Betrüger entdecken Zensus Falsche Volkszähler unterwegs

Sie rufen an, fragen nach Kontonummer und PIN und versprechen Geld für Antworten: Das Statistische Landesamt warnt vor Betrügern, die sich als Volkszähler ausgeben.

Von Peter Fahrenholz und Annette Ramelsberger

Die Volkszählung lockt offenbar auch Betrüger an, die unter dem Deckmantel des Zensus versuchen, Kontodaten und Pin-Nummern von Bürgern abzufragen. Im Großraum München, aber auch in anderen bayerischen Städten, sind Fälle gemeldet worden, in denen falsche Volkszähler versucht haben, an solche Daten heranzukommen.

Im Landkreis Erding warnte das Landratsamt am vergangenen Freitag vor derartigen Versuchen. Auch in Ebersberg informierte die Erhebungsstelle noch einmal darüber, dass bei der Volkszählung keine Daten zu Bankverbindungen, Geheimnummern für Scheckkarten oder dem Einkommen erhoben werden. Darauf weist auch Roland Dolansky, der Leiter der Münchner Erhebungsstelle, hin. Wenn jemand nach dem Einkommen oder nach dem Kontostand frage, "dann ist das ein Betrüger", sagte Dolansky der Süddeutschen Zeitung. In München sind entsprechende Versuche nach Dolanskys Worten aber bisher noch nicht gemeldet worden, auch im Landkreis München oder im Landkreis Dachau gab es nach Auskunft der Behörden noch keine Hinweise.

Dennoch ist offenbar Wachsamkeit geboten, wie ein besonders dreister Fall aus Landsberg am Lech zeigt. Dort läutete bei einer Dame das Telefon, es meldete sich ein Mann, der sich als Volkszähler ausgab. Sie wisse ja, dass sie für die Teilnahme 40 Euro bekomme, eröffnete ihr der Mann am Telefon. Sie solle deshalb ihre Kontodaten angeben, dazu die Pin, dann könne er das Geld gleich überweisen und mit der Volkszählung beginnen. Doch die Bürgerin schöpfte rechtzeitig Verdacht. Andere Betrüger schreiben offiziell anmutende E-Mails oder stehen einfach unangemeldet vor der Tür.

Vor allem wenn jemand unangemeldet Zugang zur Wohnung verlangt, sollten die Betroffenen sofort die Polizei alarmieren. Denn bei der Volkszählung ist der Ablauf genau festgelegt. Dazu gehört, dass die Zähler ihren Besuch spätestens eine Woche vorher schriftlich anmelden. Überraschende Besuche gibt es also nicht und auch eine telefonische Terminvereinbarung findet beim Zensus nicht statt. Wenn der Zähler dann tatsächlich kommt, muss er sich zweifach ausweisen: mit seinem Personalausweis und einem weiteren Dokument, das ihn als Erhebungsbeauftragten ausweist. Und wer den Zähler trotzdem nicht in die Wohnung lassen will, muss das auch nicht tun: Man kann sich den Fragebogen auch aushändigen lassen, ihn selber ausfüllen und an die zuständige Erhebungsstelle zurückschicken. Das Porto müssen die Befragten in diesem Fall allerdings selber zahlen.

Eine Prämie für die Volkszählung gibt es natürlich auch nicht. "Ich muss die Bürger enttäuschen: Es gibt kein Geld für die Teilnahme an der Volkszählung", sagt Anke Schwarz, die Zensus-Referentin des Statistischen Landesamtes. Jeder Bürger sei verpflichtet, die Fragen unentgeltlich zu beantworten. Das Statistische Landesamt warnt ebenfalls vor Trittbrettfahrern beim Zensus, geht aber von Einzeltätern aus. "Wir haben Hinweise auf verschiedene Vorgehensweisen. Aber diese Betrügereien erscheinen uns nicht organisiert zu sein. Da steckt keine Bande dahinter", sagt Anke Schwarz.

Der Münchner Zensus-Beauftragte Dolansky rät allen Bürgern, die das Gefühl hätten, etwas sei nicht in Ordnung, telefonisch bei der Erhebungsstelle nachzufragen.