Keine Macht hält ewig, Bayern sehnt sich nach mehr Vielfalt und einem Generationenwechsel - erste Folgerungen aus der Landtagswahl.
Erstens: Keine Macht hält ewig
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So sehen Verlierer aus: Huber und Beckstein nach Verkündung der ersten Hochrechnungen (© Foto: ddp)
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Die Bayern hatten genug von einer Partei, die sich mit dem Freistaat verwechselt hat. Sie fanden es nicht gut, wie sich diese CSU nach der letzten Landtagswahl verhalten hat, wie Edmund Stoiber in Berlin scheiterte und dann Bayern als Modelland nahm für eine Generalreform, die nicht durchdacht war und steckenblieb. Von Transrapid bis Schulreform - alles Aktionismus. Das christsoziale Machtkartell: abgewählt.
Zweitens: Generationenwechsel erwünscht
Mit Günther Beckstein als Ministerpräsident und Erwin Huber als Parteichef bot die CSU ein Spitzenduo auf, das treu zu Edmund Stoiber gestanden hatte. Die beiden haben im Wahlkampf nicht überzeugt, sie rissen nicht mit und setzten keine Themen. Sie waren zu alt für den Wandel in der Partei. Jetzt werden Markus Söder und andere eine größere Rolle spielen. Die Generalsekretärin Haderthauer und andere sind reif für den Rücktritt.
Drittens: SPD schöpft keine Kraft
Obwohl die SPD schon im Keller war, kam sie die Treppe wieder nicht hoch. Von ihrem Ziel, 25 Prozent, ist sie weit entfernt. Auch ein Desaster. Der Wechsel in der Bundespartei, die erfolgreiche Intrige gegen Kurt Beck, das alles hat nicht gefruchtet. Die Freude der Sozis über den Verlust der CSU rettet nicht über die Erkenntnis des eigenen Versagens hinweg.
Viertens: Große Koalition ohne Strahlkraft
Bundeskanzlerin Angela Merkel war noch einmal in der Schlussphase des bayerischen Wahlkampfs aktiv. Das blieb ohne Wirkung. Die Arbeit der Großen Koalition war kein Trumpf-Ass für die Bayern. Die Wähler wissen, dass auch diese Ära von Union und SPD in Berlin zu Ende geht.
Fünftens: CSU in Berlin zahnlos
Die Stärke der Bayern im Bundeskabinett kam immer von den guten Wahlergebnissen. Das war nicht einfach eine Regionalpartei, das war eine starke Stimme des Konservativismus, die etwas in der Republik bewegen konnte. Der Löwe hat kein Gebiss mehr. Die Manöver des Noch-Parteichefs Erwin Huber, der populistisch auf die alte Pendlerpauschale setzte, machten ihn eher zur bespöttelten Figur.
Sechstens: Vielfalt gefragt
Die Bürger wollen in Bayern nicht mehr die etablierten großen Parteien, sie wollen mehr Vielfalt auf den Sitzen des Parlaments. Die Freien Wähler, die Liberalen und die Grünen sind solche Strömungen, auf die man setzt, wenn SPD und Union nicht mehr gewollt werden. Es ist eine sanfte Form des bürgerlichen Protests. Und die Wähler wollen eine Koalition, ein Korrektiv für die langjährige Mehrheitspartei. Bayern hat nun ein buntes Parlament, wie es in der Bundesrepublik schon seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.
Siebtens: Linke ohne Erfolgsabonnement
Oskar Lafontaine war mit den Linken bei den letzten Landtagswahlen erfolgreich, weil er die soziale Frage betonte und der SPD die Wähler abjagte. Damit war in Bayern Schluss. Hier formierte sich bei den Freien Wählern, was andernorts zu den Linken gegangen war.
- Ticker-Nachlese Herbst, Hagel, CSU 29.09.2008
- Wahldesaster für die CSU Das Ende der Staatspartei 29.09.2008
- Landtagswahl "Ich bin optimistisch" 28.09.2008
- Polit-Psychologie "Politiker zu sein, frisst an der Seele" 28.09.2008
- Landtagswahl in Bayern Von Stimmen und Stimmungen 28.09.2008
(sueddeutsche.de/plin/ihe)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
Endlich ein Bayern mit demokratischer Normalität! Endlich eine Pfundswatschn für eine Partei die in maßloser Arroganz sich selbst für einen unverzichtbaren Bestandteil Bayerns gehalten hat wie Seen und Berge.
Anständige Bayern wählen CSU, hat Beckstein gesagt - als wären wir, bloß weil wir das dreigliedrige Schulsystem, das überhastete G8 und die Vetternwirtschaft der CSU für falsch halten, unanständige Bayern. Endlich wird auch das andere Bayern, das liberale, das umweltbewußte, das aufgeschlossene Bayern im Landtag stärker zu Wort kommen. Und von außen wird Bayern nicht mehr als schwarzer Block sondern als unter Haufen wahrgenommen - prima, denn das sind wir!
Gut auch, dass die Linke nicht vertreten sein wird - Gewerkschaftsromantik aus den 70ern wird im 21. Jahrhundert nicht helfen, denn sie reißt nur alte Kampfgräben auf und träumt von Reichensteuer, in einem Land in dem es jetzt schon mehr Umverteilung von reich zu arm gibt als in den meisten anderen Ländern.
Hoffentlich bewegt sich schnell etwas in der Bildungspolitik! Hier hält die CSU bisher mit Querverweis auf Pisa ein ungerechtes und zynisches Aussieben am Leben - mit dem Ergebnis dass jedes Jahr knapp 10% der bayrischen Kinder die Schule ohne jeden Abschluß verlassen. Direkter Hartz IV Nachwuchs.
Wir haben weder Uran noch Erdöl. Wir haben als Rohstoff nur das was wir zwischen den Ohren haben! Pflegen und fördern wir es!
dass die Politrentner abtreten. Mit Huber und Herrn Beckstein stand die alte Garde zur Wahl. Jetzt wird es Zeit, dass die Neuen kommen. Gut wäre, wenn Herr Beckstein nicht erst versuchen würde, die neue Regierung zu stellen. Sondern dass ein Junger das Ruder übernimmt. Lieber ein ganz Junger als die ewigen Politiker...!
aber nicht nach Vielfalt.
5 oder gar 6 Parteien heißt doch nichts anderes als dasß das ganze Wahlvolk orientierungslos ist. Keine Kunststück, ein starker Hegemon trat ab, Vasallen folgten. Dann gibt es erst einmal eine Koalition der Unfähigen, die eine Menge Vakuum schufen und die Opposition frech werden läßt.
Keine Bange: Bayern sehnt sich nach einem Starken Mann. Der kommt - nach Huber und Beckstein.
Getreu dem Motto. Mir braucha wieda amoi an Anarchen - Ja, aber wenn scho, dann an Starken!
These zwei. Generationswechsel erwünscht? Vielleicht, aber doch nicht Markus Söder !
Meine These: eine überzeugende Persönlichkeit wird benötigt, Alter ist sekundär.
Wie wäre es mit Seehofer als Parteichef und mit Wilhelm als neuer MP?
@SZ: "Oskar Lafontaine war mit den Linken bei den letzten Landtagswahlen erfolgreich,
weil er die soziale Frage betonte und der SPD die Wähler abjagte. Damit war in Bayern Schluss. Hier formierte sich bei den Freien Wählern, was andernorts zu den Linken gegangen war" .
Welch eine Verkennung der Situation: Die freien Wähler sind bürgerlich und konservativ.
Von den Linken kommt nichts, die haben im Bestand der CSU gewildert (wie auch die FDP).