Nach Nazi-Gruß an Realschule Lehrer misstrauen Schulleiterin

Die Schulleiterin, die Kinder bei einem Mäusefallenrennen an einer Realschule in Weißenburg mit dem Nazi-Gruß "Sieg Heil" angefeuert hat, ist mit einer Geldbuße davongekommen. Der Fall dürfte damit strafrechtlich erledigt sein - wie es an der Schule weiter geht, ist noch lange nicht geklärt.

Von Uwe Ritzer

Weil sie Schüler bei einem Wettbewerb mit dem NS-Gruß "Sieg Heil" anfeuerte, muss die Leiterin der Staatlichen Realschule im mittelfränkischen Weißenburg 1000 Euro Geldauflage an einen "Runden Tisch gegen Rechts" bezahlen. Im Gegenzug stellt die Staatsanwaltschaft Ansbach ihre Ermittlungen gegen die Rektorin wegen der Verwendung von verfassungsfeindlichen Kennzeichen nach Paragraf 153 a der Strafprozessordnung ein.

Nach Angaben von Gerhard Karl, dem Leiter der Ermittlungsbehörde, hat die Schulleiterin dem bereits ebenso zugestimmt wie das zuständige Gericht. Zu ihren Gunsten habe gesprochen, "dass es eine Spontanäußerung war, die sie umgehend klargestellt hat, und dass es bei ihr keinen rechtsradikalen Hintergrund gibt", sagte der leitende Oberstaatsanwalt. Damit dürfte der Fall strafrechtlich erledigt sein - dienstrechtlich ist er es aber noch lange nicht.

Denn nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat sich ein Großteil des Lehrerkollegiums inzwischen offen gegen die Schulleiterin gestellt. Deren fragwürdiger Anfeuerungsruf "Sieg Heil" bei einem Mausefallenrennen der siebten und achten Klassen kurz vor den Faschingsferien hatte international Aufsehen erregt und war unter anderem Thema in britischen und israelischen Medien.

Die Schulleiterin sei überfordert, zu wenig präsent

Der Vorgang sei nur der unrühmliche Höhepunkt einer langen Liste von Peinlichkeiten und einer insgesamt missglückten Amtsführung der Schulleiterin, sagen übereinstimmend mehrere Teilnehmer einer Personalversammlung, bei der scharfe Kritik an der Rektorin geäußert wurde.

Unter Schulleiterin Susanne A., (Name geändert) habe sich demnach das Arbeitsklima verschlechtert und das Kollegium sei gespalten, behaupten mehrere Lehrer. Sie kritisieren vor allem öffentliche Auftritte, bei denen sich die Rektorin wiederholt im Ton vergriffen habe. So soll sie bei einer Ansprache vor französischen Gästen eines Schüleraustauschs das Festhalten des Nachbarlandes an der Kernenergie derart scharf kritisiert haben, dass die Dolmetscherin bewusst falsch übersetzte - um einen Eklat zu vermeiden.

Die Schulleiterin sei überfordert, zu wenig präsent und lege im Umgang mit Untergebenen bisweilen einen fragwürdigen Ton an den Tag, hieß es weiter. Susanne A. war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht erreichbar; sie hatte jedoch bereits zuvor für etwaige Anfragen an das Kultusministerium verwiesen. Dessen Sprecher wollte auf Nachfrage nicht dementieren, dass es an der Weißenburger Realschule durchaus gespaltene Auffassungen gibt, was die Führungsqualitäten der Rektorin angeht.

Das Ministerium wartet dem Sprecher zufolge auf eine offizielle Mitteilung der Ansbacher Staatsanwaltschaft über den Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen in der "Sieg Heil"-Affäre, um den Fall anschließend dienstrechtlich zu bewerten.

Ob entsprechende Konsequenzen gezogen werden und wie die Lage an der Schule wieder befriedet werden soll, blieb offen. Der zuständige Ministerialbeauftragte für die mittelfränkischen Realschulen, Johann Seitz, sagte, man werde "in Abstimmung mit dem Ministerium eine Lösung finden, bei der das Wohl der gesamten Schule im Mittelpunkt steht".