Egal, was Gesundheitsminister Markus Söder macht: die Ärzteschaft liebt ihn. Sein Geheimnis ist der gekonnte Zickzackkurs.
Gesundheitsminister Markus Söder hat in wenigen Monaten erreicht, was viele Gesundheitspolitiker der CSU vor ihm in jahrelanger Arbeit nicht fertiggebracht haben. Wurden die frühere Sozialministerin Christa Stewens oder der CSU-Gesundheitsexperte Thomas Zimmermann noch von aufgebrachten Ärzten in Nürnberg ausgepfiffen, so werden nun die rebellischen Mediziner zahm, sobald Söder das Wort ergreift.
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Spricht die Sprache der Ärzte: Markus Söder (© Foto: dpa)
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Das weckt Erinnerungen an den Hollywood-Streifen "Der Pferdeflüsterer". Der handelt von einem Mann, der traumatisierten Tieren das Vertrauen zum Menschen zurückgibt, weil er mit den Tieren in einer ihnen verständlichen Sprache kommuniziert.
Kaum zu glauben, aber das funktioniert auch mit Ärzten. Söder sagt: "Therapie statt Bürokratie." Die Ärzte sind begeistert. Söder sagt: "Freiberuflichkeit statt Staatsmedizin." Die Ärzte applaudieren. "Der Anstoß von Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder zur Reform der Gesundheitsreform ist der richtige Schritt", lobt ihn etwa der durchaus kritische Bundesvorsitzende des Deutschen Facharztverbandes, Thomas Scharmann.
Bayerns Fachärzte, die durch die Honorarreform gravierende Einnahmeverluste befürchten, scheinen in Söder endlich einen Politiker gefunden zu haben, von dem sie das Gefühl haben, dass er sie versteht und sie ihm Vertrauen schenken können. Aus seinem Haus stammt das programmatische Papier "Für eine solidarische und menschliche Medizin", das seit der CSU-Klausur in Kloster Banz die gesundheitspolitische Marschrichtung der Partei vorgibt.
So viel Erfolg in so kurzer Zeit weckt Misstrauen. "Die Klausurtagung in Kloster Banz hat gezeigt, dass die CSU ihren Zickzackkurs im Gesundheitssystem beibehält", mäkelt selbst die FDP, die immerhin gemeinsam mit der CSU die Staatsregierung stellt.
Nicht nur Koalitionspartner fragen sich allerdings zu Recht, worauf Söders Erfolg bei den Ärzten überhaupt beruht. Mit einer Antwort tun sie sich schwer. Beispiel Gesundheitsfonds: Zunächst hat Söder ihn mitgetragen, dann war er strikt dagegen, dann doch nicht mehr so sehr dagegen, falls die Bundesregierung im Gegenzug Reparaturen an der Honorarreform vornehme. Und mittlerweile will Söder zurück zum alten Kassensystem - also wieder weg vom Fonds.
Ratlosigkeit lässt auch Söders Garantie zurück, die Facharzthonorare in Bayern würden allenfalls um fünf Prozent sinken. Das klingt aus seinem Munde sehr beruhigend, nur gibt es dafür überhaupt keine Rechtsgrundlage.
Kaum mehr erinnern mag man sich an Söders Versprechen, er werde eine Bundesratsinitiative gegen die Honorarreform in die Wege leiten. Er hat es nicht getan, um die CDU nicht noch mehr vor den Kopf zu stoßen. Es grenzt also fast an ein Wunder, dass der bayerische Gesundheitsminister bei den Fachärzten noch immer als Hoffnungsträger gilt.
Offensichtlich ist es völlig egal, was der Ärzteversteher so alles von sich gibt. Wichtig ist wohl nur, wie er es sagt.
(SZ vom 14.04.2009)
Surfrider Beach in Malibu
Die neueste Antwort
DIE ARMEN ÄRZTE HABEN ENDLICH IHREN WAHREN FÜRSPRECHER GEFUNDEN.: ES IST DER SÖDER, MAN SOLL ES NICHT GLAUBEN, ABER ES IST WAHR....
ENDLICH WERDEN DIE PROBLEME - NATÜRLICH NUR FÜR DIE ÄRZTE - GELÖST, UND ES KEHRT WIEDER RUHE EIN.
man sollte es glauben, aber nachdem sich hunderte von fachleuten sich das hirn zermartert haben und letztlich nur murks präsentierten - zum nachteil der armen ärzte - kommt jetzt die rettung aus bayern. es war mir schon immer klar, dass die wirklich wichtigen enstscheidungen nur mit hilfe der bayrischen staatsregierung zustande kommen können - armes deutschland wie konntest du das vergessen....
ach ja , gibt es auch noch patienten ???
Ich bin ganz unglücklich über diesen - innovative Frechheit suggerierenden - Artikeltitel.
Deshalb meine Vorschlagsliste:
- Beckenrandschwimmender Weißkittelflüsterer,
- Bewegungsraffinierter Pharma-Interessenschubser,
- Turnbeutelvergessender Gesundheitsschleimer.
Ich weiß nicht, wofür er in der Gesundheit steht, will es also nicht bewerten, ob er den Zuspruch der Mediziner wirklich verdient, aber...
Söder ist halt aalglatt, was sagt es wirklich über Mediziner, ihn und seine Politik aus, wenn ihn die Weisskittel mögen?
...Ärzte... Die sind seriösen Umgang gewohnt und rechen einfach nicht mit einer Nullnummer wie Söder. Ihr Fehler: Sie scheinen ernst zu nehmen, was der von sich gibt... Dafür müsste man ihnen allerdings wiederum den Titel entziehen...
...schauen Sie doch einmal bei dem Münchner Dichter Otto Kuen nach - der hat in weiser Voraussicht bereits 1979 ganz speziell etwas über Sie und die anderen Wichtigtuer verfaßt:
Ein Loch besah sich um und um,
hielt sich für ein Mysterium.
"Nichts", sprach es , "ist an mir zu fassen,
ich kann mich schlicht nur ahnen lassen.
Ich bin nur Geist, und nichts als das,
und der Materie pfeif ich was."
So sprach es, weil es sich verhehlte,
dass es nur war, weil etwas fehlte.
Paging