Nachdem Regine Lehmeier einem CSUler Milch ins Gesicht geschüttet hat, kassiert sie eine Watschn. Ihre Attacke bereut sie nicht.
Die Landwirtin Regine Lehmeier, 40, aus dem oberpfälzischen Dietkirchen hat vom CSU-Bundestagsabgeordneten Alois Karl eine Watschn bekommen, nachdem sie ihn bei einer Kirchweih im benachbarten Lautkirchen mit Milch überschüttet hatte.
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Lehmeier: "Ich hab mal Milch mitgenommen und geschaut, was kommt." (© Foto: Getty)
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SZ: Warum haben Sie das gemacht?
Regine Lehmeier: Eigentlich wollte ich ihm die Milch ja vor die Füße schütten. Dabei habe ich billigend in Kauf genommen, dass ich ihn erwische. Sinn und Zweck war, klar zu machen, dass es mit der Milchpreisentwicklung so nicht weitergehen kann und die Politik schuld ist.
SZ: War es eine spontane Aktion?
Lehmeier: Ich hab mal Milch mitgenommen und geschaut, was kommt.
SZ: Ihre Kanne fasst 20 Liter.
Lehmeier: Die war aber nicht voll, sonst könnte man die gar nicht schleppen. Es waren so sieben, acht Liter.
SZ: Warum hat es Karl getroffen?
Lehmeier: Die CSU ist Regierungspartei und somit auch für agrarpolitische Entscheidungen im Bund zuständig, deswegen habe ich mich an den Abgeordneten in unserer Region gewandt. Ich habe ihm im Juni einen Brief zugesandt, es gab keine Reaktion. Auf der Kirchweih hat er uns dann Verständnis vorgeheuchelt.
SZ: Müssen auch SPD, FDP und Grüne vor Ihnen zittern? Wer setzt sich denn am meisten für die Milchbauern ein?
Lehmeier: Die Grünen. Die FDP ist für Milchbauern indiskutabel. Und die von der SPD sind Gentechnikbefürworter und somit auch indiskutabel.
SZ: Bauern schütten Milch weg, andere überlegen, ob sie beim Viehscheid Särge ins Tal tragen. Wird der sonst eher konservative Bauer zum linksradikalen Punk?
Lehmeier: Weniger zum Punk, eher zivil ungehorsam. Ähnlich wie es in den achtziger Jahren bei den Protesten gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf war. Dort sind konservative Schichten, auch viele Landwirte, über ihren Schatten gesprungen. Aus Frust.
SZ: Nach Ihrer Attacke hat Herr Karl Sie geohrfeigt. Alles in Ordnung?
Lehmeier: Ich war beim Arzt, weil ich den Kopf nicht mehr nach links drehen kann. Ich schließe eine Anzeige nicht aus.
SZ: Erwarten Sie eine Entschuldigung von ihm und haben Sie sich entschuldigt?
Lehmeier: Dass ich mich entschuldige, steht nicht zur Debatte. Ich bin dennoch verwundert, dass er keinen Kontakt zu mir aufnimmt.
SZ: Können Sie den Reflex verstehen?
Lehmeier: Durchaus, aber für einen Reflex war es zu langsam, er hat erst drei bis vier Sekunden später reagiert. Außerdem war ich zu weit weg.
SZ: Jetzt sind Sie ein wenig berühmt.
Lehmeier: Das Ausmaß der Aufmerksamkeit überrascht mich.
SZ: Würden Sie so was wieder machen?
Lehmeier: Ich fürchte, ja.
- Oberpfalz CSU-Abgeordneter watscht Bäuerin 14.09.2009
(SZ vom 16.09.2009/bica)
Die neueste Antwort
2/3 des EU Haushaltes geht an die Bauern und sie machenÜ berproduktion, erwarten dann Garantien für ein Produkt das keiner Will.
die Frau gehört verurteilt, wir müssen Politiker nicht auf diese Weise abwatschen lassen
"Dass ich mich entschuldige, steht nicht zur Debatte. Ich bin dennoch verwundert, dass er keinen Kontakt zu mir aufnimmt." meint die Millibaeuerin aus der Oberpfalz. Ich hoffe da kann sie lange warten und sich wundern.
"Würden Sie so was wieder machen?"
"Lehmeier: Ich fürchte, ja."
Ok, aber aufpassen von welcher Seite beim naechsten Mal. Sonst kann die Arme bald den Kopf auch nicht mehr nach rechts drehen.
Ich bin immer noch schockiert darüber, daß es einen Reflex geben soll, eine Frau zu schlagen.
Ein normaler Reflex wäre doch gewesen, zur Seite zu springen, wenn Mann übergossen wird.
Aber ein Reflex, zuzuschlagen?
@|337:
"Also nen eigenen Vorschlag der Verbesserung hast du immer noch nicht gemacht, ich will ja nicht nerven aber so langsam wirds mal Zeit, dass du von der "Schlechtmachermentalität" wegkommst..."
Wieso muss ICH einen Verbesserungsvorschlag machen? Man muss keine Eier legen können, um faule zu erkennen. Die alte BWL-Leier "Markanpassung bla Rendite bla" ist evtl. auf einen "Standard-Unternehmer" (sofern es so etwas gibt) übertragbar, nich aber auf gewachsene landwirtschaftliche Familienstrukturen zu übertragen. Ein Bauer ist eben *kein* Unternehmer wie jeder andere auch. Er erzeugt Grundnahrungsmittel und verwaltet Boden. Wenn das für Sie das Gleiche wie das Verwalten von Papier ist, brachen wir nicht weiterzudiskutieren. Ich wehre mich dagegen, dass ALLES durch die BWL-Brille betrachtet wird. Die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln (Wasser gehört da z.B. auch dazu) muss sich eben NICHT "rentieren", so wie das für den hersteller von Teddybären gilt. Es gibt nämlich ein berechtigtes Interesse aller Bürger und des Staates als Insititution, dass unsere Lebensgrundlagen, unsere Landschaft, unser Boden auch abseits von betriebswirtschaftlichen Betrachtungen erhelten werden und das auch für diejenigen, die das tun, ein Überleben ermöglicht. Die Politik hat also dahingehend eine Verpflichtung, die Rahmenbedingungen zu schaffen.
Halten Sie es für eine Lösung, hier bei uns Familienbetriebe zu hunderten kaputtgehen zu lassen, um dann diese Lebensmittel aus irgendeiner Billigproduzierecke quer durch den Kontinent einführen zu lassen? Während für Banken und Automobilhersteller Rettungsschirme aufgespannt werden? Insbesondere, wo erstere NULL Werte schaffen? Soll ich weinen oder lachen?
DW
P.S. Ich habe keine Lösung. Wäre sonst wohl Politiker oder Berater. Und führe Porsche.
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