Im Jahr 1991 hat ein Nürnberger Paar in Südtirol den Ötzi gefunden. Eine Sensation - und der Beginn einer endlosen Schlammschlacht um Geld und verletzte Ehre. Nun bekommt die Familie die Anerkennung, auf die sie 19 Jahre warten musste.
Manchmal enden große Dramen ganz schlicht. Im Fall von Erika Simon klingelt einfach nur das Telefon. Der Streit mit dem italienischen Provinz Südtirol sei endgültig beigelegt, sagt ihr Anwalt Georg Rudolph. 175.000 Euro werde ihre Familie bekommen. Am anderen Ende der Leitung hält sich jedoch die Freude in Grenzen. Sie könne das erst glauben, wenn sie das Geld tatsächlich in den Händen halte, erwidert Erika Simon. Keine Erleichterung, nur Skepsis.
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19 Jahre nach dem Fund des Ötzi bekommt eine Familie aus Nürnberg nun den Finderlohn. (© dpa)
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Dabei hat sie fast 19 Jahre auf diese Nachricht gewartet. Am 19. September 1991 entdecken Helmut und Erika Simon bei einer Wanderung auf dem Niederjochferner in Südtirol die mehr als 5300 Jahre alten Überreste des inzwischen weltberühmten Gletschermanns Ötzi - eine archäologische Sensation, die für die Entdecker jedoch nur der Auftakt zu einem jahrzehntelangen Irrweg durch Paragraphen, Gerichtssäle und Anwaltsstuben ist. Und alles nur wegen dieser einen Frage: Wie lässt sich der Wert einer Mumie beziffern?
Denn der Finderlohn, das ist in Italien nicht anders als in Deutschland, bemisst sich nach dem Wert des Objekts. Für die Südtiroler Landesregierung ist die Rechnung ganz einfach: Das eigens gebaute Ötzi-Museum in Bozen sei kein "gewinnbringender Bereich", wie es eine Sprecherin formuliert. Teuer seien vor allem die hohen Kosten für die Konservierung der Gletscherleiche. Im Klartext: Die Provinz zahlt beim Ötzi drauf. "Wir möchten der Familie Simon nicht einen einzigen Cent gewähren, der ihr nicht zusteht. Hier geht es um Steuergelder", stänkerte Landeshauptmann Luis Durnwalder noch vor einigen Jahren. Gerade einmal 50.000 Euro wollte er den Simons zahlen, als "Anerkennungspreis".
Brüskiert giftete die Gegenseite vor einem Jahr zurück. Als "knauseriges Bergvolk" beschimpfte Anwalt Rudolph die Südtiroler. Selbst eine Forderung von einer Million Euro wäre "nicht unverschämt gewesen". Der Jurist argumentiert mit dem großen Imagegewinn, den die Region durch den Ötzi erfahren habe, mit Touristen, Hotelübernachtungen und wirtschaftlichem Aufschwung. Die verkaufen "Ötziwein, Ötzibrezn und allerlei anderen Ötzimist". Und immerhin habe das Land auch knapp neun Millionen Euro in den Bau des Bozener Ötzi-Museums investieren können.
Natürlich geht es in solchen Fällen nicht nur ums Geld, sondern auch um enttäuschte Gefühle. Geld ist die eine Sache, sagt Georg Rudolph, aber seine Mandanten hätten auch die Anerkennung vermisst. Nicht einmal zur Eröffnung des Museums im Jahr 1998 sei die Familie eingeladen worden.
"Eine schöne Klatsche"
Helmut Simon stirbt, ohne dass der Konflikt gelöst ist. Im Jahr 2004 verunglückt er bei einer Alpenwanderung nahe Salzburg tödlich - doch seine Frau, die beiden Söhne und die Anwälte fechten den Kampf weiter aus. Zwei langjährige Prozesse bleiben ohne Ergebnis. Vor einem Jahr scheint es, als hätten sich die Parteien auf einen Betrag von 150.000 Euro geeinigt, doch die Einigung platzt erneut. Offenbar ist es wieder zu Verstimmungen zwischen den Südtirolern und der Familie gekommen.
