Fall Mannichl Staatsanwalt spricht von "Merkwürdigkeiten"

Viele offene Fragen im Fall Mannichl: Vor allem die Tatwaffe und fehlende DNS-Spuren geben dem leitenden Ermittler große Rätsel auf.

Von Max Hägler

Nach dem Bekanntwerden von erheblichen Ungereimtheiten im Fall des niedergestochenen Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl wehrt sich die Staatsanwaltschaft gegen den Vorwurf, zu langsam und in die falsche Richtung zu ermitteln. Der zuständige Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch sagte der Süddeutschen Zeitung, der Fall Mannichl sei anfangs von einer Dynamik gewesen, die ein anderes Vorgehen unmöglich gemacht habe.

Alois Mannichl: Im Fall des Passauer Polizeichefs gibt es viele ungelöste Fragen.

(Foto: Foto: dpa)

Allerdings räumte Walch ein, dass es in diesem Fall einige "Merkwürdigkeiten" gebe, was die Tatwaffe und das Fehlen von DNS-Spuren betrifft. Er gehe aber weiter davon aus, dass es sich um einen rechtsextremen Täter handeln könnte. Walch sagte, es gebe zwar weiter keine heiße Spur, aber noch Hunderte unbearbeiteter Mosaikteilchen. "Die Ermittlungen sind noch lange nicht am Ende."

"Opfer nicht stigmatisieren"

In den vergangenen Tagen hatten Ermittler auf die vielen ungeklärten Punkte in dem Fall hingewiesen. Der Polizeichef war eigenen Angaben zufolge am frühen Abend des 13. Dezember 2008 vor seiner Haustür niedergestochen worden. Der Tat sollen rechtsradikale Beschimpfungen vorausgegangen sein.

Viele Ermittler wundern sich, dass die Tatwaffe ein Küchenmesser aus Mannichls eigenem Haushalt ist - und dass sich darauf bisher keine verwertbaren Spuren fanden. Auch Walch sieht die Herkunft des Messers als "Merkwürdigkeit", ebenso, dass für die Tat ein solches Haushaltsmesser verwendet wurde.

Auf dem Messer befänden sich DNS-Teilmuster, die sich überlagerten. Eine genaue Zuordnung sei deshalb bisher noch nicht möglich gewesen. "Ich weiß aus anderen Mordfällen, dass manchmal erst die zweite, dritte oder vierte Nachschau einen Erfolg bringt", sagte Walch der SZ.

Auch die Kleidung des Opfers werde genau untersucht. Noch gibt es auch dort keine verwertbaren Spuren, etwa Textilfasern oder Hautschuppen - obwohl die Ermittler davon ausgehen, dass es vor dem Stich zu einer Berührung zwischen Täter und Opfer gekommen ist. "Mannichl wird sich ja nicht einfach so dem Täter hingegeben haben", heißt es aus Ermittlerkreisen.

Zu Gerüchten, das Messer sei anders als anfangs berichtet nicht im Vorgarten gelegen, sondern schon Stunden oder Tage zuvor abhanden gekommen, wollte sich Walch nicht äußern. Der Leitende Oberstaatsanwalt widersprach der Darstellung, es habe sich bei der Verletzung Mannichls um eine Lappalie gehandelt.

Der Stich links unterhalb des Rippenbogens sei tatsächlich nur eineinhalb Zentimeter vom Herz entfernt gewesen. Dies spreche auch gegen Gerüchte, Mannichl habe sich die Verletzung selbst beigebracht.

Walch erklärte, es deute nichts auf eine Beziehungstat in der Familie hin. Entsprechende Vermutungen werden durch gefälschte Briefe mit dem Briefkopf der Kripo Passau in Redaktionen in der ganzen Republik verbreitet. Diese Briefe seien ebenso hanebüchen wie Gerüchte vom Donnerstag, wonach Mannichls Ehefrau festgenommen worden sei. "Leider halten uns solche Spuren ab und an auf, da wir ihnen nachgehen müssen", sagte Walch.

Der Staatsanwalt warnte vor einer "gefährlichen Stigmatisierung" Mannichls. Mannichl selbst sagte in der Münchner Abendzeitung, er gehe derzeit durch ein tiefes Tal. Er sei heilfroh, dass er überlebt habe. In den Sekunden der Tat habe er nicht mehr mitbekommen als er geschildert habe. Er selbst habe das Küchenmesser ein paar Tage vor der Tat auf das Fenster gelegt. Den Angreifer habe er nie zuvor gesehen. Mit der SZ hatte Mannichl weder am Mittwoch noch am Donnerstag sprechen wollen.

Walch sagte, zu Beginn der Fahndung habe aufgrund der Aussagen Mannichls alles auf einen rechtsextremen Täter hingedeutet. Nur weil die bisherigen Ermittlungen in dieser Richtung nichts ergeben hätten, bedeute dies nicht, dass der Täter aus der eigenen Familie stamme. "Wir haben noch Hunderte und Tausende Ansatzpunkte", sagte Walch, "und zwar auch im rechtsextremen Bereich."

Allerdings könne er nicht ausschließen, dass der Täter aus einem ganz anderen Milieu stamme. "Das Fatalste wäre allerdings, wenn wir die Tat überhaupt nicht klären könnten", ergänzte er.

Allerdings sind die vor kurzem veröffentlichten Fahndungsfotos nicht zu gebrauchen. Insbesondere die Suche nach angeblichen Tätowierungen des Tatverdächtigen - eine grüne Schlange und ein pfeildurchstoßenes Kreuz - seien wohl nicht zielführend gewesen, sagte Walch. Sie beruhten zwar auf den Angaben einer mehrfach überprüften Zeugin, "allerdings kann man an der Beobachtungsgabe zweifeln, weil niemand sonst diese Leute gesehen hat". Zugleich klagte Walch über das Schweigen der Anwohner.

Fachleute ohne persönliche Verbindung sind gefragt

Viele wären nicht anzutreffen gewesen oder hätten erst bei einer "scharfen zweiten Befragung" angegeben, nichts bemerkt zu haben. "Dabei sind auch diese Infos für uns Erkenntnisse, weil sie zeigen, dass etwas zu einer gewissen Zeit nicht passiert ist."

Inzwischen leitet das Landeskriminalamt die Ermittlungen, Mordermittler des Münchner Polizeipräsidiums vernehmen die Angehörigen von Alois Mannichl. "Wenn man unangenehme Fragen stellt, braucht es Fachleute, die keinerlei berufliche und persönliche Verbindung zu den Betroffenen haben", sagte Walch.