Bayerns Gefängnisse sind chronisch überfüllt. Die Personalquote ist die schlechteste aller Bundesländer - die Gewalt nimmt zu.
Noch ist kein Urteil gesprochen, und die Angeklagten weisen alle Vorwürfe zurück. Aber wenn stimmt, was die Staatsanwaltschaft Augsburg den vier Männern vorwirft, dann haben sich im März 2006 in der Justizvollzugsanstalt Kaisheim erschreckende Szenen abgespielt: "15 bis 20 Mann", so die Anklage, lockten einen Mithäftling im Keller der Haftanstalt in einen Hinterhalt, um dann mit Händen und Füßen auf ihn einzuschlagen. Dem Opfer ist laut Staatsanwalt niemand zu Hilfe gekommen. Der Mann habe es aber geschafft, in einen Haftraum zu fliehen. Dort beschützte ihn schließlich ein Wachbeamter.
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Justizvollzugsanstalt Stadelheim: Die Gefängnisse in Bayern sind seit Jahren chronisch überbelegt. Derzeit fehlen nach den Zahlen des Justizministeriums etwa 1000 Haftplätze. (© Foto: ddp)
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Spritzen und Scheren
In jüngster Vergangenheit drangen immer wieder Meldungen über Schlägereien, Messerstechereien und Drogentote aus den Gefängnissen in die Öffentlichkeit. Sie werfen eine Frage auf: Wie sicher sind die Häftlinge und das Personal in den bayerischen Haftanstalten? Die vier Männer auf der Augsburger Anklagebank behaupten, der Zeuge habe alles erlogen, um mit seiner Aussage Hafterleichterungen zu erreichen. Das Amtsgericht wird nächstes Jahr entscheiden, ob sich die Misshandlung des Häftlings so zugetragen hat oder nicht.
Bereits belegt sind hingegen andere Vorfälle, die kein gutes Licht auf die Zustände hinter den Mauern der Haftanstalten werfen: 2001 wurde in Nürnberg ein Häftling mit einer Schere niedergestochen, er starb im Krankenhaus. 2007 setzten sich in Kaisheim und Würzburg Häftlinge Heroinspritzen und starben an einer Überdosis. Im Oktober 2008 gab es in der Straubinger Haftanstalt eine Messerstecherei unter zehn Männern, zwei wurden schwer verletzt, einer starb.
Bei einer Razzia im Sommer 2007 fand die Polizei in Kaisheim und Straubing Drogen und zahlreiche Handys, mit denen der Drogennachschub organisiert wurde. Nach dieser Razzia leitete die Staatsanwaltschaft Augsburg 32 Verfahren gegen Häftlinge und deren Komplizen ein, meist wegen Drogenhandels.
Im einem dieser Prozesse müssen sich die vier Angeklagten in Augsburg wegen eines weiteren Vorwurfs von gefährlicher Körperverletzung - in Kombination mit räuberischer Erpressung - verantworten. Sie werden beschuldigt, sie hätten zwei Mithäftlinge mit massiven Drohungen und Schlägen dazu zwingen wollen, Schutzgeld an die Russenmafia zu zahlen. Trotz der massiven Übergriffe ließen sich die beiden Männer nicht einschüchtern und wandten sich an die Polizei. Experten bezeichnen dieses Verhalten als sehr mutig und außergewöhnlich. Vor dem Amtsgericht sagte ein Kriminalpolizist, es habe Versuche gegeben, die Aussagen mit Drohungen zu verhindern.
Dementsprechend muss bei gewalttätigen Übergriffen in den Gefängnissen von einer großen Dunkelziffer ausgegangen werden. Das Bayerische Justizministerium berichtet von 287 Strafverfahren gegen Häftlinge in den Jahren 2001 bis 2005. Daraus errechnet das Ministerium jährlich 1,59 Straftaten pro Gefängnis, dies sei angesichts der gewaltbereiten Klientel eine geringe Zahl.
Die Behörde räumt aber auch ein, dass die Haftanstalten in Bayern chronisch überbelegt sind: Seit Jahren fehlen etwa 1000 Haftplätze. Außerdem ist der Freistaat bundesweit das Schlusslicht, was das Zahlenverhältnis von Personal zu Inhaftierten angeht: "Auf 100 Häftlinge kommen 40 Bedienstete", sagt Anton Bachl, der Vorsitzende des Landesverbands der bayerischen Justizvollzugsbediensteten. "Das ist die schlechteste Quote aller Bundesländer."
