Von Von Jürgen Wolff

Von einem Auto unter 9000 Euro kann man weder Wurzelholz-Intarsien verlangen noch Massagesitze aus Connolly-Leder. Wohl aber pfiffige Ideen, gute Verarbeitung und sparsamen Verbrauch. Kann der Aygo das?

Der Aygo, so die Zielvorgabe der japanischen Marketing-Strategen, "soll der jungen Generation Europas zur Unabhängigkeit verhelfen" in einem Leben, "in dem Grenzen und Entfernungen praktisch keine Rolle mehr spielen".

toyota aygo

Der Toyota Aygo erwies sich als zuverlässiger Geselle im Praxistest. (© Foto: Toyota)

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Nett gemeint. Aber Wunder darf man von dem kleinsten Toyota auf dem europäischen Markt für 8950 Euro Kampfpreis nicht erwarten. Um diesen Preis zu halten, hilft den Japanern nicht nur eine einfache Bauart, sondern auch die schiere Masse. Und das herstellerübergreifend: Vom gleichen Band wie der Aygo laufen bei Toyota im tschechischen Kolin, 60 Kilometer von Prag, im Minutentakt auch die Modelle C1 von Citroen und 107 von Peugeot. Unter dem jeweils eigenständig gestylten Blechkleid steckt bei allen immer der gleiche Inhalt. 1,3 Milliarden Euro haben die drei Autohersteller dafür investiert.

Aber auch, wenn ein kleines Auto nur relativ kleines Geld kostet: Bieten muss es dafür schon was.

Kleines Raum-Wunder

Und das tut er, der Aygo - wenn auch gelegentlich mit kleinen Abstrichen. Die ersten Sympathiewerte verdient er sich schon beim Außendesign. Dynamisch, lustig, rund und eigenständig - verwechseln wird ihn so schnell niemand. Die kurzen Überhänge sorgen für eine optimale Ausnutzung der 3,41 Meter langen Karosserie. Das kommt vor allem dem Innenraum zugute. Der ist - für ein Auto dieser Klasse - nachgerade üppig bemessen.

Selbst hinten kann man als Erwachsener noch relativ entspannt sitzen, wenn man die 1,80 Meter Körpergröße nicht überschreitet. Vorne haben auch etwas größere Fahrer gut Platz - der Sitz lässt sich ausreichend weit nach hinten verschieben, das Lenkrad ist zumindest in der Höhe einstellbar.

Die Sitze selbst machen auf den ersten Blick zwar einen etwas arg einfachen Eindruck, erweisen sich aber durchaus als körpergerecht ausgeformt und straff gepolstert. Der Seitenhalt in Kurven könnte allerdings etwas besser sein.

Von der übersichtlichen und pfiffigen Instrumentierung her ist der Aygo schnell und einfach zu bedienen. Die Schalter sind funktionell und griffig, die Pedalerie auch für breite Füße ausreichend weit auseinander konzipiert. Die Verarbeitung ist toyotatypisch gut, aus Gründen der Sparsamkeit findet sich allerdings etwas viel lackiertes Blech im Innenraum. Über einen Mangel an Ablagen wird sich im Aygo niemand beschweren können.

Abstriche-Liste

Die Karosserie ist übersichtlich, und auch im engen Stadtverkehr ist der Aygo handlich zu fahren.

Negativ: Die elektrischen Fensterheber funktionieren nur bei eingeschalteter Zündung, und die Seitenspiegel muss man von Hand wie zu Hippie-Zeiten jeweils per Hebel einstellen. Der einarmige Scheibenwischer reinigt einen zwar großen, aber doch eingeschränkten Bereich der Windschutzscheibe. Und um den Tankdeckel zu öffnen, ist eine ziemliche Fummelei mit dem Zündschlüssel nötig.

Leider war bei so viel Innenraum nicht mehr allzu viel Platz für den Kofferraum. Der ist mit standardmäßig 130 Liter Fassungsvermögen alles andere als üppig - selbst ein Smart hat 20 Liter mehr zu bieten. Und ein Fiat Panda ist mit 206 Litern gegen den Aygo ein wahrer Lkw. Selbst, wenn man die Lehnen der Rückbank umklappt, kommen nur 782 Liter mit Stufe zusammen - der Panda etwa hat dann immer noch 78 Liter mehr.

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