Die CSU kriegt den Anschluss nicht mehr - nicht an den Flughafen, nicht an ihr einstiges pralles Selbstbewusstsein, und vor allem nicht an das Land, das sich schneller wandelt als die Partei.
Es passieren seltsame Dinge in Bayern: Menschen, die es sich früher nicht hätten vorstellen können, nicht CSU zu wählen, tun es auf einmal. Es beginnt damit, dass sie einfach nicht mehr zur Wahl gehen. Gestandene CSU-Landräte sind auf einmal keine mehr. Honorable CSU-Bürgermeister werden abgewählt. Und milliardenschwere CSU-Prestigeobjekte finden ein klägliches Ende.
Ehrensalut zum Abschied von Edmund Stoiber: Schon mit Stoiber fing die Entfremdung der CSU von den Bayern an (© Foto: ddp)
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So ergeht es nun dem schwebenden Stolz der CSU. Mit dem Transrapid hatte sie beweisen wollen, dass Franz Josef Straußens Satz immer noch gilt: "Konservativ sein, heißt an der Spitze des Fortschritts marschieren". Aber die CSU kriegt den Anschluss nicht mehr - nicht an den Flughafen, der den Namen Franz Josef Strauß' trägt; nicht an den Fortschritt, von dem sie nicht mehr weiß, wie er aussieht; nicht an das pralle Selbstbewusstsein, für das Strauß so exemplarisch stand, und das Stoiber durch rasende Akribie substituierte. Vor allem aber verliert die CSU den Anschluss an das Land, das ihr Land war, und sich schneller wandelt als diese Partei.
Ein verhungernder Löwe
Die CSU hat aus dem Agrarland ein High-Tech-Land geformt; nun schwappt die Moderne in die Provinz - und das Land beginnt, der CSU über den Kopf zu wachsen. Auch dieses Wachstum ist letztlich Werk und Erfolg der CSU. Über das Ergebnis aber ist sie konsterniert: Bayern beginnt, sich von der politischen Kraft, die es geformt hat, zu emanzipieren.
Für die CSU bedeutet die Emanzipation eine Entfremdung, der sie nicht gewachsen ist. Erwin Huber, der neue Mann an der Spitze, ist eigentlich mit allen Wassern gewaschen, macht aber den Eindruck, als habe er das vergessen. Huber steht da wie ein Hauser, wie ein Kaspar Hauser, der nicht mehr weiß, woher er kommt, was er ist und was er will. Und der Franke Beckstein, der viel authentischer wirkt als der Niederbayer Huber? Wer nach der kampflosen Aufgabe des Projekts Transrapid den Ministerpräsidenten vor den Kameras in Berlin gesehen hat, der weiß, wie ein bayerischer Löwe vor dem Verhungern aussieht.
Die CSU hat ihr Genie verloren, auch Unsinn mit unbändiger Lust durchzusetzen, indem sie diesen Unsinn glaubhaft zu Sinn und zu Segen erklärte. Sie hat ihre alte Fähigkeit verloren, selbst Niederlagen in Siege umzudeuten oder zumindest neue Kraft daraus zu schöpfen.
Stattdessen lässt sie sich, wie beim Desaster der Bayerischen Landesbank, noch tiefer hineinziehen. Die CSU hat ihre Gabe verloren, sich zur richtigen Zeit selbst an die Spitze ihrer Kritiker zu setzen und sich damit selbst zu regenerieren. So hat sie es früher gern bei Volksbegehren gemacht: Sobald es danach aussah, dass sie Erfolg haben könnten, machte die Partei sich diese zu eigen. Vorbei.
Die CSU verfügte lange Zeit über jene Inkulturationskraft, wie sie Bayern in seiner gesamten Geschichte und dem Christentum dereinst zu eigen war: Die Partei hatte einen großen Magen, sie verdaute die Heiden, die Preußen, die Sudetendeutschen und machte sich deren Gebräuche zunutze. Die CSU hat alles integriert was da war und was daherkam. So begab es sich, dass auf einmal die CSU Bayern war und Bayern die CSU.
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Die neueste Antwort
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Daher wiederhole ich so öffentlich wie hier eben möglich: Ich werde es als Gottesbeweis anerkennen, wenn ER im Herbst meine geliebte Heimat nicht mehr von den bisherigen regieren lässt.
Und zum Dank ginge ich zu Fuss nach Altötting, um der Jungfrau eine Kerze aufzustellen.
Ohne Schuhe.
Den ganzen Weg.
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Wenn das wirklich klappt im Herbst, dann gehe ich mit!
Obwohl ich evangelisch bin!!
