Großspenden für die CSU Zahltag vor dem Wahltag

Geldsegen bei der CSU: Wenige Tage vor der Landtagswahl erhielt die Partei Großspenden von zwei unbekannten Firmen - zumindest auf den ersten Blick. Die Spur führt zu einem Milliardär.

Von Kassian Stroh

Der 22. September 2008 war ein Glückstag für die CSU. Sechs Tage vor der Landtagswahl landeten zwei Großspenden auf ihren Konten: eine über 430.000 Euro, eine zweite über 390.000 Euro. Das sind auch für die CSU, die traditionell reichlich bedacht wird, üppige Summen.

In diesem Fall kamen sie von zwei nahezu unbekannten Firmen: von der Clair Immobilien Deutschland GmbH und der Mercator Verwaltung GmbH. Beide residieren in München, die eine am Promenadeplatz, die andere gleich ums Eck in der Pacellistraße.

Ein Zufall? Wohl kaum. Denn hinter beiden steckt nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung eine bekannte Milliardärsfamilie: die von Fincks.

Die Clair Immobilien hat die gleiche Adresse wie die Custodia Holding AG, die zu gut 92 Prozent der Finck'schen Hauptverwaltung gehört. Ihr Geschäftsführer ist auch Custodia-Vorstand. Telefonisch erreicht man die Clair Immobilien ebenfalls über Custodia - einen Rückruf erhält man aber nicht.

Teil des verworrenen Finck-Imperiums, dessen Wert das Schweizer Magazin Bilanz auf 3,5 bis vier Milliarden Euro schätzt, ist auch die Mercator Verwaltung GmbH. Sie sitzt im Gebäude der Finck'schen Hauptverwaltung, hat dieselbe Telefonnummer und gehört zu 100 Prozent August Heinrich von Finck. Das meldet der Wirtschaftsauskunftsdienst Creditreform.

Bei der Firma selbst sagt dazu ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will ("das tut nix zur Sache") nur: "Wir sind ein sehr verschwiegenes Unternehmen", man erteile keine Auskünfte, schon gar nicht über den Besitzer, und wolle nicht, dass über die Sache mit den Spenden an die CSU berichtet werde.

Warum die zwei Firmen am selben Tag der CSU riesige Summen zukommen lassen - dazu sagt der Anonymus lediglich: "Ja nun, die werden's schon brauchen", und lacht.

Laut Creditreform machte die Mercator GmbH in den Jahren 2005 bis 2007 jeweils einen Umsatz von genau 1,1 Millionen Euro. Da macht eine Spende von 390.000 Euro einen erklecklichen Anteil aus. Auch in den vergangenen Jahren hat Mercator schon desöfteren an die CSU gespendet.

Übertroffen wurden die beiden Spenden im vergangenen Jahr nur von der 540.000-Euro-Gabe des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Der überweist traditionell viel an die Christsozialen, die sich somit über die drei größten Parteispenden der Republik freuen konnten.

Der aus München stammende Milliardär August von Finck junior, Sohn des gleichnamigen Bankiers, agiert inzwischen von der Schweiz aus. Einst galt er als Freund von Franz Josef Strauß. In den 90er Jahren unterstützte der heute 78-Jährige auch den ehemaligen FDP-Politiker Manfred Brunner und seinen rechtsgerichteten Bund Freier Bürger mit 8,5 Millionen Euro. Weil er die nicht ordnungsgemäß veröffentlichte, wurde Brunner verurteilt.

Die CSU veröffentlicht - und genießt. Ihr Landtagswahlkampf war zwar letztlich ziemlich erfolglos, verschlang aber einen zweistelligen Millionenbetrag.