Das Credo des Augsburger Bischofs Walter Mixa ist klar: Ein Kleriker habe unbequem zu sein. Doch Mixa ist weniger unbequem als vielmehr lästig.
Walter Mixa wieder mal. Andere Geistliche seines Ranges bleiben am Aschermittwoch in ihrer Kathedrale und legen den Menschen das Aschenkreuz auf. Mixa hingegen fährt anschließend noch zum politischen Aschermittwoch eines CSU-Ortsverbandes, um dort aufzutrumpfen. So viel zu seiner Eitelkeit, die diesen Bischof umstrahlt wie manch kleinen Stadtpfarrer die Aureole der Güte.
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Bischof Walter Mixa: Er hat ein Tabu gebrochen. (© Foto: ddp)
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Sein Credo lautet, ein Kleriker habe unbequem zu sein. Mixa aber ist mit seinen vereinfachenden Äußerungen weniger unbequem als vielmehr lästig. Lästig, weil er seiner Kirche immer wieder zur Last fällt mit seinen Kraftmeiereien, an denen er sich selbst berauscht.
Und mit seinen überspitzten Botschaften, die von nichts anderem zeugen als von einer unbändigen Angriffslust. Dabei hat Angriffslust im Evangelium, das er verkünden sollte, so wenig verloren wie ein Panzer am Hochaltar.
Wenn er in Dinkelsbühl den Holocaust und die Zahl der abgetriebenen Kinder in Deutschland in einem Atemzug erwähnt hat, ist dieser Bischof nicht nur in einen weiteren Fettnapf getrampelt. Er hat ein Tabu gebrochen.
Die Vernichtung der Juden im Dritten Reich ist mit nichts in Vergleich zu setzen. Wer sie thematisiert, muss wissen, dass es als eine schlimme Provokation auszulegen ist, wenn er nach den sechs Millionen Ermordeten der Shoa auf die Zahl von getöteten Föten zu sprechen kommt.
Zweifellos weiß Bischof Mixa um dieses Tabu. Bei ihm ist zu vermuten, dass er absichtlich provoziert, um Aufmerksamkeit zu finden. Das ist gerade jetzt unerträglich, wo die katholische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum durch Pannen im Vatikan demoliert hat. Mixa ist nicht viel sensibler.
(SZ vom 28.02.2009)
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Amen, Hohenstaufen.
Bis jetzt warte ich noch auf Antwort zu meiner völlig unpolemisch gestellten Frage, inwiefern das fürchterliche und entsetzliche Leid der Juden in den Lagern "unvergleichlich" ist mit dem der Sinti und Roma dort... oder mit den Millionenn abgeschlachteter Rwander... Gulag-Toter... Killing-fields Opfer etc. WAS macht den Holocaust so "unvergleichlich"?
Der Artikel pflegt unübersehbar, was man nicht ganz zu unrecht auch Empörungsjournalismus nennt.
Apodiktisch wird behauptet: "Die Vernichtung der Juden im Dritten Reich ist mit nichts in Vergleich zu setzen."
Dagegen ist zu sagen: Wenn der millionenfache Mord an den Juden einen Sinn gehabt haben sollte, so liegt dieser gerade darin, vergleichbares Morden in Zukunft ein für allemal zu verhindern.
Es mag der libelaren Attitüde nicht zu passen, dennoch ist festzuhalten:
1. Sowohl bei der Abtreibung als auch beim Holocaust geht es um die Vernichtung vermeintlich "minderen", vorgeblich nicht "lebenswerten" oder "minderwertigen" Lebens.
Das Baby muss weichen, weil es der Mutter (oder dem Vater) nicht in die Lebensplanung passt. Die Juden mussten weichen, weil sie als Gefahr für das Wohl des deutschen Volkes gesehen wurden. Die Analogien sind unübersehbar.
2. Sowohl der Holocaust als auch die Abtreibung liegt systematisches Vorgehen zugrunde. Im Falle der Juden war es die systematische KZ-Vernichtung, im Fall der Abtreibung ist es die systematisierte, vom Staat gewährleistete Verfügbarkeit von Abtreibungsmöglichkeiten (Abtreibungspraxen und Abtreibungskliniken) für abtreibungswillige Frauen, ohne dass sich der Embryo dagegen wehren könnte.
Bischof Mixa verdient unser aller Dank, den verbrecherischen Charakter der Abtreibung klar und unmissverständlich benannt zu haben.
Warum heisst es wohl POLITISCHER ASCHERMITTWOCH ???
Ganz sicher nicht, weil hier der Augsburger Dampfplauderer Mixa zu Wort gebeten wird.