Das Justizministerium bestätigt dies, teilt aber rechtfertigend mit: "Die knappe Personaldecke führt dazu, dass die Kosten je Hafttag in Bayern am niedrigsten sind." Für Bachl ist dies die falsche Herangehensweise. Er fordert seit Jahren mehr Personal: "Wir bräuchten 600 zusätzliche Leute im Aufsichtsdienst." Damit würde die Betreuungsquote den Bundesschnitt erreichen. Von idealen Arbeitsbedingungen würde er aber auch dann noch nicht sprechen. "Wir haben viel zu wenig Personal, die Herrschaften müssen sich aber überwacht fühlen."
Im Männerkloster
Friedhelm Kirchhoff, der Direktor der Haftanstalt Kaisheim, bestätigt Bachls Einschätzung: "Wir haben 616 Haftplätze, aber 690 Häftlinge." Damit sei er nicht zufrieden, die Überbelegung sei "eine Belastung für das Personal, die Verwaltung und die Gefangenen". Kirchhoffs Gefängnis befindet sich in einem ehemaligen Zisterzienserkloster - mit sogenannten "Sälen", in denen bis zu acht Männer untergebracht sind.
"Bei solchen Mehrfachbelegungen können automatisch rechtsfreie Räume entstehen", sagt Anton Bachl. "Wie will man in der Nacht einen Acht-Mann-Saal oder auch eine Zwei-Mann-Zelle überwachen?" Bayernweit seien 40 Prozent aller Insassen in Mehrfachzellen untergebracht, so Bachl, "darunter leidet natürlich die Sicherheit". Deshalb fordert er mehr Einzelhafträume.
Das Justizministerium reagiert: Derzeit werden die Sozialtherapieplätze für Straftäter ausgebaut sowie Neubau- und Erweiterungsprojekte vorangetrieben. Im April wurde der erste Bauabschnitt der neuen Haftanstalt Landshut in Betrieb genommen, der zweite soll 2010 fertig sein. In Gablingen bei Augsburg ist für 2012 ein neues Gefängnis geplant.
Ob die neuen Gebäude die Überfüllung der bayerischen Haftanstalten und somit die Zahl der Straftaten eindämmen werden, scheint fraglich. Denn vermutlich wird in den nächsten Jahren auch die Zahl der Häftlinge steigen: Der Sprecher der Justizvollzugsbediensteten Anton Bachl ist sich da sicher: "Immer, wenn sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert, gibt es auch mehr Straftaten."
(SZ vom 06.12.2008/cag)
Gewalt in Syrien
Die neueste Antwort
"Es gibt andere Wege der Bestrafung, die menschenwürdiger sind. "
ach! was bist du so schlau, die Mache mit der Menschenwürde hat schon mal einer ausprobiert in den 80er in Frankreich , Mitterand hat die Kleinkriminelle auf Staatskosten an die côte d'azur zur reabilitierung geschickt, es hat leider nichts gebracht.
A.Q
es müßte sich inzwischen rumgesprochen haben, daß "einsperren" an sich weder der gesellschaft hilft, noch den täter auf ein straffreies leben vorbereitet bzw ihn ändern kann. sparmaßnahmen im vollzug schaden allen und ist langfristig für die gesellschaft sehr teuer. am teuersten müssen die zukünftigen opfer von nicht resozalisierten tätern bezahlen, die gesellschaft zahlt dann die erneute inhaftierung. das problem liegt in der politik, - wer will seine wiederwahl gefärden weil er mehr geld für die "ganster" fordert?
ist die Methode, Menschen in 8 qm kleine Zellen einzusperren, womöglich noch zu zweit oder gar mit noch mehr Belegung, und dann zu meinen, sie würden sich "bessern". Noch dazu, wenn ein Gefangener, der z.B. nur wegen einer Kleinigkeit, meist handelt es sich um finanzielle "Vergehen", eingesperrt wird und dann in der Zelle mit Schwerverbrechern zusammen einsitzt. Was glauben Sie, was so ein Mensch da während der ganzen Zeit im Knast denkt und spekuliert?
Es gibt teilweise Gefängniszellen, vor dessen vergitterten kleinen Fenstern zusätzlich noch Milchglasscheiben angebracht sind (z.B. in Kempten), so dass die Insassen nicht einmal wissen, ob draussen die Sonne scheint oder ob es regnet. Aus der Zelle kommen Gefangene meist nur für eine halbe Stunde am Tag zum Hofgang, der bei Regenwetter ausfällt. Besonders schlimm dran sind Untersuchungsgefangene, die oft nicht einmal aus der Zelle auf den Gang dürfen. An Wochenenden und Feiertagen gibt es oft wegen Personalknappheit keinen einzigen Beamten auf der Etage. Wenn da Streitereien, oder wie in Straubing passiert, noch schlimmer, jemand mit einem Messer angegriffen wird, kann der Verletzte unter Umständen verbluten, weil keine Hilfe da ist. Zwar gibt es in jeder zelle einen kLingelknopf für notfälle, der nützt aber nichts, wenn kein Beamter Dienst hat.