Zwei Jahrzehnte Streit vergehen bis der erlösende Anruf kommt - der Anwalt selbst ist mit dem Fall gealtert. 69 Jahre ist Georg Rudolph inzwischen. Doch die Ötzi-Causa hat ihn nie losgelassen. 175.000 Euro bekommen die Simons nun - das bestätigte eine Sprecherin des Landeshauptmanns sueddeutsche.de. Einen Teil davon werden die Anwälte erhalten, der Rest geht an die Erbengemeinschaft. Ein wenig stolz ist Anwalt Rudolph schon auf den Erfolg, um den er fast 20 Jahre kämpfen musste. Die Familie hatte schon nicht mehr daran geglaubt, sagt der Jurist. Aber er sei eben wie ein "Foxterrier". Wenn er sich einmal festgebissen habe, dann lasse er nicht mehr los. Einige tausend Euro wird Rudolph als Honorar für die 19 Jahre bekommen. "Reich werde ich nicht damit", sagt der Jurist, aber was solls, die Genugtuung, dem Land Südtirol "eine schöne Klatsche" verpasst zu haben, ist ja auch etwas. Der Ötzi-Streit soll ohnehin sein letzter Fall gewesen sein, Rudolph verabschiedet sich nun in den Ruhestand.
Und Erika Simon? Sie ist inzwischen mehr als 70 Jahre alt. Wahrscheinlich legt sie das Geld auf die hohe Kante, meint ihr Anwalt. Vielleicht würde die Familie sich auch ein Auto zulegen, aber keinen Luxusschlitten, sondern eher einen Kleinwagen. Oder sie würden sich einen Urlaub leisten. Nach Südtirol würde Erika Simon jedoch keinen Fuß mehr setzen. Der Rechtsstreit habe sie sehr mitgenommen, sagt Rudolph.
Sein Eindruck: "Sie kann das Wort Ötzi nicht mehr hören."
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(sueddeutsche.de/bica)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
Die bisherigen Kommentare triefen vor Neid ; Schwaben halt.
Vielleicht wäre es besser gewesen , daß Ehepaar Simon hätte die Ötzi-Leiche den Hang hinunter nach Österreich getragen, wer weiß.
Die jetzt hoffentlich abgeschlossene Tortur wäre ihnen dort mit Sicherheit erspart geblieben.
Aber sie haben leider , wie viele blauäugige Touristen in Südtirol , die angebliche Gastfreundschaft mit echter Zuneigung verwechselt. In Südtirol - und scheinbar auch in Baden-Württemberg - sind sie nur solange gerne als Gast gesehen, wie sie ihr Geld dort ausgeben. Aber wehe, sie wollen von denen Geld für eine rechtmäßige Angelegenheit : siehe Finderlohn Ötzi ! Dann werden die lieben Südtiroler zu Geizhälsen erster Ordnung, und unterstellen alle möglichen Bosheiten des Anspruchstellers. Bloß boshaft ist in diesem Fall nur der Herr Durnwalder und seine tiefschwarzen Mannen gewesen; denn Südtirol "schwimmt " in Geld -nicht nur dank Ötzi - , sondern weil die Provinz Bozen aufgrund ihres Sondertstatus -auch in der EU - an jedweder Quelle bei ihren Bürgern und den Touristen Gebühren einrtreibt , daß uns hier die Haare zu Berge stehen würden .
Eine Million Euro wären als Finderlohn mehr als angemessen gewesen , bei einem Museums-Neubau von ca. 8 Mio. € , der seine Kosten in spätestens 10 Jahren eingespielt hatte. Jetzt wird nur noch Kasse gemacht.
Aber sie hatten gedacht, mit dem Tod des Herr Simon verlören die Erben den Mumm, gegen die Alpen-Mafia vorzugehen.Pustekuchen.
Schöne Klatsche für Herrn Durnwalder und seine Hofnarren.
Ist es jetzt üblich für nicht vermisste Leichen 175.000 Finderlohn zu erhalten?
Dort gehören Bodenfunde dem Land - basta!__________
Deswegen wird wegen des Schatzregals auch nichts abgegeben im gegensatz zu anderen Bundesländern ,basta!
Ob das ein so gutes Konzept ist wage ich zu bezweifeln.
Je wertvoller der Fund um so ehrgeiziger die Wissenschaft!
Wer bitte hat die Gletscherleiche verloren? Wer war ihr Besitzer oder Eigentümer?
Die Forderung des Ehepaars Simon nach "Finderlohn" war und ist eine bodenlose Frechheit und die Bezahlung die jetzt erfolgt ein absolutes Unding. Das Ehepaar Simon, wird in nahezu jeder Veröffentlichung zum Ötzi erwähnt und auch im Museum in Bozen gewürdigt. Es genügt/genügte im aber offenbar nicht einen Zufallsfund gemacht zu haben, der in die Wissenschaftsgeschichte eingeht und er den wenigsten Menschen in ihrem Leben vergönnt ist - nein, es muss noch versuchen Geld rauszuschlagen. Gier nennt man solch ein Verhalten wohl.
Das Land Baden-Württemberg ist in solchen Problemen übrigens auch deutlich weiter als Bayern: Dort gehören Bodenfunde dem Land - basta!
Wieso wollte er schon damals aus Italien weg in den Norden??
Paging