Jugendkriminalität Die Zahlen in Bayern steigen

Gegen den Trend: Während die Gesamtzahl an Straftaten zurückgeht, nimmt die Kinder- und Jugendkriminalität im Freistaat zu - vor allem im Bereich der gefährlichen und schweren Körperverletzung.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte am Montag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2007 in München, die Zahl der tatverdächtigen Kinder habe sich um 4,1 Prozent und die der Jugendlichen um 2,4 Prozent erhöht. Insgesamt sei die Zahl der Straftaten in Bayern jedoch erneut gesunken. Es seien etwa 666 800 Delikte registriert worden und damit 6875 oder ein Prozent weniger als 2006.

Jugendkriminalität

Steigende Kriminalität auch an Schulen: Besorgnis erregende Zahlen in Bayern.

(Foto: Foto: dpa)

Der Innenminister wies darauf hin, dass knapp ein Drittel der jugendlichen und heranwachsenden Tatverdächtigen bereits mehrfach straffällig gewesen sei. Die steigende Kriminalität zeige sich auch an den Schulen. Dort habe sich die Zahl der Straftaten um 550 auf mehr als 10 300 erhöht.

"Besonders problematisch ist der Anstieg der gefährlichen und schweren Körperverletzung", warnte Herrmann. In mehr als 400 Fällen seien die Schüler bei den Übergriffen in der Gruppe aufgetreten. Der CSU-Politiker kündigte an, künftig noch stärker auf Prävention in der Schule zu setzen. "Aus den jugendlichen Intensivtätern von heute dürfen nicht die Berufskriminellen von morgen werden", warnte er.

Es sei besorgniserregend, dass mehr als 40 Prozent aller Tatverdächtigen von Gewalttaten jünger als 21 Jahre waren. Auch Alkohol spiele eine große Rolle bei Gewaltdelikten, fügte Herrmann hinzu. Mehr als ein Drittel aller Tatverdächtigen sei angetrunken gewesen. Mehr als 28 Prozent der Tatverdächtigen seien Ausländer. 2007 sank die Zahl der Gewalttaten den Angaben zufolge zwar um ein Prozent. Jedoch sieht Herrmann die Entwicklung über einen längeren Zeitraum "mit Sorge". Vor zehn Jahren habe die Polizei noch um 22,3 Prozent weniger Gewaltdelikte verzeichnet als 2007.

Insgesamt zeigte sich der Minister zufrieden mit dem Rückgang der Kriminalität in Bayern. Pro 100.000 Einwohner habe die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr bei 5338 gelegen, was einen Rückgang gegenüber 2006 um 1,2 Prozent bedeute. Der Innenminister betonte, dies sei der niedrigste Wert seit 16 Jahren. Die Aufklärungsquote lag den Angaben zufolge bei 64,3 Prozent. "Damit liegen wir im bundesweiten Vergleich auf einem absoluten Spitzenplatz", sagte Herrmann. Im Bundesdurchschnitt würden nur die Hälfte aller Delikte aufgeklärt.

Einen Rückgang gab es 2007 im Freistaat unter anderem bei der Zahl der Laden- und Autodiebstähle sowie der Vermögens- und Fälschungsdelikte. Dagegen nahm die Straßenkriminalität um 3,2 Prozent zu, darunter vor allem die Sachbeschädigungen.

Zum Wegfall der Grenzkontrollen am Jahresende 2007 sagte Herrmann, die Sorgen um die Sicherheit im Freistaat hätten sich bisher nicht bestätigt. Bei der Schleierfahndung in Ostbayern seien in den vergangenen Wochen bereits Erfolge erzielt worden.