Der Gefangene entwickelt im Laufe der Tage, Wochen und Monate in der Zelle einen nie vorher gekannten Hass auf die Gesellschaft, die ihn eingesperrt hat. Die Akzeptanz schwerer Straftaten seiner Mitgefangenen in der Zelle steigt von Tag zu Tag. Die Justiz züchtet auf diese Weise Schwerverbrecher heran.
Schafft endlich die Gefängnisse für Kleinkriminelle ab. Über zwei Drittel aller Gefangenen in deutschen Gefängnissen sitzen wegen Kleinnigkeiten, meist wegen finanzieller Probleme. Löst Euch vom mittelalterlichen Gedanken der Rache. Es gibt andere Wege der Bestrafung, die menschenwürdiger sind.
In Deutschland kostet jeder Gefängnisplatz pro Person und Tag ca. 200 Euro. Da wird gespart.
In USA sind Gefängnisse privatisiert und es wird damit Geld verdient. Das kommt daher, dass die Gefängnisse Industrieunternehmen sind. Jeder Insasse verdient sich Unterkunft, Verpflegung und vor allem jede Art von Luxus (bessere Verpflegung, Einzelzimmer, Fernsehen, usw.) selbst. Die Leute verlassen am Ende der Haftzeit das Gefängnis mit einem finanziellen Grundstock. Durch die regelmäßige Arbeit und den erlebten Zusammenhang zwischen Arbeit und Ausgabemöglichkeiten funktioniert auch die Resozialisierung besser.
Meiner Meinung nach ist der "bairische" Vollzug charakterisiert durch die Entwicklung weg von der Resozialisierung hin zum sogenannten Schutz der Bevölkerung = Verwahrvollzug.Als Beispiel möge etwa die JVA Landsberg dienen, wo von 60-70 Gefangenen im Freigängerstatus (=freies Beschäftigungsverhältnis) auf aktuell unter 10 gefallen sind, ehrenamtliche Betreuer Gefangene erst knapp vor der Entlassung draussen betreuen können. Gemeint ist hierbei (Schutz) lediglich die Einsparung welche das Verwahren bietet (Billig-Personal, Billig-Inhaftierung) , denn Resozialiserung kostet. Die Einsparung ist aber kurzfristig, denn ein Nicht-Resozialisierter kostet langfristig mehr und ist ein grösseres Risiko für die Bevölkerung. (Motto abgelesen von einer Zellenwandschmiererei : "Und wenn sie uns auch noch so hassen, eines Tages MÜSSEN sie uns entlassen". Dieses jahrelange hinarbeiten durch die tägliche Vollzugspraxis wurde nach meiner Meinung nachträglich legalisiert durch das bayrische Vollzuugsgesetz. Das führt zum "Billig und Schäbig" Vollzug mit katatrophalen Folgen, siehe in dem Bericht oben. Meiner Meinung nach sitzen Gefangene in bayrischen Gefängnissen in schlecht geheizten Zellen, werden mit Dampfkost miserabel ernährt, von Anstalts-Supermärkten abgezockt, schlecht betreut und unzureichend behandelt. Telefonieren - in anderen Bundesländern keine Frage - in Bayern gibt es keine den Gefangenen frei zugängliche Telefonmöglichkeit. Lockerungen oder gezielte Wege zurück in ein straffreies Leben in nicht ausreichendem Maße praktiziert. Und man ist auch in Bayern in den betreffenden Beamtenkreisen offenbar noch stolz darauf den Weg zurück zum Steinzeitvollzug zu gehen. Die Bestraften (ok, grundlos ist die Mehrzahl der Gefangenen nicht in Haft) werden meiner Meinung nach zusätzlich zur Strafe für ihre Tat beschwert durch harte Haftbedingungen und nicht nachhaltig für ein zukünftiges Leben ohne Straftaten vorbereitet. Macht sich an diesen Umständen jemand schuldig ? Oder wird das Resultat (ein Rückfälliger, dessen Rückfall auch eben und insbesondere durch diese Umstände hervorgerufen wurde) billigend in Kauf genommen ebenso wie das zerstörte Leben und der dadurch latent Rückfallgefährdeten? Oder berauscht man sich an dem "Bayern ist sicher" auf dem Niveau der Bayern-LB - die Rechnung wird später präsentiert ?
Aber alle diese Einsichten und Ansichten kann man durch populistische Maßnhamen vernebeln - Gefangene haben keine Lobby - kann also nur Punkte geben bei der Wah
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