Mitglieds des britischen Oberhauses" sparen.

Die Gegenattacke aus dem Landtag sollte offenbar eine vermeintlich schwache Stelle des Freiherren aus Franken treffen, dem ein CSU-Vorstandsmitglied "viel adelige Noblesse und wenig CSU-Stallgeruch" nachsagt. Die Geschichte der Guttenbergs gilt als eine der imposantesten in Nordbayern. Das 800 Jahre alte Adelsgeschlecht stellte einst die Fürstbischöfe von Würzburg.

Guttenbergs Urgroßonkel Karl Ludwig unterhielt enge Kontakte zu den Widerstandskämpfern um Stauffenberg. Der Vater des Abgeordneten, der mehrfach ausgezeichnete Dirigent Enoch zu Guttenberg, trat 1992 aus der CSU aus - er hatte sich mit Ministerpräsident Max Streibl angelegt, weil der sich weigerte, an einer Demonstration gegen Antisemitismus teilzunehmen.

Stühlerücken mit Horst

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