Aschaffenburg: "Pizzamord-Prozess" "Ich dachte, ich sterbe"

Vor dem Landgericht Aschaffenburg schildet die verzweifelte Frau des Opfers die Tatnacht, in der ihr Mann mit 31 Messerstichen ermordet wurde.

Mehrfach schüttelt sie erschöpft den Kopf, atmet tief ein, erzählt mit teils brüchiger Stimme, wie sie die Tatnacht erlebt hat. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich da sterben werde", schildert die 36-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Aschaffenburg völlig verzweifelt die dramatischen Ereignisse, bei denen ihr Mann getötet wurde. Auch sie sei von dem 49 Jahre alten Angeklagten mit einem Messer attackiert worden. "Mein Mann hat gebettelt, ich habe gebettelt", sagte die zweifache Mutter, die den Angreifer anflehte, ihrer Familie nichts zu tun.

Aschaffenburg: "Pizzamord-Prozess"

Mit 31 Messerstichen soll der Angeklagte im Aschaffenburger "Pizzamord-Prozess" sein Opfer erstochen haben.

(Foto: Foto: dpa)

Der frühere Geschäftspartner ihres Mannes muss sich wegen Mordes und versuchten Mordes verantworten. Der Immobilienmakler habe in der Nacht zum 10. Mai 2007 an ihrem Haus in Hösbach (Landkreis Aschaffenburg) geklingelt und "Pizza" gerufen, erzählte die Mutter, die heute die Gaststätten ihres toten Mannes alleine weiterbetreibt. Als ihr 42 Jahre alter Ehemann nichtsahnend die Tür geöffnet habe, sei er von dem Angeklagten angegriffen worden. Der Familienvater erlag wenige Stunden später seinen Verletzungen.

Rechtsmediziner hatten an seiner Leiche 31 Messerstiche festgestellt. Der frühere Geschäftspartner ihres Mannes habe ihnen bei dem Angriff ständig Vorhaltungen gemacht und gedroht, berichtete die Informatikerin. So soll er unter anderem gebrüllt haben: "Ihr habt meine Familie zerstört. Jetzt zerstöre ich Euch."

Dagegen hatte der Immobilienmakler den Tod des Familienvaters zum Prozessauftakt am vergangenen Freitag als Notwehr dargestellt und sich entschuldigt. "Ich habe Angst gehabt, Angst um meine Familie", sagte der Angeklagte. Sein Opfer soll ihn selbst mehrfach bedroht haben, auch mit einer Pistole. Zuvor hatten sich beide bei Geschäften überworfen; das Opfer hatte 25.000 Euro von dem heute insolventen Makler verlangt. Er sei nach Hösbach gefahren, um über die strittigen Fragen zu reden, sagte der 49-Jährige vor wenigen Tagen. Als Pizzabote will er sich nicht getarnt haben. Nach dem Klingeln habe der Hausbesitzer die Tür geöffnet und sofort zugeschlagen. Als der Gaststättenbetreiber schließlich mit einem Stahlstuhl auf ihn eingeschlagen habe, habe er sich gewehrt. "Ich habe mich gegen ihn nur verteidigt", sagte der gelernte Metzger.

Die Ehefrau des Opfers war von dem 49-Jährigen durch Messerstiche verletzt worden, als sie sich schützend vor ihren heute sieben Jahre alten Sohn geworfen habe. "Er wollte meine Kinder umbringen", schilderte die 36-Jährige mit Tränen in den Augen. In dem Gerangel, in dem das Ehepaar auch um sein Leben gebettelt habe, sei es ihr gelungen, die Polizei zu alarmieren. Weil sie davon ausging, dass die Familie den Abend nicht überleben werde, habe sie den Namen des Angreifers in das Telefon geschrien.

Gut zehn Monate nach der Bluttat geht es der Familie des Opfers immer noch sehr schlecht. "Der Zustand meiner Kinder ist sehr kritisch", sagte die Frau. Manchmal schlafen alle drei im Zimmer der achtjährigen Tochter - "aus Angst". Wenn ihr Mann nicht gewesen wäre, wären sie und ihre Kinder nicht mehr da. "Er hat uns das Leben gerettet", sagte die 36-Jährige. Der Prozess soll an diesem Donnerstag fortgesetzt werden.