Brauchtum Mythos Schafkopf

Bayern und das Schafkopfen sind eins - von wegen. Der Mythos beginnt zu bröckeln. Eine Forscherin fand heraus, dass das urbayerische Kartenspiel nicht aus Bayern stammt.

Von Hans Kratzer

Der Geschichtsschreiber Aventinus hat vor 450 Jahren seine bayerischen Landsleute recht trefflich charakterisiert und dabei festgehalten, dass sie gerne schreien, singen, tanzen und karteln. So mancher wird jetzt bekritteln, dass Aventinus statt "karteln" genauso gut "schafkopfen" hätte schreiben können, denn nach allgemeiner Überzeugung erfanden die Bayern dieses Spiel gewiss schon bei ihrer Stammeswerdung, ja vielleicht sogar während der Auffaltung der Alpen.

Der Mythos, dass Bayern und Schafkopfen eins sind, bröckelt.

(Foto: Foto: Claus Schunk)

Dass Bayern und das Schafkopfen eins seien, ist ein Mythos geworden, der jetzt aber zu bröckeln beginnt. Es gibt nämlich keinen historischen Beleg für diese Behauptung. Nach dem derzeitigen Forschungsstand kam das Schafkopfspiel erst im 19. Jahrhunderts nach Bayern. Seine Ursprünge liegen eher im Osten Europas, keineswegs im bayerischen Oberland.

Um diese ernüchternde Erkenntnis kommt am Sonntag (15:30 Uhr) auch die Sendung "Weiß Blau - Unsere Namen" im Bayerischen Fernsehen nicht herum, deren dritte Staffel mit einer Sendung über das Schafkopfen gestartet wird. Das erfolgreiche Format, das zum ersten Mal im Oktober 2007 ausgestrahlt wurde, wird damit um weitere zehn Folgen ergänzt (immer sonntags, 15:30-16 Uhr).

Zum Auftakt der Serie wird die Spielkartenforscherin Anette Köger darlegen, warum die Tradition des Schafkopfens in Bayern noch gar nicht so alt ist. Erst am Beginn des 19. Jahrhunderts ist dieses Kartenspiel laut Köger als eine Art Variante des Wendischen Schafkopf entweder aus dem Erzgebirge oder dem Thüringer Wald nach Bayern gekommen. Eine erste schriftliche Quelle dazu stamme aus dem Jahr 1895 aus Amberg.

Darüber hinaus werden sich in der Sendung der frühere Nockherberg-Redenschreiber und "alte Schafkopfer" Hannes Burger, Moderatorin Annett Segerer und eine Schafkopfrunde von vier Franken zwanglos über Namen und Fachbegriffe beim Schafkopfen unterhalten.

Die Rede kommt dabei auf die vielen Bezeichnungen für die Schellen-Sau, etwa "Kugelbauer Theres" oder die "Hundsgfickte". Auch "Breduddelmannsgwatschn" ist ein in Franken üblicher Begriff für die Schellen-Sau. Allerdings ist er sehr kompliziert konstruiert. Das "Breduddelmann" entzieht sich jeglicher Definition, das Anhängsel "-gwatschn" dagegen nimmt wohl Bezug zur Sau, die auf dem Bauernhof durch den Odel gewatet ist. Sagt jedenfalls einer der Schafkopfer in dem Wirtshaus bei Forchheim, in dem die Sendung aufgenommen wurde.

Die übrigen Wortfetzen, die die Kartler hin- und herwerfen sind knapp, aber eindeutig. Insofern ist das Schafkopfen doch noch ein sehr bayerisches Spiel geworden. Geredet wird wenig, gegrantelt viel: "Weida", knurrt der eine. "I spui", kontert der andere. "Den pack i dant", triumphiert der Dritte.