Und dazu noch kein geborener Bayer, sondern "nur" assimilierter Schwabe :-)
Da hat die CSU ein sehr fortschrittliches Land mit excellenten Wirtschaftsdaten geschaffen und jetzt begibt sie sich in die Gefahr, nicht mehr weiter regieren zu können, weil sie den Kontakt zu den Bayern verloren hat.
Lange Jahre hat sich die CSU dadurch ausgezeichnet, dass sie ihr Ohr ganz nahe am Mund des Volkes hatte, ohne dass sie das in Partei Slogans ausdrücken musste. Aber der Partei Slogan "näher am Menschen" klingt eher wie eine Selbstkarikatur.
Viel eher hat man das Gefühl, es gibt nur noch Egomanen in der CSU, die sich noch schnell, vor dem Ende der Ära "CSU in Bayern" ein Denkmal setzen wollen.
Da gibt es einen übereifrigen Beamten, der sich mit dem härtesten Anti-Raucher-Gesetz der Republik verewigen wollte.
Da gibt es einen Parteivorsitzenden, der dem Volk den Transrapid mit den falschen Argumenten schmackhaft machen wollte und davon geträumt hat, dass der Münchner OB Ude als einer der ersten zur feierlichen Eröffnung kommen werde.
Da gibt es einen Schulminister, der sich offensichtlich, bis zu großen Krach, lieber damit beschäftigt hat, Vorsitzender der Oberbayern CSU zu werden, als sich um die Beschwerden von Eltern, Schülern und Lehrern zu kümmern, dass das G8 noch nicht fertig entwickelt ist und dringender Verbesserungen Bedarf.
Und dann gibt es noch einen Parteivorsitzenden, der nie kapiert hat, was in der Landesbank eigentlich passiert ist, der aber auch nicht die Fähigkeit Stoibers hat, sich durch gewaltige Akribie in das Thema so einzuarbeiten, dass er nicht ausschließlich auf die Aussagen des Vorstands, den er eigentlich kontrollieren soll, verlassen muss.
So nehmen sich diese Herren durch ihre Stolperei auf dem Machtpfad leider die Möglichkeit, die für Bayern so erfolgreiche Politik weiter fort zu setzen.
Eigentlich schade.........
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Der soziale Wandel in Bayern - man wird sehen, was er von Bayern übrig lässt.
Ein bayrischer Ministerpräsident muss aus Oberbayern kommen. Wenn einer aus Franken oder Schwaben kommt, dann bringt das nichts.
Dass die CSU die absolute Mehrheit der Sitze nicht erreicht, ist bei genauerer Betrachtung sehr unwahrscheinlich. Aber das allein, der Erhalt der Mehrheit, wird nicht reichen, die Basis zu beruhigen.
Vor zehn Jahren gab es einem marktliberalen Trend. Heute gibt es einen gegenläufigen Trend. Darauf muss man eine Antwort finden, die über Wahlversprechen hinausgeht.
Als in Bayern geborener und politisch sozialisierter Patriot habe ich mich im ausserbayerischen Ausland zuerst als junger Mann für den grossen Atomdemagogen geschämt, der den Erdinger Flughafen noch heute mit seinem Namen verglimpft.
Danach bezog sich diese Scham dann unter anderem auf die Erfindung der durchrassten Gesellschaft durch den vormaligen Büroboten dieses grössten Vorsitzenden aller Zeiten, und nicht zuletzt auf einen Ministerpräsidenten rapide schwindender Bodenhaftung (aber dafür mit Kompetenzkompetenz), in dessen Flughafen man künftig am Hauptbahnhof einsteigen sollte...
Ganz zu schweigen von den bisher zwei letzten Mohikanern, von denen der katholische zwar nicht wissentlich wahr über das Geld seiner Landesbank sprechen kann, dafür aber sicher ist, Bayern müsse ein schwer motorisiertes Neandertal bleiben, wo die kleinsten Neandertaler in den dicksten Kaleschen herumkariolen dürften.
Zum schämen auch dies.
Technik aus dem letzten Jahrhundert für Typen mit Ideen aus dem letzten Jahrtausend, wies das CSU-Verständnis von Fortschritt halt so hergibt.
Daher wiederhole ich so öffentlich wie hier eben möglich: Ich werde es als Gottesbeweis anerkennen, wenn ER im Herbst meine geliebte Heimat nicht mehr von den bisherigen regieren lässt.
Und zum Dank ginge ich zu Fuss nach Altötting, um der Jungfrau eine Kerze aufzustellen.
Ohne Schuhe.
Den ganzen Weg.