Das Schicksal des Erwin Huber: Statt eines Rücktritts in Würde entschied er sich für eine Inszenierung wie im schlechten Bauerntheater - und machte sich so zum Gespött. Wie Beckstein Bayern regieren will, bleibt ein Rätsel.
Dieses Schauspiel hätte Erwin Huber sich, der CSU und den Bürgern sparen können.
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Rücktritt ohne Würde: Erwin Huber ist nicht länger Chef der CSU. (© Foto: AP)
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Erst wird die christsoziale Partei mit Schimpf aus der komfortablen absoluten Mehrheitsposition herausgewählt, dann redet der Parteichef viel von Verantwortung, einem "Bündel" von Gründen für das Desaster und will im Amt bleiben - bis er doch, zwei Tage später, gehen muss.
Ein Partei-Veteran wie Huber hätte wissen müssen, dass in der CSU am liebsten rund um Mitternacht gemeuchelt wird. Er hat sich nicht lange nach dem Landtagswahl-Crash halten können, allen Beteuerungen von "Solidarität" zum Trotz.
Angesichts des blamablen Ergebnisses von gut 43 Prozent hätten Huber und die Seinen natürlich schon am Sonntag nicht nur die Verantwortung übernehmen müssen und ihren Rücktritt erklären.
Seine Generalsekretärin Christine Haderthauer hatte die richtige Einsicht, den Rückzug von sich aus anzubieten - doch ihr Parteichef lehnte ab. Er wollte noch ein wenig weiterwursteln, ganz nach dem Motto: Vielleicht geht ja noch was.
So eilte Huber von Interview zu Interview, von Kamera zu Kamera, von Pressekonferenz zu Pressekonferenz. In Ruhe die Fehler analysieren, bloß jetzt keinen Schnellschuss, es ist doch die ganze Partei, die abgestraft wurde - nach dieser Devise machte sich der CSU-Politiker zum Gespött. Manchmal schien es, als redete er mit schwerer Zunge.
Am Montag noch traten Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein als unglückliches Duo auf, das auch im Leid eins ist. Am Dienstag schon war Huber beim Rücktritt ganz allein. Ein Schnellschuss? Nein, ein Spätzünder.
Für einen wie Theo Waigel war es selbstverständlich, nach einem für die CSU schlimmen Wahlausgang die Konsequenzen zu ziehen. Das machte Qualität aus. Genau daran fehlt es zusehends führenden Mitgliedern der politischen Klasse. Sie unterliegen einer bizarren Autosuggestion. Und so können, wie im Fall der SPD, aus makabren Niederlagen plötzlich Siege werden, auch wenn damit nur der Verlust der CSU-Macht gemeint ist.
Die Wahlbürger fühlen sich wie im schlechten Bauerntheater. Solche Stücke sind weder unterhaltsam, noch gemeinschaftsstiftend. Sie verstärken die Distanz zwischen Volk und Politik. Wie Günther Beckstein nach diesen Vorkommnissen mit starker Hand das Bayernland regieren will, bleibt ein Rätsel.
Auf geht's - bis zur nächsten Pressekonferenz.
(sueddeutsche.de/woja/odg)
Wirbel um Obama-Biographie
Die neueste Antwort
Danke für die freundliche Aufmerksamkeit. Leider reicht die Zeit hier nicht mehr aus um Ihnen mit dem gleichen Fleiß zu Antworten welchen Sie erbracht haben.
Mir ging und geht es hier um den Menschen Erwin Huber und nicht mehr um den Politiker, das haben wir alle ja beendet, also um mehr Menschlichkeit , mehr Miteinander Untereinander.
Wieviele mögen hier sein welche so eine Stunde in ähnlicher Art auch schon erlebt haben.
Nicht wenige haben den Kopf von E.H gefordert - wir haben Ihn - und Schluss.
Versetzen Sie sich doch in seine Lage und denken darüber nach wie Sie sich wohl gefühlt hätten ... wer ohne schuld... - alles klar .-(
Würden Sie tauschen wollen ?
Nun da alles abgearbeitet kann man sich um den Scherbenhaufen bemühen - und nichts anderes ist mehr Wichtig.
Ich Hoffe mich wenigsten jetzt so ausgedrückt zu haben das es allgemeinverständlich war, ist und für diesen Fall ausreicht.
"Schorsch Schüttel for President!"
Dieser Herr Schmid hat mit seinen Fernsehauftritten wesentlich zur Niederlage der CSU beigetragen. Als der in der Runde mit den Fraktionsvorsitzenden aufgetreten ist, ich war entzsetzt. Ich habe mir gedacht, die CSU muss wirkilich arge Personalnöte haben, wenn sie so einen Blindgänger zum Fraktionsvorsitzenden im Landtag machen müssen. In der neuen Legislaturperiode sollten sie sich möglichst schnell einen anderen aussuchen. Sonst geht es weiter wie bisher.
es wird ja nun viel über das csu Wahlergebnis geschrieben und gesagt. Der Kommentar von Herrn Jakobs ist jedoch absoluter Blödsinn und dokumentiert nur seine emotionale Abneigung gegenüber der csu. Überflüssig
@carlcomma:
Nein, jetzt nicht die Politiker bedauern, die z. B.
- ohne auf die Gefühlslage und guten Argumente von Lehrern, Eltern, Kindern zu achten, im schlechten Hauruck-Stil das G8 eingeführt haben.
- ohne auf die Befürchtungen und Ängste der Freisinger (+Umland) einzugehen, frühere Versprechen brechen und mit aller Gewalt den Flughafen erweitern wollen zu Gunsten von FMG und vor allem der Lufthansa, aber zu Lasten all derer, die unter Lärm und Abgasen zu leiden hätten
- ohne Respekt vor Steuerzahlern zugelassen haben, dass die LZB Milliarden in schlechten US-Immo-Krediten verzockt, anstatt das gleiche Geld in die Förderung der heimischen Wirtschaft und Infrastruktur zu stecken (incl. Bildung)
Auch das ließe sich wieder nahezu beliebig fortsetzen.
Ich möchte nicht daran denken, wie sich die vermeintlichen Schlitzohren der CSU das Wahlkampfthema Pendlerpauschale ausgedacht haben: Das gibt ein Thema, da lieben uns alle. Dass wir das sowieso nicht durchsetzen können (und wollen) brauchen wir denen ja nicht zu erzählen. Dumm nur dass man es dennoch kurz vor der Wahl offen gezeigt hat.
Wie haben sich die Politiker einen abgelacht, als sie 19x zustimmten, als die Steuern in Berlin erhöht wurden: Jetzt sanieren wir die Staatsfinanzen und dann fordern wir "mehr Netto für alle".
Die abgestürzten CSUler haben sich die Häme jetzt selbst hart verdient.
Wie hat Herr Huber nach der Kommunalwahl gemeint: "Wir haben jetzt verstanden!" Worte und Argumente wollte man vorher nicht verstehen. Wählerstimmen sind offenbar die einzige Sprache, die man versteht. Er hat nun noch einmal verstanden! Öfter mal auf Argumente hören, auch wenn sie einen nicht so in den Kram passen und schon sind auch die Wahlergebnisse nicht mehr so schlimm.
Schorsch Schüttel for President!
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